Stephan Pusch und der „Randerath-Effekt”

Von: disch
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Kreis Heinsberg. Als Stephan Pusch im Jahr 2004 zum ersten Mal zum Landrat des Kreises Heinsberg gewählt worden ist, hat er auf Anhieb 56,2 Prozent erzielt.

„Ich dachte, dass es ganz schwer sein würde, da noch einen drauf zu setzen”, räumte der CDU-Mann am Montag rückblickend ein, nicht mit einer Zustimmung von 60,8 Prozent bei seiner Wiederwahl am Sonntag gerechnet zu haben. Auf die Frage, ob er bei seinen Pluszahlen einen „Randerath-Effekt” erkenne, sprich ob sein Verhalten im Fall Karl D., dem Fall des aus der Haft entlassenen Sexualstraftäters, und die damit verbundenen Schlagzeilen ihm genutzt hätten, sagte Pusch: „Ich bin kein Wahlforscher.”

Im Wahlkampf habe er selbst dieses Thema nicht angesprochen, aber viele Bürger seien gekommen, hätten ihm auf die Schulter geklopft und gesagt, sie hätten es gut gefunden, dass er in diesem Fall Farbe bekannt habe. „Beim Wahlergebnis hat es nicht geschadet”, so Pusch, der aber Wert auf die Feststellung legte, dass er seine Entscheidungen in diesem Fall nicht mit Blick auf die Wahl getroffen habe.

Schließlich sei er auch zu diesem Zeitpunkt unangefochten als Landrat im Amt gewesen. „Da hebe ich nicht ab”, will Stephan Pusch trotz 60,8 Prozent in den nächsten sechs Jahren Bodenhaftung behalten. Er freue sich, dass die CDU im Kreistag „die Stellung gehalten” und trotz zweier neuer Parteien und Gruppen, die angetreten seien, die absolute Mehrheit im Kreistag verteidigt habe.

„Das Ziel ist erreicht”, war der Kreistagsfraktionsvorsitzende der CDU, Norbert Reyans, trotz drei Prozentpunkten Verlust „sehr froh” über die absolute Mehrheit mit 28 von 54 Sitzen und den Gewinn aller 27 Wahlbezirke.

Die Tatsache, dass ein Sitz verloren gegangen sei, hänge möglicherweise mit dem Straßenbauprojekt EK3 in Geilenkirchen zusammen; in einem Bezirk dort hatte die CDU sehr viele Stimmen verloren und die UB-UWG sehr viele gewonnen. „Wir sind sehr zufrieden und wollen unsere Politik solide fortsetzen”, so das Fazit von Reyans angesichts von 51,8 Prozent für die Union. Das gute Ergebnis für Pusch zeige, dass er über Parteigrenzen hinweg als Landrat wahrgenommen werde, der die Probleme angehe, beim Thema Randerath, aber auch insgesamt. „Das haben die Menschen honoriert.”

„Rundum zufrieden” mit Landrats- und Kreistagswahl zeigte sich am Montag ebenfalls der CDU-Kreisvorsitzende Bernd Krückel. Beim Blick auf die Städte und Gemeinden falle das Urteil wesentlich differenzierter aus.

Auch wenn es „ein enttäuschendes Ergebnis” gewesen sei, so gab sich Michael Stock, Landratskandidat und Nummer 1 der SPD auf er Kreistagsreserveliste, am Montag kämpferisch. „Wir wollten einen Schnitt machen und hatten viele neue, noch nicht so bekannte Kandidaten.”

Mit der neuen Mannschaft gehe es nun darum, in Zukunft besser abzuschneiden. „Da bauen wir drauf auf”, sagte er zu dem Resultat vom Sonntag, wobei es nach seiner Ansicht „besonders schade” sei, dass es nicht gelungen sei, die absolute Mehrheit der CDU zu knacken.

„Enttäuscht” war ebenfalls der SPD-Unterbezirksvorsitzende Norbert Spinrath. „Da hatten wir nicht mit gerechnet.” Bei den Kreistagswahlen ist die SPD seit 1994, als sie 35,4 Prozent erzielte, kontinuierlich abgestürzt: erst auf 29,7 Prozent im Jahr 1999, dann auf 25,8 Prozent 2004 und nun auf 19,8 Prozent. Elf Sitze bleiben ihr.

Spinrath kann aber keine kreisspezifischen Ursachen erkennen und ist zudem sicher, dass es nicht an den Kandidaten gelegen habe. Vielmehr sei es der „Genosse Trend”, der den Sozialdemokraten zu schaffen mache. „Da müssen wir voll gegensteuern”, zeigte er sich entschlossen, die Bundestagswahl am 27. September, bei der er Direktkandidat der SPD im Kreis ist, noch nicht aufzugeben. „Ich werde natürlich alles daran setzen, den Wahlkreis zu gewinnen. Jetzt erst recht!”
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