Schwimmhäute statt Eisklumpen: Die WM im Bierkasten-Curling

Von: hewi
Letzte Aktualisierung:
Beschwörend wird dem Bierkast
Beschwörend wird dem Bierkasten hinterher geschaut: Die Eisbahn am Wegberger Rathaus war zum zweiten Mal Schauplatz der Weltmeisterschaft im Bierkasten-Curling. Das Finale war allerdings stark vom Regen beeinträchtigt. Foto: Koenigs

Wegberg. Eigentlich war alles anders geplant. Statt mit Regen hatten die Veranstalter der zweiten Weltmeisterschaft im Bierkasten-Curling wie im Vorjahr mit Schnee und klirrender Kälte gerechnet. So musste noch bis kurz vor Beginn des spannenden Finales am Freitag gebangt werden, ob die Eisbahn am Wegberger Rathaus überhaupt freigegeben werden konnte.

Denn der Regen verwandelte sich auf der Eisfläche zu einer sehr rutschigen und durchaus in ihrer Gefahr für die Athleten nicht zu unterschätzenden zusätzlichen Schikane. Schließlich gab der Wegberger „Iceman” Friedhelm Hilz grünes Licht. Bürgermeister Reinhold Pillich konnte das Finale offiziell eröffnen.

Das tat der Bürgermeister nur zu gerne, schließlich ist diese neue Wintersportart eine Erfindung vom Stadtmarketing. Ulrich Lambertz und Manfred Vits ließen es sich daher auch nicht nehmen, die Veranstaltung selber zu moderieren. Auch wenn es von den Temperaturen her an sich durchaus auszuhalten war, konnten die Teilnehmer auf der Eisbahn schnell kalte Füße bekommen.

Das ungemütliche Wetter verhinderte nicht, dass wieder viele Schaulustige und Fans zum Rathausplatz gekommen waren, um dem Wettstreit mit den schliddernden Bierkästen beizuwohnen. „Letztes Jahr hatte ich am Ende Eisklumpen an den Füßen”, sagte ein Zuschauer. „In diesem Jahr werden es wohl Schwimmhäute sein.”

Einige der Teams boten neben der sportlichen Leistung auch ­einen Augenschmaus. So zum Beispiel die Physio-Kids, die in weißen Overalls mit bunten Farbklecksen und reichlich Optimismus auf sich aufmerksam machten. David Nix und sein Teamkollege René Erren erklärten selbstbewusst, dass der Titel auf jeden Fall an sie gehen werde. „Wir werden eins sein mit dem Eis”, so Nix. „Wir werden denken wie Eis und fühlen wie Eis.” Absolut cool eben. Können ist durchaus gefordert.

Wie sagte doch David Nix: „Man muss das Eis lesen können, um ein Gespür dafür zu entwickeln.” Dass es am Ende für die Physio-Kids nicht für den Titel reichte, hinderte die weißbunte Truppe nicht daran, sich von den Fans ausgiebig feiern zu lassen. Neben dem Einssein mit dem Eis kam es vor allem auf Standfestigkeit und das richtige Fingerspitzengefühl an. Denn es kam nicht nur darauf an, den Kasten zielgenau auf die Reise in Richtung des blauroten Kreises zu schicken; schon ein Hauch zu viel Schwung genügte, um ihn über das Ziel hinaus schießen zu lassen.

In Topform war der Eickels-Clan, der mit dem kleinen Jan eine wahre Wunderwaffe in seinem Kader hatte. Der Achtjährige legte eine Präzision an den Tag, um die er von manchem der älteren Teilnehmer beneidet wurde. Dabei waren die „Trainingsmethoden” der Mannschaft - Bier auf dem Sofa und Curling im TV - natürlich nicht für den jungen Sportler geeignet. Im Viertelfinale gegen die Jakobiner war Schluss mit lustig: Der Eickels-Clan war denkbar knapp mit 2:3 gegen die späteren Weltmeister unterlegen.

„Auch wenn uns das Wetter diesmal einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, können wir mit der diesjährigen WM sehr zufrieden sein”, erklärte Manfred Vits am Rande der Eisbahn. Zwar habe man wegen des Regens weniger Besucher als im vorigen Jahr bei der Erstauflage des Events gehabt, doch der Stimmung tat dies keinen Abbruch. „Bierkasten-Curling funktioniert bei jeder Witterung”, lautete sein Fazit. Und fast jeder wisse aus dem Sportunterricht, dass es kein schlechtes Wetter gebe, sondern nur schlechte Kleidung.

Insgesamt 76 Mannschaften hatten sich für die zweite Weltmeisterschaft im Bierkasten-Curling in Wegberg gemeldet. Zehn hatten sich über die beiden Vorentscheide qualifiziert für das Finale.

Am Ende hatten die Jakobiner die Nase vorn und wurden somit Weltmeister. Auf den Rängen zwei und drei folgten die Mannschaften Watern 1 und Physio-Kids. Der Fairness-Preis ging an die Mannschaft des Klinkumer Musikvereins. Ebenfalls bis ins Finale geschafft hatten es das Klinkumer Trommler- und Pfeiferkorps, die zweite Mannschaft des Heimatvereins Harbeck, Brix Hausverwaltung, PSG Grenzland, die Jakob Brothers und der Eickels-Clan.

Als jüngster Teilnehmer wurde der achtjährige Jan Eickels ausgezeichnet. Ihm wurde eine Stunde Ponyreiten für sich und seine Freunde geschenkt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert