Social Media kommen nicht bei allen Kommunen gut an

Von: Sonja Essers
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Nicht jede Kommune im Kreis Heinsberg besitzt einen eigenen Facebook-Auftritt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Auch das Thema Personalknappheit spielt eine Rolle. Foto: dpa

Kreis Heinsberg. Neue Kommunikationsmedien wie Facebook, Twitter & Co. halten immer öfter Einzug in große Unternehmen. Städte und Gemeinden wollen diesen in nichts nachstehen und legen sich ebenfalls Profile zu. Wie sieht es im Kreis Heinsberg aus? Wie vielen Nutzern gefallen die Seiten, und warum sind die Sozialen Netzwerke nicht für jede Kommune eine Option? Ein Überblick.

Geilenkirchen: „Es ist günstig, wenn man schnell Neuigkeiten verbreiten möchte“, sagt Monika Savelsberg. Die Mitarbeiterin der Verwaltung kümmert sich – gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen aus der Stadtverwaltung – um den Facebook-Auftritt der Stadt Geilenkirchen. Ende März 2014 ging die Seite online, seitdem gefällt sie insgesamt 1948 Nutzern (Stand: 7. Februar 2017). Gepostet werden nicht nur Veranstaltungen oder Hinweise, sondern auch Stellenausschreibungen oder Artikel zu bestimmten Themen.

Mit der Resonanz der Nutzer ist Monika Savelsberg zufrieden. „Das kommt immer ganz aufs Thema an“, sagt sie. Reges Interesse bestand beispielsweise, als die Kommune auf ihrer Facebook-Seite Firmen aus der eigenen Stadt präsentierte. Es gibt jedoch nicht ausschließlich positive Rückmeldungen.

„Wenn die Stadt Geld ausgibt, dann wird das auch entsprechend kommentiert“, nennt Monika Savelsberg ein Beispiel. Das sei jedoch nicht unbedingt negativ zu beurteilen. „Wir möchten, dass Diskussionen entstehen und unsere Posts kommentiert werden“, sagt Savelsberg. Weitere Kanäle wie beispielsweise Twitter seien in Zukunft nicht geplant.

https://www.facebook.com/Stadt.Geilenkirchen/

Waldfeucht: „Wir bedienen neben unserer Website aktiv keine Sozialen Netzwerke“, sagt Robert Schmitz von der Verwaltung. Eine Facebook-Seite sei ebenfalls nicht geplant. Als Grund dafür nennt Schmitz Personalmangel. „Hauptsächlich liegt es an der Personalausstattung hier im Haus.“ Nicht nur beim Fachbereich Zentrale Dienste, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, sondern auch bei den anderen Fachbereichen, die diesen zeitnah mit Infos füttern müssten, sei eine eigene Facebook-Seite nicht zu stemmen.

„Das gesamte Personal in unserem kleinen Haus müsste also noch für dieses neue Publikationsmedium besser sensibilisiert werden, Arbeitszeit-Ressourcen müssten freigeschaufelt werden. Dies ist bei der jetzigen Personal- und Arbeitssituation nicht kurzfristig realisierbar.“

Hückelhoven: Eine eigene Facebook-Seite besitzt die Stadt Hückelhoven nicht, in Planung ist diese ebenfalls nicht. Personalmangel ist jedoch nicht das Problem. „Wir haben uns dem Thema gewidmet und festgestellt, dass wir einfach noch nicht so weit sind“, sagt Holger Loogen von der Verwaltung.

Gangelt: Die Gemeinde Gangelt ist nicht in den Sozialen Medien aktiv. Allerdings lege man großen Wert auf eine aktuelle und moderne Internetseite. Diese wird momentan neu gestaltet, berichtet Frank Bley von der Verwaltung. „Wir werden auch in den Sozialen Medien auftreten. Wann das sein wird, steht allerdings noch nicht fest. Wir befinden uns derzeit in den Planungen“, sagt er.

Wegberg: Für die Stadt Wegberg steht die Unterhaltung einer eigenen Facebook-Seite mittelfristig nicht auf dem Programm. „Die Stadt Wegberg ist in der Haushaltssicherung und kann hierfür aktuell kein zusätzliches Personal bereitstellen. Eine ordentliche Betreuung eines Sozialen Netzwerkes erfordert einen Personalaufwand, der zwei Stellen ausmachen würde“, sagt Ulrich Lambertz von der Verwaltung.

Erkelenz: In der Stadt Erkelenz geht man mit dem Thema Soziale Medien ganz anders um: Thomas Poos und Marwin Altmann haben eine Facebook-Seite eingerichtet, auf der Händler und Vereine präsent sind. Die beiden sind jedoch nicht bei der Stadtverwaltung beschäftigt, sondern als Unternehmer tätig. Unterstützt wird die Seite, die es seit Dezember 2015 gibt und die derzeit 2936 „Gefällt Mir-Angaben“ besitzt, von der Verwaltung und dem Stadtmarketing.

Bereits in 30 Städten in ganz Deutschland wird dieses Format, das neben einer eigenen Facebook-Seite auch eine Internetseite sowie eine App beinhaltet, genutzt. Poos und Altmann füllen diese mit dem lokalen Inhalt. „So wollen wir ein Gemeinschaftsgefühl erzeugen und zeigen, was die Stadt alles zu bieten hat“, sagt Altmann. 60 Unternehmen und 25 Vereine haben sich bisher angeschlossen, neue Informationen gibt es jeden Tag.

Selfkant: Die Gemeinde Selfkant besitzt eine eigene Facebook-Seite. Momentan gefällt diese insgesamt 626 Nutzern. Auf der Seite werden unter anderem Veranstaltungen oder Termine der Verwaltung angekündigt. Auch Stellenausschreibungen werden auf diesem Weg veröffentlicht. In anderen Sozialen Medien sei man allerdings nicht aktiv. „Eine Planung in dieser Hinsicht besteht auch nicht“, sagt Matthias Jung von der Verwaltung.

Die Seite wurde bereits im August 2012 erstellt und wird von Matthias Jung und Dirk Schwartzmanns (Leiter des Haupt- und Personalamts) verwaltet. Die Erfahrungen seien sowohl positiv als auch negativ. „Positiv ist die schnelle Verbreitung von Informationen, zum Beispiel von Stellenausschreibungen oder Warnmeldungen. Negativ fällt auf, dass die Hemmschwelle für negative Äußerungen über Politik und Verwaltung sehr niedrig zu liegen scheint“, sagt Matthias Jung.

https://www.facebook.com/GemeindeSelfkant/

Übach-Palenberg: Eine eigene Facebook-Seite hat die Stadt Übach-Palenberg nicht. Woran das liegt? Ein Statement der Verwaltung gab es dazu bisher nicht. Austauschen können sich die Übach-Palenberger über ihre Stadt trotzdem und zwar in der Facebook-Gruppe „Übach-Palenberg aktuell“. Gegründet wurde diese von Jürgen Dackweiler. 3234 Nutzer sind zurzeit Mitglied.

Heinsberg: Die Facebook-Seite der Stadt Heinsberg gibt es bereits seit 2011, sie hat momentan 2099 „Gefällt-mir-Angaben“. Betreut wird die Seite von Kathrin Zimber. „Vorab habe ich ein Seminar besucht, was mir sehr weiter geholfen hat.Hier wurden einige Punkte angesprochen, um auch einen Shit-storm zu vermeiden“, sagt sie. Aktuelle Neuigkeiten, Termine und Veranstaltungen sollen über das Soziale Netzwerk verbreitet werden, ist in der Beschreibung der Seite zu lesen.

„Wir haben oft in den letzten Jahren in der Stadt unsere Veranstaltungen mit Plakaten beworben. Doch es gab so viele Leute, die diese Plakate einfach nicht wahrgenommen haben und nicht wussten, dass eine Veranstaltung hier und da stattgefunden hat“, sagt Zimber. Das habe sich geändert. Durch die Verlosung von Eintrittskarten konnte man einige Veranstaltungen gut bewerben. „Mein Fazit ist, dass wenn man junge Menschen erreichen mag, Facebook unerlässlich ist“, sagt er.

https://www.facebook.com/Stadt-Heinsberg-185405534829283/

Wassenberg: Die Stadt Wassenberg hat keine Facebook-Seite. Bisher habe man sich im Rathaus noch nicht damit befasst, sagte Bürgermeister Manfred Winkens. Das soll sich dieses Jahr aber ändern. Und am 1. März geht auch die neue Internetseite der Stadt online.

Kreis Heinsberg: Die Facebook-Seite des Kreises Heinsberg zählt mit 2268 „Gefällt-mir-Angaben“ zu den Spitzenreitern – und das, obwohl die Seite erst seit November 2016 online ist. Der Kreis informiert über dieses Portal nicht nur über Veranstaltungen, sondern veröffentlicht unter anderem auch Radarkontrollen.

„Man muss mit dem Zeitalter gehen und darf sich vor diesen neuen Formaten nicht verschließen. Sie sind ein Gewinn für beide Seiten“, sagt Jennifer Grünter, die für den Social-Media-Auftritt zuständig ist. Bislang habe sie nur positive Erfahrungen gemacht. Ein Auftritt in weiteren Sozialen Netzwerken soll bald folgen.

https://www.facebook.com/kreisheinsberg/

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