Schuldner- und Insolvenzberatung zieht Bilanz

Von: hewi
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Wolfgang Meier, langjähriger Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatung, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2016. Foto: Wichlatz

Kres Heinsberg. „Die Zahl der Beratungsfälle lag 2016 wie in den Vorjahren auf hohem Niveau.“ Mit diesem Satz beginnt der Jahresbericht 2016 der Schuldner- und Insolvenzberatung. Sie wird vom Diakonischen Werk und der Arbeiterwohlfahrt getragen und hat ihren Sitz im evangelischen Gemeindezentrum in Hückelhoven an der Haagstraße.

Wolfgang Meier, langjähriger Leiter der Beratungsstelle, kennt die Gründe, die in die Schuldenfalle führen können. Trennung in der Partnerschaft, eine gescheiterte Selbstständigkeit, Krankheit und Arbeitslosigkeit sind die klassischen Gründe für eine Überschuldung. Doch auch die Immobilienfinanzierung kann einem im schlimmsten Fall finanziell das Genick brechen. „Multiple Faktoren“ gehören mit über 36 Prozent zu den häufigsten Ursachen. Diese Faktoren orientieren sich an den persönlichkeitsbezogenen Merkmalen des Schuldners, zum Beispiel eine hohe Konsumorientierung oder unrealistische Haushaltsführung in Kombination mit unsicheren Beschäftigungsverhältnissen oder Trennungen im privaten Bereich.

„Heute haben Schuldner mehr Gläubiger als früher“, betonte Meier bei der Vorstellung des Berichtes. „Ursache dafür ist der ­Online-Versandhandel, der es den Kunden erleichtert, Schulden zu machen.“ So lange konsumiert werden könne, denke man über die Schulden, die dadurch entstehen würden, nicht nach. „Das kommt erst, wenn es zu spät ist“, wusste Meier zu berichten.

Wenn die Ratsuchenden dann kommen, muss es oft schnell gehen. Zum Beispiel mit einem sogenannten P-Konto, einem Pfändungsschutzkonto. Im Kreis Heinsberg ist die Zahl der Bescheinigungen für P-Konten von 412 im Jahr 2013 auf 648 (inklusive Wiederholungsbescheinigungen) im vergangenen Jahr gestiegen. Diese Konten weisen einen höheren pfändungsfreien Betrag auf als den Grundfreibetrag. Die Bescheinigungen zur Einrichtung eines solchen Kontos stellt die Beratungsstelle aus.

Die Schuldnerberatung für den Kreis Heinsberg verzeichnete im Vorjahr 870 Neuaufnahmen. Die Gesamtzahl der begleiteten Haushalte blieb mit 1526 weiterhin hoch (nach 1533 im Jahr 2014 und 1651 im jahr 2015), wobei die Zahl der Insolvenzberatungen rückläufig war: von 696 auf 570. Einen Trend wollte Meier daraus aber nicht ableiten für das Kreisgebiet.

Schulden kennen kein Geschlecht. Und so ist die Zahl der männlichen und weiblichen Ratsuchenden in Hückelhoven ausgeglichen. Das durchschnittliche Alter der Schuldner, die zur Beratung kommen, orientiere sich an der „aktiven Zeit“ zwischen 30 und 50 Jahren, erläuterte Meier. Die Probleme würden anfangen, wenn man in der Lage sei, Schulden zu machen.

Nun komme jedoch mit den Senioren ein neuer Personenkreis in den Fokus der Schuldnerberater. „Viele Menschen weisen heute brüchige Erwerbsbiografien auf“, erklärte Meier. Entsprechend geringer fielen dann auch die Rentenzahlungen aus. Schulden hingegen würden bis ins Rentenalter mitgeschleppt. Nur wer 40 Jahre lang ein Bruttoeinkommen von mindestens 2100 Euro bezogen habe, erhalte eine Rente über Grundsicherungsniveau, heißt es dazu im Jahresbericht der Schuldner- und Insolvenzberatung.

Die gestiegene Zahl der Flüchtlinge schlage sich noch nicht in der Arbeit der Beratungsstelle nieder, erläuterte Meier. Ihr Zugang zu den typischen „Schuldenfallen“ sei noch begrenzt. Zumeist handele es sich bei dieser Personengruppe um Schulden im Rahmen von Mobilfunkverträgen. Mittelfristig sei aber damit zu rechnen, dass auch diese Gruppe innerhalb der Ratsuchenden zunehme.

Die Beratungsstelle ist mit sechs Mitarbeitern gut besetzt und wird heute von Meiers Nachfolgerin Tonja Schreck geleitet.

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