Schulreform: Peter-Jordan-Schule nimmt an Pilotprojekt teil

Von: Norbert F. Schuldei
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Zum bevorstehenden Schulwechsel von Jan sangen und spielten seine Mitschüler an der Peter-Jordan-Förderschule. Jan wechselt zur Hauptschule. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Eine tief greifende Änderung des vertrauten Schulsystems vollzieht sich bei uns lautlos, fast unbemerkt - und überdies durch die Hintertür. Vor drei Jahren nämlich hat Deutschland die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung ratifiziert, seit 2009 ist die UN-Konvention für Deutschland verbindlich.

Im Artikel 24 heißt es darin: „Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderung auf Bildung. Bei der Verwirklichung dieses Rechts stellen die Vertragsstaaten sicher, dass Menschen mit Behinderung gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben.” Inklusion nennt man das, und es ist das Zauberwort in der zeitgenössischen Pädagogik.

Wenn Bildung als menschliches Grundrecht anerkannt wird, dann müssen Menschen mit Behinderung in Schulen unterrichtet werden, in denen alle Schüler einbezogen sind. Da das hier zu Lande nicht so ist, müssen die deutschen Bundesländer ihre Schulgesetze auf der Grundlage der UN-Konvention weiter entwickeln. Hin zum inklusiven Unterricht.

15 Schulen im Regierungsbezirk Köln nehmen an der Pilotphase „Kompetenzzentrum sonderpädagogische Förderung” (KsF) teil. „Wir sind”, sagt Hans-Leo Lowis, „im vergangenen Jahr in das Projekt eingestiegen”. Lowis ist Leiter der Peter-Jordan-Schule in Hückelhoven In der Schlee.

Er sieht seine Förderschule durch die Umsetzung der UN-Konvention nicht unmittelbar bedroht: „Die Förderschule hat ihre Berechtigung für Kinder, die besondere Bedürfnisses haben.” Sie wird, so Lowis, als Angebotsschule bestehen bleiben. Aber: „Im Idealfall bekommen wir von den Regelschulen keine Schüler mehr zugewiesen, da sie dort am Unterricht teilnehmen können.”

Etwa die Hälfte des 27-köpfigen sonderpädagogisch ausgebildeten Kollegiums der Peter-Jordan-Schule geht schon heute stundenweise beratend und unterstützend in die Regelschulen, um dort zu helfen, die Kinder mit den unterschiedlichen Defiziten in den Regelunterricht zu integrieren.

Gedanken mit Leben füllen

„Die Schüler kommen also nicht hierher, sondern andersrum: unsere Lehrer gehen an die Regelschule”, sagt Hans Hilgers. Der stellvertretende Leiter der Peter-Jordan-Schule sieht darin eine gute Möglichkeit, den „Inklusionsgedanken” mit Leben zu füllen.

In den Klassen findet Unterricht auf mehreren Niveaus statt. „Das ist eine Win-Win-Situation: Alle Schüler der Regelschule profitieren davon genau so wie die Lehrkräfte.”

Die vom Durchschnitt abweichenden pädagogischen Bedürfnisse werden nicht als störend empfunden, sondern gelten in solchen „inklusiven” Klassen als selbstverständlich und werden vom Lehrerteam pädagogisch beantwortet. Die Kehrseite der Medaille kennt Hilgers allerdings auch: „Die Kollegen gehen an die Grenze des Machbaren.”

Denn der Unterricht der Förderschule läuft natürlich weiter, der Arbeitsaufwand und die Arbeitszeit erhöht sich. Das gilt insbesondere auch für die Kollegen der Regelschule, die die sonderpädagogische Arbeitsweise in ihr tägliches Handeln aufnehmen.

Je mehr Regelschulen - das ist ein Grundgedanke der Neuausrichtung des Auftrages der Sonderpädagogik im Zuge der UN-Konvention - sich zu inklusiven Schulen entwickeln, desto mehr werden Förderschulen überflüssig. Zurzeit allerdings ist einen solche Tendenz am Peter-Jordan-Kompetenzzentrum nicht erkennbar.

Für 180 Schüler war der Bau ursprünglich konzipiert, 172 Schüler waren es Ende des letzten Schuljahres. „Jetzt haben wir 195 Schüler”, sagt Lowis. „Ziel”, so Hans Hilgers, „ist es, die Schülerzahl auch nach der Fertigstellung des Neubaus deutlich zu reduzieren”.

Es werde, da sind sich beide Sonderpädagogen sicher, auch zukünftig Schüler geben, die nicht in Regelschulen, auch nicht in solchen, die Inklusion praktizieren, beschult werden können. Schüler beispielsweise, die einen „normalen” Intelligenzquotienten haben, die aber emotional/sozial gestört sind, so genannte E-Schüler.

„Das waren an unserer Schule anfangs etwa 15 Prozent, inzwischen ist es sicher jeder vierte Schüler”, sagt Hans Hilgers. Und er schiebt einen Satz hinterher, der keines Kommentars bedarf: „Schule ist für mich immer ein Spiegel der Gesellschaft.”

So gesehen darf man sicher sein, dass es mit der Umsetzung des Inklusionsgedankens bei uns noch ein Weilchen dauern wird. In Hückelhoven jedenfalls ist ein Anfang gemacht.
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