St. Mariä Himmelfahrt: In Ophoven öffnet sich eine Heilige Pforte

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
11510229.jpg
Ab 17. Januar hat auch die kleine Wallfahrtskirche in Wassenberg-Ophoven eine Heilige Pforte: die kleine, grüne Tür an der Seite, die normalerweise immer verschlossen bleibt. Foto: Anna Petra Thomas
11510232.jpg
Am kleinen Kapellchen am Ortseingang von Ophoven wird die Prozession zur neuen Heiligen Pforte am 17. Januar starten. Foto: anna

Wassenberg-Ophoven. Das Jahr 2016 ist für die katholische Kirche das Heilige Jahr der Barmherzigkeit. Was Papst Franziskus in Rom mit der Öffnung der Heiligen Pforte im Petersdom begann, wird erstmals auch in einem kleinen Wallfahrtsort unserer Region möglich.

Am Sonntag, 17. Januar, wird Dr. Andreas Frick, bisher Generalvikar im Bistum Aachen und derzeit ständiger Vertreter des Diözesan-Administrators, diejenige der beiden kleinen, grünen Seitentüren von St. Mariä Himmelfahrt in Ophoven öffnen, die ansonsten fast ständig verschlossen ist.

Unter dem Leitwort „Barmherzig wie der Vater“ hat Papst Franziskus im März vergangenen Jahres im Petersdom das Heilige Jahr der Barmherzigkeit ausgerufen, für die Zeit vom 8. Dezember 2015, dem Hochfest der Gottesmutter Maria, bis zum Christkönigssonntag, dem 20. November dieses Jahres.

Ein Heiliges Jahr ist ein besonderes Jubiläumsjahr der römisch-katholischen Kirche, in dem der Papst den Gläubigen bei Erfüllung bestimmter Bedingungen einen vollständigen Ablass gewährt, also eine Vergebung der persönlichen Sündenschuld. Die Eröffnung des Heiligen Jahres erfolgte am 50. Jahrestag des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es gilt damit zugleich als Einladung, das mit diesem Konzil begonnene Werk fortzuführen.

Eigentlich haben nur die vier großen Basiliken in Rom eine solche Heilige Pforte: St. Peter, St. Johannes im Lateran, St. Paul vor den Mauern und Santa Maria Maggiore. Zuerst wird immer die Pforte in St. Peter geöffnet, danach die übrigen drei. Für das Heilige Jahr 2016 hat Papst Franziskus den Bischöfen die Möglichkeit eingeräumt, Portale nicht nur in Kathedralen, sondern auch in weiteren Kirchen zu Heiligen Pforten zu erheben.

So gibt es im Bistum Aachen in diesem Jahr nicht nur eine Heilige Pforte im Aachener Dom, sondern darüber hinaus auch je eine in der Propsteikirche St. Kornelius in Kornelimünster, im Schönstattheiligtum in Baesweiler-Puffendorf, in der Münsterkirche St. Vitus in Mönchengladbach, in St. Potentius Steinfeld, in Christus Salvator in Heimbach und in St. Mariä Himmelfahrt in Ophoven. Im November hatte Bischof Heinrich Mussinghoff der Bitte aus Wassenberg entsprochen, in St. Mariä Himmelfahrt in Ophoven eine Heilige Pforte zu öffnen.

Damit ist die Ophovener Kirche als eine der Kirchen im Bistum anerkannt, in der die Ablass-Gewinnung nach den Bestimmungen der Kirche und auf der Grundlage der Entscheidung von Papst Franziskus während dieses Jahres möglich wird. „Ich hoffe, dass auch durch diese Anerkennung der Glaube an den Gott, der in Barmherzigkeit uns Menschen liebt, noch stärker Verbreitung erhalten kann, und die Besucherinnen und Besucher Ihrer Kirche in ihrem Glauben gestärkt werden“, hatte Mussinghoff an den Wassenberger Pfarrer Thomas Wieners geschrieben.

Ein Ablass setze immer Bußgesinnung und Bußgebet sowie Beichte und Eucharistie voraus, erklärt Wieners. Zum Ablass selbst gehören dann die Bußwerke in Form von Gebeten oder guter, eben barmherziger Werke, etwa der Fürsorge für kranke oder einsame, alte Menschen oder für Gefangene. „Der Ablass stellt etwas Konkretes, Sichtbares, Greifbares dar und kommt damit menschlichem Empfinden entgegen“, so Wieners. „Er zeigt, dass der Glaube nicht nur eine innere Angelegenheit ist, sondern mit dem wirklichen Leben zu tun hat.“

Als barmherzige Werke unterscheidet der Katechismus der katholischen Kirche zwischen sieben leiblichen und sieben geistigen Werken. Leibliche Werke sind Hungernde zu Speisen, Durstigen zu trinken zu geben, Nackte zu bekleiden, Fremde zu beherbergen, Kranke zu besuchen, sich um Gefangene zu sorgen oder Tote würdevoll zu bestatten. Die geistigen Werke sind Unwissende zu lehren, Zweifelnden zu raten, Irrende zurechtzuweisen, Trauernde zu trösten, Unrecht zu ertragen, Beleidigungen zu verzeihen sowie für Lebende und Tote zu beten.

„Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden“, heißt es im Matthäusevangelium (Mt 5,7). Barmherzigkeit gilt als das Schlüsselwort in der Heiligen Schrift, Gottes Handeln uns gegenüber zu beschreiben. Für viele Menschen sei der Glaube heute aber im Grunde eher eine „Lebenszeitverschwendung“, erklärt der Pfarrer. Der Blick auf die heilige Pforte bringe ihn aber vielleicht doch zu der Frage, was ihm sein Glaube wirklich wert sei. „Das hier ist eine Einladung, in den Glauben zu investieren.“ Wer durch die Heilige Pforte gehe, werde quasi in die Arme des barmherzigen Gottes geführt, wende sich bewusst zu seiner Barmherzigkeit hin.

Erstmals möglich wird das nun in Ophoven am Sonntag, 17. Januar, nach einer Prozession, die um 15 Uhr am Bildstock, dem sogenannten kleinen Kapellchen, am Ortseingang (Ecke Marienstraße/Klein-Au-Straße) beginnt. Alle Teilnehmer seien eingeladen, durch die Heilige Pforte in das Innere der Kirche zu schreiten, betont der Pfarrer. Dieser Schritt könne zugleich Einladung dafür sein, durch die Tür des eigenen Herzens in das Vaterherz Gottes einzutreten, beschreibt er den Weg zugleich als Reise nach Innen. „Es wird in diesem Jahr zahlreiche Möglichkeiten geben, sich auf die Reise zu machen. Trauen Sie sich, es lohnt sich!“, sagt er allen Gläubigen.

Nach der feierlichen Eröffnung und dem anschließenden Gottesdienst sind alle in die Gaststätte „Zur Mühle“ eingeladen. Bei Kaffee und Kuchen werden hier auch Bilder von der Öffnung der Heiligen Pforte in Rom zu sehen sein.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert