Streitschlichter sorgen für Frieden auf dem Schulhof

Von: cl
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Miriam Kühnemann und Lea Kamp
Miriam Kühnemann und Lea Kamps (v.l.) nehmen vertreiben am KGH düstere Wolken.

Heinsberg. Vieles gehört zum Erwachsenwerden, vieles, das in keinem Schullehrplan zu finden ist. Das bedeutet nicht, dass es für Kinder und Heranwachsende unwichtig wäre. Und auch nicht, dass es im schulischen Kontext nicht vermittelt werden könnte.

Eins dieser Dinge ist das Interagieren mit den Mitschülern. Das neue Streitschlichterteam des Kreisgymnasiums bietet jetzt im selbstgestalteten, eigenen Raum seine fachkundige Unterstützung beim Lösen von kleineren und größeren Konflikten an. Natürlich haben die Lehrer Einfluss auf den Umgang der Schüler untereinander im Klassenzimmer.

Aber niemand hat seine Augen gleichzeitig überall. Und was ist eigentlich, wenn Schüler auf dem Weg in die Pause sind, sich nicht unmittelbar unter den Augen der aufsichtführenden Lehrer auf dem Schulhof aufhalten oder in den unterschiedlichsten Konstellationen am Nachmittag oder Wochenende ihre Freizeit miteinander verbringen? Das läuft nicht immer harmonisch ab.

Da kommt es auch zu Wortgefechten, Streitigkeiten und Auseinandersetzungen. „Streit gibt es in den besten Familien”, so sagt schon eine Redensart. Und eine andere besagt, dass auf ein „reinigendes Gewitter Sonnenschein folgt”. Was aber, um im Bild zu bleiben, wenn die dunklen Wolken sich nicht verziehen, da der Streit von den beteiligten Streithähnen nicht in Eigenregie gelöst werden kann? In der Schule sind die Lehrerinnen und Lehrer zunächst einmal die An-sprechpartner.

„Aber”, so Alexa Struve, die zusammen mit Marion Maybaum die Neuauflage der Streitschlichtung am KGH betreut, „oft fehlt den Lehrern ganz einfach die Zeit, einen Streit unter Schülern in der Pause gründlich zu schlichten und aus der Welt zu schaffen, und für die Schüler ist er ja dann nicht vom Tisch. Das geht ja dann weiter.”

Eine unbefriedigende Situation, bei der man es am KGH nicht belassen wollte. Gut, dass man beim Neustart der Streitschlichtung am Kreisgymnasium auf eigene Erfahrungen sowie allgemein anerkannte Modelle der Konfliktbewältigung zurückgreifen kann, wie das Bensberg Mediations-Modell. Bei diesem Modell übernehmen es Schüler, zwischen den Streitenden zu vermitteln.

Das hat zwei entscheidende Vorteile: Zum einen wissen Gleichaltrige meistens viel besser, um was es bei dem Streit eigentlich geht, können also den Gegenstand der Auseinandersetzung genauer und schneller erfassen und zum anderen stehen Mitschüler in den Augen der Streithähne außer Verdacht, einem Lehrer vergleichbar über eine Entscheidungsbefugnis zu verfügen.

„Darum geht es auch gar nicht”, erklärt Alexa Struve. „Unsere Streitschlichter treffen keine eigenen Entscheidungen im Konflikt. Sie sind für den Ablauf und Prozess verantwortlich und haben die Aufgabe, dazu beizutragen, dass die Streitenden gemeinsam zu einer einvernehmlichen Lösung kommen, bei der sie Eigenständigkeit und Selbstverantwortlichkeit beweisen müssen.”

Selbstverständlich mussten die 22 Mediatoren, die mittlerweile alle die Jahrgangsstufe 9 besuchen, gründlich ausgebildet werden, um eine solche verantwortungsvolle Aufgabe auch angehen zu können. Im zweiten Halbjahr des letzten Schuljahres erhielten sie deshalb im Rahmen einer wöchentlich stattfindenden AG und eines mehrtägigen Workshops das erforderliche Know-how.

„Ganz intensiv konnten wir dann noch einmal in der Projektwoche am KGH arbeiten, bei der wir auch den Streitschlichterraum so wohnlich gestaltet haben, dass er innerhalb von Neubau III, in dem vor allem die jüngeren Schüler ihre Klassenräume haben, ein Refugium darstellt. Uns war wichtig, dass sich die Streithähne, wenn sie zu uns kommen, aus dem schulischen Drumherum herausgehoben fühlen.”

Der Einsatz der engagierten Streitschlichter ist bemerkenswert, da er sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. „In jeder ersten Pause an jedem Schultag sitzen zwei oder sogar drei von uns im Streitschlichterraum”, berichten Miriam Kühnemann und Lea Kamps aus der 9a und der 9c. Und darauf, einen Beitrag zur Beilegung von Streitigkeiten leisten zu können, freuen sich nicht nur die beiden, sondern alle 22 Streitschlichter: „Es gibt eine ganze Menge von Dingen, bei denen wir gerade von den jüngeren Schülerinnen und Schülern gebraucht werden.

Die laufen ja nicht so gerne direkt wegen Kleinigkeiten, die aber zu heftigem Streit führen, zum Lehrer”, so erklärt Lea und Miriam ergänzt: „Dann kommen die zu uns. Am Ende der Schlichtung einigen sie sich, unterschreiben eine Art Vertrag, den sie versprechen einzuhalten, und nach zwei Wochen treffen wir uns noch einmal und sehen, ob der Streit auch wirklich beigelegt ist.”

Um eine nachhaltige Kultur der Konfliktbewältigung zu etablieren, eine Schulkultur, bei der Schülern die Kompetenz zugetraut wird, so manchen Konflikt - nicht jeden, wohlgemerkt! - unter ihresgleichen mit Hilfe eines Vermittlers zu lösen, plant man am KGH bereits für die Zukunft. „Wir wünschen uns, dass die Streitschlichter, die in diesem Jahr an den Start gehen, im folgenden Schuljahr, dem Einführungsjahr der Oberstufe, als Paten der neuen Sextaner bereitstehen und ihnen in dieser Funktion Fertigkeiten der Konfliktbewältigung beibringen.

Für die jetzigen Schülerinnen und Schüler der achten Jahrgangsstufe wird es im zweiten Halbjahr wieder eine Streitschlichter-AG geben.”
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