Steyler Missionsschwester engagiert sich für Wanderarbeitnehmer

Von: Anna Petra Thomas
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Sie engagiert sich seit einem Jahr für Wanderarbeitnehmer vor allem aus Osteuropa: Schwester Svitlana ­Matsiuk. Jetzt berichtete sie von ihren Erfahrungen. Foto: Anna Patra Thomas

Kreis Heinsberg. Seit einem Jahr engagiert sich die Steyler Missionsschwester Svitlana Matsiuk für Wanderarbeitnehmer vor allem aus Osteuropa, wie sie in der Region zum Beispiel in Privathaushalten zur Betreuung und Pflege älterer Mitbürger eingesetzt sind oder in der Erdbeer- und Spargelsaison als Erntehelfer.

Ihre Arbeit mit einer halben Stelle wurde möglich dank einer Kooperationsvereinbarung von Caritas, Bistum und Betriebsseelsorge. Grund genug, eine erste Bilanz zu ziehen. Dazu hatte die Abteilung Pastoral in Lebensräumen im bischöflichen Generalvikariat zu einem Fachgespräch in die Räume des Amos-Arbeitslosenzentrums nach Oberbruch eingeladen. Moderiert wurde es von Pastoralreferent Johannes Eschweiler, der in der Region Heinsberg als Arbeitnehmer- und Betriebsseelsorger tätig ist.

Sie sei im Herbst vergangenen Jahres in die Kirchen gegangen und habe nach den Gottesdiensten von ihrem Projekt erzählt und die Frauen, die sie dort angetroffen habe, eingeladen, berichtete die Ordensschwester. Dankbar sei sie auch den Pfarreien, die ihr ermöglicht hätten, sich in den Pfarrbriefen vorzustellen oder ihre Plakate aufzuhängen.

Mittlerweile gebe es bereits fünf feste Gruppen, in denen sich Frauen, die als Pflegekräfte in der Region Heinsberg tätig seien, treffen würden. Es gebe jeweils eine Gruppe in Erkelenz, Gangelt und Geilenkirchen, im Stadtgebiet Heinsberg darüber hinaus jeweils eine in Karken und eine für den Raum Randerath-Würm.

Die Pflegekräfte, mit denen sie da ins Gespräch komme, würden vorwiegend aus Polen und Rumänien stammen, erklärte Schwester Svitlana, aber auch aus Tschechien, Kroatien und der Ukraine. Ein Problem sei, dass viele Frauen immer noch illegal hier in Deutschland tätig seien und kaum deutsch sprechen könnten.

Dabei helfen sollen jetzt neu etablierte Sprachkurse Heinsberg-Karken und in Erkelenz, die vom Migrationsfonds des Bistums finanziert werden. „Wenn die Frauen die Sprache nicht verstehen, werden sie oft ausgenutzt“, erklärte die Ordensschwester. „Aber viele Familien wollen gar nicht, dass sie gut deutsch sprechen, weil sie sich dann nämlich wehren können.“

Als weitere Probleme identifiziert hat Schwester Svitlana einen Mangel an Ausbildung für die Tätigkeit hier in Deutschland, auch dadurch hervorgerufene psychische Belastungen, den Aufenthalt in der fremden Kultur, oft Probleme in den eigenen Familien in der Heimat sowie schließlich Angst und Einsamkeit.

Wesentlich schwieriger noch sei es gewesen, Kontakte zu Erntehelfern zu knüpfen, berichtete die Ordensfrau weiter. Oft seien die Unterkünfte dieser Menschen mit Zäunen und Stacheldraht abgesperrt. „Das ist eine erschreckende Situation“, pflichtete ihr Johannes Eschweiler bei, der die Veranstaltung moderierte. „Man möchte nicht, dass jemand hinter diese Zäune schaut.“ Auch wusste Schwester Svitlana davon zu berichten, dass es in diesem Bereich Arbeitgeber gebe, die diesen Mitarbeitern die Ausweise abnehmen würdem. Diese könnten dann als Druckmittel gegen sie verwendet werden.

Dass sich Arbeitnehmer auf Wanderschaft begeben würden, bedinge das soziale Gefälle innerhalb Europas, erklärte Andreas Schmeitz, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Aachen, der ebenfalls an der Tagung teilnahm. Auf der sicheren Seite seien Arbeitgeber nur dann, wenn die ausländischen Arbeitnehmer hier in Deutschland angemeldet und auch hier versichert würden.

Künftig wird sich die Arbeit von Schwester Svitlana zunächst auf die Betreuungskräfte konzentrieren. „Es ist uns wichtig, diese Gruppe aus der Grauzone der Illegalität herauszuholen“, so Johannes Eschweiler. Die Caritas habe zwar mit „Caritas24“ bereits ein gutes Modell entwickelt, aber auch dabei gebe es noch Probleme, weil die Familien oder die zu betreuende Personen selbst die Arbeitgeber seien und somit jede Möglichkeit der Kontrolle entfalle. Auf jeden Fall seien die Frauen so aber ausreichend krankenversichert.

Geprüft werden soll daher, ob da in Zukunft der Caritasverband oder andere Institutionen die Funktion des Arbeitgebers übernehmen könnten. Zudem soll das Gespräch mit Bundespolitikern gesucht werden, um nach Lösungen für die Gesamtproblematik zu suchen, etwa in Form von Steuererleichterungen in diesem Bereich. Schließlich soll die Öffentlichkeitsarbeit verstärkt werden mit Hinweise auf problematische Situationen.

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