Kreis Heinsberg - Schülerschaft ohne Politikverdrossenheit

Schülerschaft ohne Politikverdrossenheit

Von: gp
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Von Andreas Morasvh (r.) zum EU-Speed-Debating begrüßt, beantwortete CDU-Bundestagsabgeordneter ­Wilfried Oellers (l.) die Fragen von Gerrit Morjan und Seyda Yaman. Foto: Passage
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Auch Norbert Spinrath (l.), europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, stellte sich beim EU-Speed-Debating den Fragen von Schülerinnen und Schülern. Foto: Passage

Kreis Heinsberg. „Europa kritisch gesehen – die deutsche Europapolitik auf dem Prüfstand“: Zu diesem Thema trafen sich Schülerinnen und Schüler des Erkelenzer ­Berufskollegs an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit den beiden Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers (CDU) und Norbert Spinrath (SPD) zu einem EU-Speed-­Debating.

Eine Aktion, die zu den vom Land Nordrhein-Westfalen prämierten 70 Projekten im Rahmen des Wettbewerbs „Europa­woche 2016“ gehörte.

Fehlt es der Europäischen Union an Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten? Sollte die Europäische Union das belgische Atomkraftwerk von Tihange abschalten? Kann die Bundesrepublik die Erwartungen der Flüchtlinge erfüllen? So lauteten Fragen der Schülerinnen und Schüler. Ein weiteres Thema war der Blick nach Polen, wo – so die Sorge – eine rechtsnationale Bewegung die Abspaltung von Europa vorantreiben könnte. Unter der Leitung der Pädagogen Verena Gahr und Dr. Uwe Bilski hatten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv auf diese Themen vorbereitet. Auffallend war, wie gut die Beteiligten sich im Vorfeld mit all diesen Themen befasst hatten.

„Was ist Solidarität?“ Diese Frage richteten Gerrit Morjan und Seyda Yaman die Frage an Wilfried Oellers. „Mangelt es der EU an Solidarität?“ lautete eine der Fragen, die der CDU-Abgeordnete zu beantworten hatte. „Es ist nicht der europäische Gedanke, Grenzen zu schließen“, so der Christdemokrat. Gleichzeitig merkte der CDU-Politiker aus der Kreisstadt Heinsberg an, dass es ebenfalls nicht im Sinne der EU sei, dass sich Staaten ausgrenzen würden. „Mit Sorgen beobachte ich die Entwicklung rund um das belgische Atomkraftwerk Tihange. Auch hier ist die Europäische Union gefordert, eine sichere Lösung zu finden“, sagte Oellers, der allerdings auf bestehendes Recht verwies, nach dem die EU in dieser Angelegenheit über keine Entscheidungsgewalt verfüge.

Norbert Spinrath, europapolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, beantwortete am zweiten Tag vom EU-Speed-Debating von Christoph Thiel und Daniel Schillert zum Thema Flüchtlingskrise gestellte Fragen: „Die Krise ist, wie die EU-Mitgliedsstaaten mit den Flüchtlingsprobleme umgehen“, sagte Spinrath und fügte hinzu, dass man aus der historischen Entwicklung lernen müsse, was man in der Vergangenheit auch gemacht habe. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges seien 12,5 Millionen Flüchtlinge in Deutschland aufgenommen worden, obwohl es keine Infrastruktur gegeben und bittere Armut geherrscht habe. „Sind 500 Millionen EU-Bürger nicht in der Lage, ein bis zwei Millionen Flüchtlinge aufzunehmen?“ So fragte Spinrath in die Runde.

Weiterhin wies der SPD-Politiker darauf hin, dass es in Deutschland gelungen sei, alle Flüchtlinge aufzunehmen und zu versorgen: „Natürlich war es erforderlich, einen Teil der Menschen vorübergehend in Turnhallen unterzubringen. Uns ist es jedoch gelungen, alle Menschen unterzubringen. Niemand brauchte auf der Straße zu übernachten.“ Auch zum Thema Tihange bezog Spinrath Stellung. „Natürlich ist es unserem Sinne, dass das Atomkraftwerk Tihange abgeschaltet wird“, so Spinrath. „Doch müssen wir in dieser Angelegenheit geduldig bleiben.“ Nach EU-Recht sei dies eine Angelegenheit, die nur in Belgien selber entschieden werden könne, es müsse aber trotzdem politischer Einfluss ausgeübt werden, so der SPD-Politiker aus Geilenkirchen.

Sowohl CDU-Abgeordneter Wilfried Oellers als auch dessen SPD-Kollege Norbert Spinrath zeigten sich angetan von dem Wissen und politischen Verständnis der Schülerinnen und Schüler, die diese Debatten aufmerksam verfolgten. Beide Politiker konnten sich bei dieser Veranstaltung davon überzeugen, dass Politikverdrossenheit für manche der jungen Menschen kein Thema ist.

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