Staaten auf Kosten der Sparer sanieren

Von: Nicola Gottfroh
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Die guten Ergebnisse erfreuen nicht nur Dr. Veit Luxem, Sprecher der Volksbanken, Raiffeisenbank und Spar- und Darlehnskassen im Kreis Heinsberg (Mitte), sondern auch seine Kollegen aus dem Sprecherteam Bruno Kasper (r.) und Klaus-Dieter Kroll (l.). Foto: Gottfroh

Kreis Heinsberg. Niedrigzins, Internetbanking, Bankenregulierung. „Es wird nicht einfacher für die Banken“, stellte Dr. Veit Luxem, Sprecher der Volksbanken, Raiffeisenbanken und Spar- und Darlehnskassen im Kreis Heinsberg, am Freitag bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2013 der Genossenschaftsbanken des Kreises fest.

Dennoch, so musste er zugeben, gebe es eigentlich keinen Grund, zu klagen. Denn mit der geschäftlichen Entwicklung könne man auch in diesem Jahr durchaus zufrieden sein.

Die Genossenschaftsbanken im Kreis verzeichneten im vergangenen Jahr ein Plus im Gesamtkundenvolumen, also aller Anlagen und Finanzierungen, die Mitglieder und Kunden bei den sechs selbstständigen Instituten getätigt haben. Das Gesamtvolumen ist auf nunmehr 4,65 Milliarden Euro angewachsen. „Im Vorjahr lagen wir bei 4,58 Milliarden Euro. „Wir haben also unseren Mitgliedern und Kunden für ziemlich genau 70 Millionen Euro mehr an Vermögen und Investitionen den Weg frei gemacht“, betont Luxem. Für die reine addierte Bilanzsumme heißt das: Die Institute mit ihren 32 360 Mitgliedern liegen wie im Vorjahr bei addierten 2,2 Milliarden Euro.

Auch auf der Kreditseite der Bilanz gibt es Grund zur Freude: So seien die Forderungen an die Kunden in Form von Krediten um 3,2 Prozent auf 1,19 Milliarden Euro gewachsen. Stark waren die Genossenschaftsbanken auch im Vermittlungsgeschäft. Die betreuten Ausleihungen lagen bei 386 Millionen Euro. Bei den staatlich geförderten Finanzierungen sei die Nachfrage zwar leicht gesunken. Trotzdem gab es 2013 rund 500 Neuanträge auf Fördermittel über 44,8 Millionen Euro.

„Deutlich im Plus ist unser Verbundgeschäft“, freute sich Luxem: Insgesamt legten betreute Geldanlagen auf 1,23 Milliarden Euro zu. 2012 hatte der Wert noch bei 1,16 Milliarden Euro gelegen.

Und gerade in Zeiten der niedrigen Zinsen boome das Betongold im Kreis weiter. So wurden 2013 kreisweit 188 Wohnungen, Grundstücke und Häuser im Wert von für 23 Millionen Euro vermittelt.

Die Spareinlagen stiegen um 16 Millionen Euro auf nunmehr 857 Millionen Euro, die Sicht- und Termineinlagen jedoch verloren 15 Millionen Euro und liegen nun bei 762 Millionen Euro. Der Grund dafür sei klar: der Niedrigzins. Denn vor allem Privatkunden lebten nach der Devise: Wer kurzfristig sicher spart, der verliert langfristig, weil das Geld an Wert verliert. „Wir stellen fest, dass Erspartes häufiger als früher in dem Konsum geht. Möbel, Auto, Reisen – man gönnt sich wieder was“, sagt Luxem.

Luxem nutzte die Chance, auf die Niedrigzinslage zu reagieren und seinen, den Unmut seiner Kollegen und auch vieler Kunden über die aktuellen Entscheidungen in Berlin und Brüssel in Sachen SEPA, Niedrigzinsphase und Bankenregulierung kundzutun. Luxem nannte den derzeit historisch niedrigen Zinssatz ein „Ergebnis politischen Willens“. „Er ist sicher gut für die Staaten im Süden Europas und für Kommunen, die dadurch nur einen kleinen Teil ihrer Etats für die Zinszahlung aufwenden müssen. Aber man muss bedenken, dass hier nun Staaten auf Kosten der Sparer saniert werden“, so Luxem. „Die Europäische Zentralbank und Politik sind in der Pflicht, jetzt den Ausstieg aus dem billigen Geld einzuläuten!“ Allerdings, so befürchtet er, könne man mit einer Zinswende frühestens im nächsten Jahr rechnen.

Auch die zunächst aufgezwungene und nun möglicherweise Verschobene Umstellung auf SEPA kritisierte er ebenso wie den „Regulatorik-Wahnsinn“ im allgemeinen. Immer neue Anforderungen ans Eigenkapital, Dokumentationspflichten, Sonderprüfungen und Testszenarien ließen Kosten steigen und führten zum Fehlen der Mitarbeiter in Beratung und Service. Dabei betonte Luxem allerdings, dass die Mitarbeiterzahl in den Genossenschaftsbanken stabil sei.

627 Mitarbeiter arbeiteten im vergangenen Jahr bei den Genossenschaftsbanken. Ein hohes Niveau hatte neben der Zahl der Azubis – 58 junge Menschen gingen im vergangenen Jahr bei den Genossenschaftsbanken des Kreises in die Lehre – auch die Zahl der Spenden und des Sponsorings. Die genossenschaftliche Gruppe brachte 338.000 Euro für 394 Projekte auf.

Neben den Mitgliedern, die eine Dividende von 1,2 Millionen Euro einstreichen, dürfte sich auch der Fiskus freuen. Die Institute spülen rund 6,6 Millionen Euro vor allem in die kommunalen Kassen. Eine stolze Summe – immerhin zeigt sich der Erfolg eines Unternehmens darin, wie viele Steuern es zahlt. Angesichts dieser Summe dürfte kein Zweifel daran bestehen, dass die Gruppe das Jahr sechs nach der Finanzkrise mit dem genossenschaftlichen Modell gut gemeistert hat. Immerhin lag das Betriebsergebnis bei 21 Millionen Euro.

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