Hückelhoven-Hilfarth - Statt Ballett mit jeder Menge PS durchs Gelände

Statt Ballett mit jeder Menge PS durchs Gelände

Von: Pia Wilbrand
Letzte Aktualisierung:
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Die 17-Jährige Hilfartherin macht im wahrsten Sinn des Wortes große Sprünge mit ihrer Motocross-Maschine.

Hückelhoven-Hilfarth. Hohe Geschwindigkeiten, enorme Adrenalinkicks, spektakuläre Sprünge, staubige Pisten, Maschinen mit jeder Menge PS, die einen kräftigen, ausdauernden Fahrer brauchen - Motocross ist ein Extremsport für Männer. Mit diesem Klischee räumt die 17-jährige Kathrin Herff aus Hilfarth auf.

Denn seit elf Jahren ist sie begeisterte Motocrossfahrerin. „Für Ballett wäre ich einfach nicht der Typ gewesen.” Um die nötige Kraft und Kondition für die Motocross-Rennen aufzubringen, geht sie regelmäßig joggen, und sie boxt. „Ohne die nötige Kondition geht nämlich gar nichts.” Derzeit muss Kathrin wegen Schnee und Glatteis allerdings ihr Bike, eine nagelneue Suzuki rmz250, in der Garage lassen.

Seit zwei Monaten konnte sie deshalb nicht mehr fahren. „Langsam merkt man, wie sie unruhig wird”, sagt ihr Vater Achim Herff. Sie träume sogar vom Fahren und vom Motorrad. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sie es in ihr Zimmer gestellt hat, seit bei den Nachbarn eingebrochen wurde. „So eine Versicherung kann man sich echt nicht leisten”, sagt Kathrins Mutter Sandra. Deswegen passt Kathrin lieber selber auf ihren wertvollsten Besitz auf.

Ihr Vater schätzt den durchschnittlichen Preis eines Motorrads auf rund 7000 Euro. Motocross ist also ein teures Hobby. „Wenn die Mütter früher darüber gejammert haben, dass sie ihrer Tochter wieder Mal ein neues Paar Ballettschuhe kaufen mussten, konnte ich nur schmunzeln”, erinnert sich Sandra Herff. Zwar konnte Kathrin mit Twenty suspension, Zupin, ERKA-Berufskleidung und ihren Eltern schon einige Sponsoren finden, ist aber immer noch auf der Suche nach neuen. „Geschenkt bekommt man ja nix.”

Jedes Jahr wird das alte Motorrad verkauft und eine neue Maschine gekauft. Außerdem braucht Kathrin allerlei Ersatzteile und vor allem Schutzkleidung, wie Helme, Stiefel, Handschuhe, Knie-, Rücken- und Brustprotektoren. „Und da will man ja was qualitativ Gutes kaufen, denn die Sicherheit muss an vorderster Stelle stehen.” Kathrins Mutter hat trotz der jahrelangen Erfahrungen mit dem Motocross aber immer noch Angst. „Je schneller sie wurde desto größer war auch die Sorge.”

Neben dieser Sorgen wird vor allem der Stolz der Eltern auf ihre Tochter merklich. Als Erfolge im Jahr 2010 kann Kathrin nämlich den TItel der Vizemeisterin im ADAC-NRW-Cup der Damen vorweisen und sich DAMCV-Damen-Meisterin nennen. Ihre Eltern haben sie dabei maßgeblich unterstützt; denn hinter einem Fahrer müsse auch immer ein starkes Team stehen. Deswegen reist die Familie im Sommer beinah jedes Wochenende mit ihrem Wohnwagen quer durch Deutschland zu den verschiedenen Rennen. Allein im gerade vergangenen Jahr musste Kathrin 22 Rennen fahren, um sich ihre Titel zu holen. Der Zeitplan solcher Wochenenden ist dabei straff. „Freitags nach der Schule fahren wir los, die Vorbereitungen werden getroffen, dann geht Kathrin meistens gegen 21 Uhr ins Bett, denn samstags geht´s um 8 Uhr auf die Rennstrecke.”

„Dann finden verschiedene Trainingsläufe und zwei Durchgänge statt, und abends um 20 Uhr ist Siegerehrung”, sagt Kathrins Mutter. Für Freunde in der Heimat bleibe deswegen kaum Zeit. „Aber jetzt im Winter kann ich dann zum Beispiel auch schon Mal nach Himmerich.” Kathrins Welt ist aber eindeutig ihr Sport, und 98 Prozent ihrer Freunde kennt sie von der Rennstrecke. Mit ihnen geht sie an den Turnierwochenende dann samstags ins Festzelt. Da im sommerlichen Turnierstress kaum Zeit für ihr Training bleibe, verbinde die Familie ihre Urlaube mit Kathrins Sport. „Wir gucken dann immer, ob es in der Nähe unserer Ferienorte Trainingsstrecken gibt.”

Die Leidenschaft fürs Motorradfahren hat Kathrin aber nicht von ihren Eltern. „Der Bekannte meiner Eltern hatte damals ein Motorrad, auf dem ich mitfahren durfte”. Dieses Ereignis vor elf Jahren sei der Auslöser dafür gewesen mit dem Motorsport zu beginnen. „Wir waren früher immer begeisterte Wasserskisportler, haben dann aber alles für Kathrins Sport verkauft.”

Bereut haben sie diese Entscheidung nicht, denn Achim und Sandra Herff schätzen die Gemeinschaft, die sie im Motorsport erfahren. „Wenn wir mit unserem Wohnwagen irgendwo an die Rennstrecken kommen, dann hausen wir da wie die Zigeuner. Es gibt keinen Strom und kein fließendes Wasser. Da wird sich immer gegenseitig geholfen und Abends grillen wir meistens zusammen.”

Außerdem verbringe die Familie so viel mehr Zeit miteinander als andere. „Welche Eltern unternehmen im Sommer schon fast jedes Wochenende etwas mit ihrer 17-jährigen Tochter?” Als nächstes Ziel steuert Kathrin die Europameisterschaft des Internationalen Motorsportbund für Amateure an, mit ihrem Meistertitel hat sie sich dafür qualifiziert.

„Ich kann mir zwar schon vorstellen, den Sport professionell zu betreiben, aber ich weiß, dass das sehr schwierig ist.” Derzeit macht Kathrin deswegen ihr Fachabitur und denkt darüber nach, bei der Polizei oder als Physiotherapeutin zu arbeiten.

„Ich kann mir Kathrin wirklich nicht acht Stunden hinter dem Schreibtisch vorstellen”, meint ihre Mutter. Unmittelbarer steht aber noch der Autoführerschein an. „Den Motorradführerschein mache ich aber nicht. Ich verbringe ja eigentlich genug Zeit auf dem Motorrad”.
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