Erkelenz - Stadt soll zum Lebensraum für alle werden

Stadt soll zum Lebensraum für alle werden

Von: hewl
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Zu Besuch im Erkelenzer Rathau
Zu Besuch im Erkelenzer Rathaus: Die Teilnehmer des Seminars „Auf ein Wort” der Lebenshilfe Heinsberg treffen sich mit Bürgermeister Peter Jansen und sprechen verschiedene Probleme an. Foto: lh

Erkelenz. Eigentlich treffen sich die Teilnehmer des Seminars „Auf ein Wort” für Menschen mit geistiger Behinderung samstags im Inclusio, um sich über die wichtigen und weniger wichtigen Dinge des Lebens ihre Gedanken zu machen und diese mit Hilfe der Schreibassistenten zu Papier zu bringen.

Doch ab und zu stehen auch Ausflüge auf dem Programm. Diesmal ging es ins Erkelenzer Rathaus, wo Bürgermeister Peter Jansen und seine Öffentlichkeitsarbeiterin Friederike Grates schon auf sie warteten, um sie durch die Gänge der Verwaltung ins Sitzungszimmer zu begleiten. Dort stand Jansen seinen Besuchern Rede und Antwort und erklärte ihnen anhand anschaulicher Beispiele, wie Kommunalpolitik funktioniert.

Dafür hatte sich der Bürgermeister ausreichend Zeit genommen und sogar eine Klausurtagung seiner Partei zur Haushaltslage unterbrochen. Zuerst einmal ging es darum zu klären, welche Aufgaben ein Bürgermeister hat und welche nicht. Denn oftmals, so wusste Jansen zu berichten, würde er für Themen zur Rechenschaft gezogen, die nicht in seinem Einflussbereich liegen. Trotzdem sei er als Bürgermeister Ansprechpartner für den Unmut der Bürger.

Zum Beispiel darüber, dass die Erkelenzer Post an der Kölner Straße für Rollstuhlfahrer und Mütter mit Kinderwagen kaum zu betreten sei. Das hin und her um eine Rampe und darum, in wessen Zuständigkeit sie falle, sei den Bürgern nur schwer zu vermitteln gewesen, räumte er ein.

Die Besucher waren aber auch nicht unvorbereitet und hatten eine Menge Fragen und kritische Anregungen mitgebracht. „Die Fußwege rund um unsere Wohnanlage sind katastrophal”, wusste zum Beispiel der Rollstuhlfahrer Jürgen Franke zu berichten. „Wer ist denn da zuständig?” Dass er in Birgden wohnt und sein Gesprächspartner damit eigentlich nichts am Hut haben sollte, hinderte diesen nicht daran, die Zusammenhänge zu erklären. Zum Beispiel, der für welche Straßen verantwortlich ist.

Die Straßen in Erkelenz und den anderen Kommunen seien aber zunehmend rollstuhlgerecht gestaltet. Dazu gehören abgesenkte Bordsteinkanten ebenso wie ausreichend breite Fuß- und Radwege. Doch vieles, was heute nicht ausreichend ist, wurde vor 40 Jahren geplant. „Damals waren die Themen noch nicht so präsent”, erklärte er. Deshalb müsse heute umso mehr getan werden, damit die Städte auch zu einem Lebensraum für alle werden.

Immerhin, so erklärte er, sei durch die Ansiedlung der Lebenshilfe-Werkstatt und des Unternehmens Prospex im Gipco eine Lücke geschlossen worden. „Denn auch Menschen mit Behinderung müssen in Erkelenz sowohl leben als auch arbeiten können wie alle anderen auch”, betonte er.

Alexandra Wilms aus Erkelenz wollte wissen, ob es im Rathaus auch einen Tresor gibt und was sich darin befindet. Maria Höppner aus Erkelenz wird zukünftig mit Problemen und Ideen zum Rathaus kommen. „Jetzt weiß ich ja, wen ich ansprechen kann”, erklärte sie. Eine Stunde Besuch war angesetzt, nach fast anderthalb Stunden musste sich Jansen wieder auf den Weg machen, um hinter verschlossenen Türen über den Haushalt der Stadt nachzudenken. Über weitere Besuche würde er sich aber freuen, erklärte er zum Abschied.

Das Seminar, das die Lebenshilfe Heinsberg bereits zum zweiten Mal unter der Leitung der beiden Journalisten Helmut Wichlatz und Carsten Preis anbietet, beschäftigt sich mit der Sicht auf die täglichen Dinge und Gefühle, mit denen Menschen mit Behinderung ebenso konfrontiert werden, wie ihre nichtbehinderten Mitmenschen.
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