Statt Lottogewinn gibts eine „Kaffeefahrt”

Von: Rainer Herwartz
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Peter Karsten möchte vor allem ältere Menschen davor bewahren, auf die Praktiken der angeblichen Finanzdienstleistungsfirma „Dr. Krüger & Partner” hereinzufallen. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Hatten Sie es auch schon in Ihrem Briefkasten, das Schreiben von „Dr. Krüger & Partner Ltd.”? Na, vielleicht kommt sie ja noch, die verheißungsvolle Benachrichtigung des angeblichen Finanzdienstleisters, „der für Ihr Recht kämpft”.

Unter der Überschrift „Festsetzung des nachträglichen Gewinnübergabetermins auf den 11.06.10” wird den Empfängern des Schriftstückes suggeriert, das Unternehmen sei gerade dabei, „alle Geschädigten anzuschreiben, die Gewinnmitteilungen unter anderen von der Firma Lotto Gewinn-Service bekommen und den versprochenen Gewinn nicht erhalten haben”.

Der Knaller folgt quasi auf dem Fuße, denn „Dr. Krüger & Partner”, von denen außer einem Postfach in Bethen weder ein telefonischer Ansprechpartner noch eine Firmenadresse zu existieren scheint, behauptet dreist: „Wir konnten bei der Abwicklung dieser Firmen für Sie eine angemessene Summe realisieren. Diese Summe wurde Ihrem Kundenkonto gutgeschrieben.” Es folgt eine professionell anmutende Auflistung einer Gewinnsumme abzüglich diverser Gebühren und einem „Restguthaben” in Höhe von 946,72 Euro.

Dieser Betrag stehe den Angeschriebenen in vollem Umfang zu, behaupten die Verfasser des Schreibens, um nun langsam mit folgender Behauptung die Katze aus dem Sack zu lassen: „Da dieses Konto von uns aus Datenschutzgründen nur eine gewisse Zeit weitergeführt werden darf und wir dieses Konto auflösen müssen, geben wir Ihnen hiermit letztmalig die Gelegenheit, den Betrag am Freitag, den 11.06.10, in unserer Zweigstelle in der Nähe von Heinsberg persönlich abzuholen.” Ein Hinweis, wo diese Zweigstelle denn sein soll, sucht der Leser vergeblich.

Stattdessen gibts einen angebotenen Service, über den er sich nur wundern könnte, wen er den Braten nicht schon riechen würde. „Geeignete Verkehrsmittel in Form von Bussen für die Hin-und Rückfahrt stellen wir kostenlos zur Verfügung. Eine Zustellung (des Gewinns Anm. d. Red.) ist aus Rechtlichen Gründen nicht möglich, da Sie sich ausweisen müssen.”

Ohne weitere Einzelheiten an dieser Stelle zu nennen, wird in der Folge klar, was wirklich hinter dem Schreiben steckt - nichts anderes als der betrügerische Versuch, Menschen zu einer sogenannten „Kaffeefahrt” zu locken und sie auf diese Weise durch den Kauf dreißig- bis hundertfach überteuerter Waren abzuzocken. Derzeit sind die Schreiben, das ergab eine Nachfrage bei der Polizei, neben Heinsberg vor allem in den Briefkästen älterer Mitbürger in Geilenkirchen und Hückelhoven zu finden. Von dem angeblichen Gewinn werden sie am Ende keinen Cent zu sehen kriegen.

Peter Karsten aus Laffeld war der Erste, dem beim Lesen der dubiosen Post der Kragen platzte. „Zuerst habe ich gedacht, es sei irgendein Kreditangebot”, sagt der 68-Jährige gegenüber unserer Zeitung. „Dann erinnerte ich mich daran, dass ich früher einmal Online-Lotto gespielt habe, was aus Sicht des Anbieters hier aber nicht erlaubt war. Die Gesellschaft wich dann nach England aus und schrieb mir, ich könne über England weiterspielen.”

Das „Ltd” hinter der Bezeichnung „Dr. Krüger & Partner” hätte so schon Sinn machen können, meint Karsten. Da seine Tochter, eine Rechtsanwältin, ihm damals jedoch von diesem Angebot abgeraten habe, wusste er, dass es zu keinen weiteren Spieleinsätzen gekommen war. „Zur Sicherheit habe ich den Namen Dr. Krüger & Partner ins Internet eingegeben und bin dann im GTI-Verbraucherschutz-Forum auf einen Warnhinweis gestoßen, dass die angebliche Finanzdienstleistungsfirma nur ein getarnter Anbieter von Kaffeefahrten ist.”

Der ehemalige Bergmann und gelernte Krankenpfleger, der elf Jahre in Spanien lebte, ist ob der Dreistigkeit des Vorgehens stinksauer: „Ich möchte vor allem ältere Menschen davor bewahren, auf diese miesen Tricks hereinzufallen.”

Das kann Paula Hanrath aus Dremmen nur zu gut verstehen. „Ich habe mit geschworen, dass ich das nicht auf sich beruhen lasse.” Sie hat das gleiche Schreiben erhalten wie Peter Karsten - natürlich mit identischer „Gewinnsumme”. Nur der Name wurde geändert. „Ich war Kauffrau und habe direkt gewusst, dass hier etwas nicht stimmt. Außerdem haben wir nie Lotto gespielt”, ließ sich die kämpferische Seniorin nicht hinters Licht führen. „Sie glauben ja gar nicht, wie oft wir so etwas in der Post haben. - Das landet bei mir alles unter Ablage P.”
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