Selbst der Teppichboden wird zur Kunst

Von: Markus Bienwald
Letzte Aktualisierung:
9982428.jpg
Der Besen war nicht Teil der Kunst, sondern Teil der Installation seines Schaffens, mit der Hermann-Josef Mispelbaum in Übach-Palenberg beeindruckte. Foto: Markus Bienwald
9982953.jpg
Mit Streetfotografie und Portraits in Schwarz-Weiß überzeugte Fotograf Karl-Heinz Hamacher in Gangelt. Foto: Markus Bienwald
9982961.jpg
Ein Besuch bei Walter Verwoert in Geilenkirchen. Foto: Markus Bienwald

Gangelt/Geilenkirchen/Übach-Palenberg. Mit der Kunsttour war es so ein bisschen wie beim Zuckerbäcker mit großer Auslage: Sich da die richtigen Rosinen rauszupicken, fiel ein bisschen schwer, denn alle Teilnehmer hatten ihre ganz besonderen Reize. Wer sich zum Beispiel auf Kunst total einlassen wollte, wurde problemlos beim Übach-Palenberger Künstler Hermann-Josef Mispelbaum fündig.

Er nutzte gleich das gesamte Erdgeschoss in seinem Haus an der Talstraße. Kunst überall, selbst der eigentlich braune Teppichboden wurde kurzerhand grau übermalt. Skulpturen, Malerei und Zeichnungen wurden zu einem Gesamtkunstwerk, das der Künstler erlebbar machte und natürlich auch durch seine Präsenz nochmals verstärkte.

Scheinbar Alltägliches findet bei Mispelbaum eine neue Verwendung, eine neue Form, trägt zum Ein- und Ausdruck bei und macht den Menschen zum Mittelpunkt seines Schaffens. So beschäftigte sich Mispelbaum beispielsweise mit der Pflege, machte sie künstlerisch zum Thema, zeigte ihre Schattierungen, Schattenseiten und alles, was sie ausmacht, und gibt damit dem gesellschaftlichen Thema eine künstlerische Bühne. „Man muss sich immer selbst erneuern“, sagt Mispelbaum, „wenn man sich nicht selbst überrascht, dann kann man auch niemanden überraschen.“

Und wenn Mispelbaum seinem Handwerk nachgeht, das Menschenbild nach seinem Blick zu schaffen, schafft es Karl-Heinz Hamacher mit seinen Fotos, die Menschen ins rechte Licht zu rücken. Der Gangelter stellte in einer alten Bäckerei aus, direkt an der Hauptstraße, und sorgte so für kulturellen Durchgangsverkehr der anderen Art. Statt Brot gab es bei ihm eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Porträts. Wobei Hamacher gerne auf seine Fernreisen, beispielsweise nach Kuba oder Panama, zurückgreift, wo er seine intensive, unmittelbare und direkte Art der Streetfotografie ideal ausleben kann. Heraus kommen dann Bilder, die keine Farbe brauchen, um Lebenslust, Szenerie oder Charakter zu atmen. „Ich versuche, unauffällig zu arbeiten“, sagt Hamacher, das gelingt ihm abends oder nachts wohl am besten, denn dann blühen nicht nur die Menschen der Nacht auf, dann zeigen sich auch charaktervolle Menschen am besten. Die Technik ist für „Hama“ dabei kein Selbstzweck, ganz im Gegenteil, er legt bei dieser Art der Fotografie den Fokus auf weniger Technik, mehr Bild. „Ich habe dann nur wenig Ausrüstung dabei, das macht es mir leichter, an die entscheidenden Motive zu kommen“, schließt Hamacher.

Herkommen und dabei sein war das Motto bei Walter Verwoert, der mit Max Maxelon und Jürgen W. Olbrich das Gemeindezentrum der evangelischen Kirchengemeinde in Geilenkirchen-Hünshoven zu einem Kunst- und Kulturzentrum machte. Ein flüchtiger Blick reichte da nicht aus, ein wenig Kunstverständnis und die Lust, sich auf Kunst einzulassen und auch Teil der Kunst zu werden, war sicherlich nicht von Nachteil. Denn das, was Verwoert mit seiner Kunst mit dem klanglichen Überbau Maxelons und den Künstlerbüchern Olbrichs verband, waren der zweite, dritte und vierte Blick. Warum das Klavier an einer der langen Wände im Gemeindezentrum im Bereich der Tasten von einer blauen Decke verdeckt wurde, erfuhren die Besucher am eigenen Leib. Denn sie durften die von Verwoert in einer Art kryptischer Partitur entworfenen Klangvorstellungen, die von Maxelon in eine mit Instrumenten spielbare Partitur umgesetzt wurden, auch selbst gestalten. Am Ende standen einmalige Klangerlebnisse mit neun Gongs, mit Klangstäben oder auch besagtem Klavier. Gerade diese Performance, die es so nur im Moment der Anwesenheit gab und nicht wiederholt werden kann, war eine der Rosinen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert