Kreis Heinsberg - Sparkassen-Gespräch: Sozialwissenschaftler Ockenfels referiert

Sparkassen-Gespräch: Sozialwissenschaftler Ockenfels referiert

Von: anna
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Herzliches Willkommen zu einem weiteren Sparkassengespräch: Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, begrüßte den Dominikaner Wolfgang Ockenfels, Professor für Christliche Sozialwissenschaft an der Theologischen Fakultät Trier. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Nach Ausflügen in die Medizin mit Manfred Lütz und in die Welt des Sports mit Wolfgang Holzhäuser befasste sich die Kreissparkasse Heinsberg in der dritten Folge ihrer Sparkassengespräche mit Blick auf den Wertewandel mit dem Thema Wirtschaft, der Grundlage ihres eigenen unternehmerischen Handelns. Referent vor geladenen Gästen in der Heinsberger Filialdirektion war Wolfgang Ockenfels, Professor für Christliche Sozialwissenschaft an der Theologischen Fakultät Trier.

Der Dominikaner befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema Wertewandel. „Was kommt nach dem Kapitalismus?“ lautet der Titel seines jüngsten Buches. Was die Werte wirtschaftlichen Handelns betreffe, seien die Wirtschaftslenker, aber auch die Verbraucher gefragt, erklärte Vorstandsvorsitzender Thomas Pennartz zur Begrüßung. Mit Ockenfels habe man zu dieser Thematik einen „wortstarken Vertreter der katholischen Kirche gewinnen können“, freute er sich.

Vorstellungen wandeln sich

„Wir reden über Werte dann gerne und oft, wenn sie uns abhandengekommen sind“, schickte Ockenfels seinem Referat voran. Der Begriff selbst sei breit gefächert. Es gebe zum Beispiel materielle Werte, aber auch moralische und geistige. „Und es sind nicht die Werte, die sich wandeln, sondern unsere Vorstellungen im Kopf“, erklärte er.

Er wolle zunächst auf die institutionellen Werte eingehen, um dann auf die moralischen zu kommen, verdeutlichte er seinem Publikum. Sparsamkeit sei eine Tugend, Geiz und Verschwendung dagegen Laster, warf er ein. In keinem guten Zustand sah er die soziale Marktwirtschaft. Aufgabe des Staates sei dabei, auf die Einhaltung von Spielregeln zu achten, wie beim Fußball. „Nur hier scheint das ganze Feld ziemlich verwildert zu sein.“

Grund für die Probleme sei ein mangelnder Wettbewerb, in dem eigentlich viele eine Chance haben sollten, sich über den Preis am Markt zu präsentieren. Auch bei der Eigentumsbegrifflichkeit sah Ockenfels „im Grunde genommen nur ein faules Mängelwesen“. Gänzlich unmöglich empfand er die im Wahlkampf laut gewordene Forderung nach Mindestlöhnen. Sie stehe der Tarifautonomie völlig entgegen, die ein Zeichen der Freiheit sei.

„Der einzelne Mensch muss das Subjekt aller gesellschaftlichen Entscheidungen sein“, so seine Forderung. „Und wir müssen um unserer eigenen Freiheit willen aufpassen, dass das Rechtswesen uns nicht allzu sehr überwuchert“, fügte er hinzu. Regeln müsse es ­sicherlich geben, aber nur solche, mit denen das Gemeinwesen aufblühen könne. Heute würden vielfach die Maßstäbe fehlen, erinnerte er an Begriffe wie Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß. Im Schatz der Traditionen fänden sich einige wichtige Anregungen.

Als Wertekanon empfahl er die Zehn Gebote der christlichen Kirche. „Das ist eine ziemlich moderne Angelegenheit“, konstatierte Ockenfels. Doch seien sie in Vergessenheit geraten. „An der Schule werden sie nicht mehr gelehrt“, appellierte er an den Vorbildcharakter des Elternhauses. Moral lasse sich nun einmal nicht eintrichtern. „Das persönliche Beispiel ist viel prägender als die verbale Kundgebung.“

Vor allem gehe es nicht darum, die Moral kognitiv zu erfassen und wissenschaftlich zu analysieren, sondern darum, sie zu praktizieren, mit einem hohen Anspruch an sich selbst und an andere. In Umkehrung der Negativform gelte es, diese Gebote mit positivem Sinn anzufüllen.

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