Sturm aus Tönen und Klängen beim VHS-Meisterkonzert

Von: ulla
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Kreis Heinsberg. Wenn auch der erwartete Spanische Abend wegen Erkrankung des angekündigten Gitarristen Friedemann Wuttke zum Bedauern der Zuhörer ausfallen musste, so war doch das sechste Meisterkonzert der Anton-Heinen-Volkshochschule des Kreises Heinsberg in der Erkelenzer Stadthalle ein voller musikalischer Erfolg.

Dies war vor allem dem 3.Streichquartett „Jagdquartett” des zeitgenössischen Komponisten Jörg Widmann zu verdanken.

Das Programm wurde gestaltet von dem 1988 gegründeten Minguet Quartett (in der heutigen Besetzung mit Ulrich Isfort und Anette Reisinger, Violine, Aora Sorin, Viola, und Matthias Diener, Violoncello), das seinen Namen dem spanischen Philosophen Pablo Minguet verdankt, der sich im 18. Jahrhundert besonders darum bemühte, dem „gemeinen” Volk Zugang zu den sogenannten Schönen Künsten zu verschaffen. Und dieser Anspruch ist auch Antrieb des Quartetts, das sich inzwischen durch zahlreiche Auftritte bei internationalen und nationalen Festivals einen ausgezeichneten Ruf erworben hat. Dabei widmet es sich gleichermaßen der klassisch-romantischen Musikliteratur als auch der des 21. Jahrhunderts.

Beim Konzert in Erkelenz gehörten in den ersten Bereich das Streichquartett d-Moll KV 421 von Wolfgang Amadeus Mozart, das in manch düsteren Teilen die gewohnte Mozart´sche Leichtigkeit vermissen ließ, und das Streichquartett f-Moll op. 80 von Felix Mendelssohn Bartholdy, das er seiner früh verstorbenen Schwester Fanny widmete und das deshalb von einer tief empfundenen Traurigkeit durchzogen ist.

Auf die meisten Zuhörer traf wohl zu, was ein Kritiker über den 1973 in München geborenen Komponisten und Klarinettisten Jörg Widmann schrieb: „Wer zum ersten Mal seiner Musik begegnet, ist von ihrer Unmittelbarkeit und Intensität überrascht. Die Musik stürzt nicht selten wie ein Katarakt auf den Hörer ein, sie ist maßlos in ihrer überschäumenden Virtuosität.” Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste München, gehört Widmann inzwischen in die erste Reihe der neuzeitlichen Komponisten; und seine Musik vermag es, die Vorbehalte, die so mancher gegenüber deren modernen Klängen hegt, auszuräumen. Der Professor für Klarinette und Komposition an der Freiburger Hochschule für Musik scheint von atemberaubender Schaffenskraft erfüllt zu sein.

Und ein überzeugendes Beispiel dafür gab es mit dem „Jagdquartett”, einem Stück ohne Noten und wohl nur mit Zeichen versehen, die eine Art roten Faden vorgaben. Nach einem ersten „Einhören” zur Gewöhnung brach ein richtiger Gewittersturm aus Tönen und Klängen, ungemein witzigen Einfällen und schier ungebändigtem Temperament über die Zuhörer herein, wobei die Instrumente oft nur haarscharf den „Malträtierungsattacken” zu entgehen schienen.

Natürlich gab es nach dem starken Beifall und den Blumen auch noch eine Zugabe: ein Zitat von Peter Ruzicka aus Gustav Mahlers 10. Sinfonie.
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