SV Ophoven: Ausgezeichnet für besonderes Engagement

Von: Anna Petra Thomas
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Über den Preis für den SV 1936 Ophoven freuten sich vor dem Wassenberger Rathaus Manfred Winkens, Hans-Jürgen Seffner, Franz-Josef Bischofs, Michael Louis, Dirk Schulze, Herbert Stolz, Hans-Christian Olpen und Eduard Meinzer (v.l.). Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. Nach der großen Ehrung im Mannheimer Rosengarten waren Dirk Schulze, Vorsitzender des SV 1936, Vereinskassierer Michael Louis und weitere Vertreter der Heinsberger Justizvollzugsanstalt sowie des regionalen Fußballs und Sports auch bei Bürgermeister Manfred Winkens im Wassenberger Rathaus zu Gast.

„Wenn ein Verein im Stadtgebiet eine solch herausragende Auszeichnung erhält, sollte man das auch entsprechend würdigen“, sagte Winkens über den Empfang im Ratssaal.

„Das ist ein gutes Beispiel und zur Nachahmung empfohlen“, betonte Winkens mit Blick auf das von Schulze initiierte Engagement des Ophovener Fußballclubs für Gefangene der JVA. Er sei selbst in Ophoven geboren und habe viele Jahre beim SV gespielt, sei gar im Vorstand aktiv gewesen, macht er keinen Hehl aus seiner persönlichen Verbundenheit zum Verein.

Zum 75-Jährigen des Vereins sei sein Ziel gewesen, eine zweite Seniorenmannschaft im Verein zu haben, erklärte Schulz zum Werdegang des ausgezeichneten Projekts. Da der Verein selbst dazu nicht genug Spieler hatte, rief der Vorsitzende in der JVA an. Hier lief er damit quasi durch offene Türen.

Die JVA ist Partner der Resozialisierungsinitiative „Anstoß für ein neues Leben“, die unter anderem von der DFB-Stiftung Sepp Herberger ins Leben gerufen wurde. Schulze unterschrieb eine Vereinbarung mit der JVA und das Projekt konnte beginnen.

„Am Anfang war es eine Ein-Mann-Show“, räumte Schulze bei der Präsentation von Bildern aus der Feier im Mannheimer Rosengarten ein. Aber ganz schnell habe nicht der Verein das Projekt mitgetragen, sondern eigentlich das ganze Dorf. „Wir geben, aber wir bekommen auch sehr viel“, sagte Schulze. Heute sei das Projekt eigentlich ein Selbstläufer. Vier Spieler aus der JVA würden immer zur Mannschaft gehören, die in der Kreisliga C spielt.

Mehr als 40 Spieler hätten seit Start des Projekts bereits in Ophoven gespielt. Und es gebe sogar welche, die dem Verein selbst nach der Entlassung aus der JVA treu blieben. Einer von ihnen lebe in Krefeld und komme regelmäßig zu Training und Spiel nach Ophoven. Zugleich sei er auf der Suche nach einer Lehrstelle im Baufach, um dann sogar hier sesshaft werden zu können.

Beeindruckend waren die Aussagen der Gefangenen, die den Gästen des Empfangs in einem Film übermittelt wurden. „Dass man kurz mal vergisst, dass man im Knast sitzt“, sagte der eine. „Das spornt an, normal leben zu können“, sagte ein anderer.

Und in den Spielen seien die jungen Gefangenen anders als von ihm erwartet gerade die ohne gelbe Karten, ergänzte Schulze. Er dankte allen, die das Projekt bisher unterstützt haben, darunter auch Eduard Meinzer, Vorsitzender des Fußballkreises Heinsberg. Er sei immer ansprechbar, wenn aufgrund der Haftbedingungen der Gefangenen eine Spielverlegung notwendig werde.

Mit dabei war auch Hans-Christian Olpen, Vizepräsident des Fußballverbands Mittelrhein. Er hatte die Ophovener für den mit 5000 Euro dotierten Preis in der Kategorie Resozialisierung vorgeschlagen. Weitere Kategorien sind Behindertenfußball, Sozialwerk sowie die Kategorie Schule und Verein, in der im vergangenen Jahr der SC 09 ausgezeichnet worden ist.

Dass Vereine aus dem Kreis Heinsberg damit zwei Mal hintereinander erfolgreich gewesen seien, freue ihn besonders, betonte Olpen. Jeder Landesverband dürfe nämlich pro Jahr nur je einen Verein vorschlagen.

„Die Leistung des SV 1936 Ophoven ist bundesweit herausragend!“, sagte der Vizepräsident. Der kleine Verein stehe nun in einer Reihe mit anderen Preisträgern wie dem FC St. Pauli aus Hamburg (1. Platz Behindertenfußball) oder dem FC Hansa Rostock, hinter Ophoven auf dem zweiten Platz in der Kategorie Resozialisierung.

Das Ganze sei eine Win-Win-Situation für beide Seiten, würdige der stellvertretende JVA-Leiter Franz-Josef Bischofs die Kooperation. Er war mit dem Sportbeamten Herbert Stolz nach Wassenberg gekommen. Der Verein habe immer wieder neue Spieler und die JVA die Möglichkeit, Strafgefangene im Rahmen des Projekts zu fördern. Und dabei habe es bisher keinen negativen Vorfall gegeben. „Das ist ein sehr schöner Baustein, um bessere Chancen zu haben, einmal ein straffreies Leben zu führen“, sagte Bischofs.

„Man sieht, ihr habt es verdient für das, was ihr tut“, lautete das Fazit von Winkens, der zu dem Empfang auch den Stadtsportverbandsvorsitzenden Hans-Jürgen Seffner begrüßte. „Ich bin froh, einen solchen Verein im Stadtgebiet zu haben, wenn der Fußball auch nicht mehr den Stellenwert hat, der er einmal hatte.

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