Sohn kämpft gegen den „Verrat” am Vater

Von: Petra Wolters
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Rund 100 Zuhörer verfolgten mit großer Spannung in der Heinberger Buchhandlung Gollenstede die geschilderte Spurensuche nach den wahren Tätern des Mordes am ehemaligen Generalbundesanwalt Siegfried Buback. Foto: agsb

Heinsberg. Es klang wie ein minutiös recherchierter, polizeilicher Untersuchungsbericht, den Michael Buback, Sohn des im April 1977 von Terroristen der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, in der Heinsberger Buchhandlung Gollenstede ablieferte.

Rund zwei Stunden lang herrschte gespannte Aufmerksamkeit unter den rund 100 Zuhörern, die seinen Antworten folgten auf all die Fragen, die ihm Rainer Herwartz stellte, der später auch das Publikum selbst in das Geschehen einband.

Der verantwortliche Redakteur der Heinsberger Zeitung und Heinsberger Nachrichten interviewte Buback im Rahmen der Gesprächsreihe „Auf ein Wort mit...” zu seinem Buch „Der zweite Tod meines Vaters” und entlockte ihm dabei auch ganz neue Fakten, die über den Inhalt des im September 2008 erschienen Buches noch hinausgingen. Zurück ließen beide nach zwei Stunden kein wirklich begeistertes, sondern ein vielmehr sehr nachdenkliches Publikum nach den von Buback glaubhaft geschilderten, weiterhin bestehenden Ungereimtheiten bei der Aufklärung des Mordes an seinem Vater.

„Ich bin die kleine Ausgabe von ihm”, beschrieb Buback, heute Professor für Chemie an der Universität Göttingen, im Gespräch zunächst die Beziehung zu seinem Vater, den er als sehr pflichtbewusst und gewissenhaft in Erinnerung hatte. Er habe ein sehr positives Vaterbild, betonte er. Deshalb habe sein Vater es verdient, dass die tatsächlichen Umstände seiner Ermordung auch nach mehr als 30 Jahren noch aufgeklärt würden. 30 Jahre lang hätten er und seine Frau Elisabeth, die im Publikum saß, eigentlich nie Zweifel an der Tatbeteiligung und an der späteren Verurteilung von Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt gehabt, so Buback weiter.

Zweifel seien erst aufgekommen im Rahmen der Diskussion um die Begnadigung von Christian Klar. Hinzu gekommen sei die Information des ehemaligen RAF-Mitglieds Peter-Jürgen Boock, der ihm glaubhaft habe versichern können, dass Klar und Folkerts gar nicht auf dem Motorrad gesessen hätten, von dem aus sein Vater erschossen worden sei. „Mohnhaupt blieb übrig, aber die war in den Niederlanden”, so Buback. „Und plötzlich fanden sich immer mehr Hinweise auf eine zierliche Frau.” Verbindungen seien gezogen worden zu Verena Becker, bei der vier Wochen nach dem Mord die Tatwaffe und ein Schraubenzieher aus dem Bordwerkzeug des Motorrads gefunden worden seien.

Mittlerweile gebe es zehn Augenzeugen, die bei der Tat auf dem Motorrad einen großen Mann und eine zierliche Frau gesehen hätten. In den Akten finde sich dazu jedoch keine Aussage. Noch nach Erscheinen des Buches habe sich eine Frau bei ihm gemeldet, die genau diese Beobachtung gemacht habe. Als Zeugin gehört worden sei damals jedoch nicht sie, sondern ihr Chef...

„Sie vermuten, dass irgendjemand eventuell schützend die Hand über Becker gehalten hat”, sagte ihm Herwartz, nachdem Buback weitere Ungereimtheiten in Bezug auf DNA-Spuren an aufgefundenen Haaren erläutert hatte. „Wenn die Fehler systematisch sind, deutet das auf eine Deckung hin”, lautete die Antwort von Buback auf die Frage nach dem Warum. Informationen zu Verbindungen von Becker zu „westdeutschen Geheimdiensten” deutete er dabei an.

„Das Schlimme sind die Merkwürdigkeiten in den Ermittlungen”, erklärte er und fügte wenig später hinzu: „Es verschwinden immer die Zeugen, die von einer Frau hätten sprechen können.” Es müsse einen Schutz gegeben haben. „Alles andere wäre unwahrscheinlich.”

Seine eigene Arbeit am „Fall” sehe er wie die Lösung eines chemischen Problems, erklärte Buback einem Zuhörer, der angesichts seiner Erkenntnisse seine Gelassenheit bewunderte. „Sonst hätte ich das nicht überlebt. Denn es ist Verrat an meinem Vater!” Machen könne er jetzt eigentlich nichts mehr, es sei denn, es würden sich neue Erkenntnisse ergeben, die er noch nicht kenne. „Die Sache ist klar!”, so Bubacks Schlusswort.
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