Senioren stehen vermehrt im Fadenkreuz von Betrügern

Von: defi
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Die Vorsitzende des Vereins „Senioren aktiv” Maria Nolten (2.v.l.) und Heinz-Peter Benetreu (r.) hatten die Referenten Sabine Tandetzki (l.), Wolfgang Ulbrich (M.) und Claudia Schmitz (2.v.r.) eingeladen, um über Straftaten gegen Senioren zu informieren. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Eine informative und praxisnahe Aufklärungsveranstaltung zu Haustürgeschäften und Kaffeefahrten, bei denen Senioren übervorteilt werden, bot der seit 2003 in Heinsberg bestehende gemeinnützige Verein „Senioren aktiv” im Pfarrheim Unterbruch an.

Die Vereinsvorsitzende Maria Nolten freute sich über einen sehr guten Besucherzuspruch. 40 Seniorinnen und Senioren ließen sich von Vertretern der Staatsanwaltschaft, der Polizei und der Verbraucherzentrale darüber informieren, wie sie sich gegen Gauner und Betrüger schützen können und was zu tun ist, wenn das Kind, denn doch einmal in den Brunnen gefallen ist, sprich ein Trickbetrüger erfolgreich zugeschlagen hat.

Derzeit 100 Fälle

Moderator der Veranstaltung war Heinz-Peter Benetreu. Er hatte auch die Referenten der Veranstaltung gewonnen: Staatsanwältin Sabine Tandetzki, von der Staatsanwaltschaft Aachen, zuständig für das Dezernat „Delikte gegen Seniorinnen und Senioren”; Claudia Schmitz, Leiterin der Beratungsstelle Alsdorf der Verbraucherzentrale NRW, und Kriminalhauptkommissar Wolfgang Ulbrich von der Kreispolizeibehörde Heinsberg, Kommissariat Vorbeugung.

Staatsanwältin Sabine Tandetzki befasst sich zurzeit mit 100 Fällen, die ihrem Dezernat „Delikte gegen Seniorinnen und Senioren” zugeordnet sind. Dieses Dezernat ist vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung als Pilotprojekt des Justizministeriums NRW im Mai 2010 geschaffen worden. Schnelles Handeln sei wichtig, wenn man Opfer einer Straftat geworden sei, erläuterte die Staatsanwältin. Die Verfolgung der Straftäter müsse umgehend eingeleitet werden, da zum Beispiel die Zurückverfolgung von Telefonnummern nur innerhalb der ersten Tage nach der Tat erfolgversprechend sei. Auch sei die Zeugenvernehmung frisch nach der Tat ergiebiger, und die Aussicht sein Geld zurück zu bekommen, entsprechend größer. Sabine Tandetzki ging auf verschiedene Trickbetrügereien ein. Bei Kaffeefahrten sei die Beweisführung oft schwierig, so Tandetzki, da der Wert der angebotenen Waren im Nachhinein schwer zu belegen sei. Aber auch in diesem Bereich seien
Strafverfahren eingeleitet worden.

Der Enkeltrick, immer wieder

Vermehrt käme der Enkeltrick zum Einsatz. Die Täter spielten dem Opfer am Telefon vor, ein Bekannter oder Verwandter des Senioren befände sich in einer Notlage, das Geld des Opfers sei die einzige Rettung. Sei kein Geld im Hause des Opfers vorhanden, würde sogar ein Taxi vorbei geschickt, dass das Opfer zur Bank fahre.

Die Täter gingen überaus professionell vor, so die Staatsanwältin, seien oft nur kurze Zeit im Tatraum unterwegs. In einem ihrer Fälle, so Tandetzki, habe der Betrüger zwei Stunden im Wohnzimmer des Opfers, gesessen und unter Tränen die Geschichte seiner angeblich sterbenden Mutter erzählt, bis die alte Dame ihm 2000 Euro gegeben habe. Im Falle einer Dame, die am Telefon ihre Kontodaten herausgegeben habe, sei in Folge von 80 Firmen Geld von deren Konto abgebucht worden, bis es leer gewesen sei. Die Dame habe aber ihr Geld zurückbuchen können; die Ermittlung der Täter sei allerdings schwierig.

Für den Fall der Fälle steht auch die Verbraucherzentrale zur Verfügung, etwa wenn nach einem betrügerischen Vertragsabschluss ein Widerruf erfolgen muss. Auch Claudia Schmitz, Leiterin der Beratungsstelle Alsdorf der Verbraucherzentrale NRW, riet potentiellen Opfern möglichst schnell zu reagieren, desto größer sei die Chance sein Geld zurück zu bekommen.

Leider, so Claudia Schmitz, sei vermehrt zu beobachten, dass an Demenz erkrankte Senioren von Betrügern ins Visier genommen würden.

Wolfgang Ulbrich von der Kreispolizeibehörde Heinsberg, Kommissariat Vorbeugung, konnte den Besuchern der Veranstaltung wertvolle Tipps geben, wie sich sich vor Trickbetrügereien schützen können. Diese leicht anzuwendenden Ratschläge, hat die Polizei in einer Broschüre zusammengefasst, die bei der Polizei kostenlos erhältlich ist und auch im Internet unter www.polizei-beratung.de/mediathek einsehbar ist.
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