Schülern einfach Wind unter die Flügel geben

Von: ath
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Tanja Esters (Mitte) von der C
Tanja Esters (Mitte) von der CAJ betreut das Küchenteam, das für die ganze Gruppe gekocht hat, einkaufen, schnippeln und abwaschen inklusive.

Hückelhoven/Herzogenrath. Einmal kurz schnuppern, dann springt die kleine Ziege ganz selbstverständlich auf das neue Klettergerüst. „Sie mag es”, kommentiert Torben grinsend.

Ein größeres Lob, gibt es nicht für die Holzarbeits-Gruppe, die das Gerüst gebaut hat. Insgesamt fünf Tage sind die 21 Schüler der neunten Klassen der Peter-Jordan-Schule, Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen, Emotionale und soziale Entwicklung, Sprache aus Hückelhoven zum Berufsvorbereitungsseminar in Herzogenrath.

Organisiert wird es von der CAJ, der Christlichen Arbeiterjugend im Bistum Aachen, die das Projekt auch vor Ort mit drei Betreuern begleitet. Ziel ist es, jungen Menschen mit schwierigen Voraussetzungen für den Berufsstart, Wind unter die Flügel zu geben, ihnen zu zeigen, du kannst das schaffen.

Die Besonderheit des Seminars: es wird nicht nur Theorie gepaukt oder so getan als ob, sondern angepackt. Drei Tage arbeiten die Neuntklässler gemeinsam mit ihren Lehrern auf dem Bio-Bauernhof „Gut Paulinenwäldchen”. Hier macht der Förderverein „Klatschmohn” regelmäßig Bildungsarbeit mit Familien, Kindergartengruppen und Schulklassen.

Viele Dinge auf der hinter dem Bauernhof liegenden Wiese des Vereins, wie die Wasserspielecke oder eine Holzkutsche zum Draufklettern, gibt es nur dank der tatkräftigen Unterstützung der Peter-Jordan-Schüler. Zum sechsten Mal machen sie hier ihr Seminar. Ein Gewinn für beide Seiten. „Die Schüler bereiten sich auf den Beruf vor und wir können die Hilfe gut gebrauchen”, erklärt Bernhard Ruhl vom Verein. Das Tolle sei, ergänzt Schulsozialarbeiter Christian Fehr, „was die Schüler hier schaffen, hat Nachhaltigkeit. Jede Gruppe kann sehen, was ihre Vorgänger gemacht haben, ihr Tun bekommt Sinn.”

Gearbeitet wird in fünf Gruppen mit den Aufgaben: Malerarbeiten, Holzarbeiten, Garten- und Erdarbeiten, Hauswirtschaft und Dokumentation. Tag eins dient dem Bewerbungstraining, nicht für den Papierkorb, sondern auf eine ganz konkrete Stelle, in einem der Arbeitsbereiche.

Ab dem zweiten Tag folgt dann die Praxis. Die Holzgruppe repariert, weil sie so fix war, noch das Gatter des Ziegengeheges. Auch die Gartengruppe hat richtig rangeklotzt, so dass die Kräuterspirale, die sie wieder neu aufgebaut hat, auch schon am zweiten Tag fertig geworden ist. Die Schüler entfernen nun mit Sense und Hacken Gras und Unkraut im ehemaligen Sitzkreis. Die Malergruppe hat einen Anhänger restauriert.

„Zuerst haben sie mit Drahtbürsten die alte Farbe und den Rost entfernt, dann den Boden von dem Hänger ausgebessert und alles grün lackiert”, erläutert Jenny. Sie ist gemeinsam mit Torben für die Dokumentation des Projektes zuständig. Die beiden halten alles mit der Kamera fest und haben einen Fragebogen erstellt, mit dem sie dokumentieren wollen, wie ihren Mitschülern die Arbeit auf dem Bauernhof gefallen hat und, was sie ihnen gebracht hat.

Das ist einerseits wichtig für ihre Gruppe als Feedback, aber auch für die nächsten Jahrgänge, die so einen Eindruck bekommen, was da auf sie zukommt. Den meisten macht es Spaß, es wird gealbert und gelacht, wie bei der Hauswirtschaftsgruppe, die Gemüse fürs Mittagessen schnippelt. Heute gibt es Pizza, an den Tagen zuvor Gemüsesuppe und selbst gemachte Fritten. „Alles ist aus frischen Zutaten”, wie Tanja Esters von der CAJ, die die Küchencrew unter sich hat, erzählt. Es werde aber nicht nur gekocht, sondern auch eingekauft, aufgeräumt und gespült.

Ein Aspekt des Berufsvorbereitungsseminars ist es, den Jugendlichen zu vermitteln, was heißt das, eine Arbeit übernommen zu haben. Man muss zuhören können, braucht Konzentration, Durchhaltevermögen, auch wenn es mal nicht so viel Spaß macht, und Teamgeist, wie die Jugendlichen es selbst beschreiben.

Sicher sei es nicht ganz einfach, für ihre Schüler auf dem Arbeitsmarkt, aber es gebe Bereiche, wo sie Chancen hätten. Ihnen die vorzustellen, eine realistische Selbsteinschätzung zu vermitteln und vor allem das Gefühl „Ich kann etwas leisten, was diese Gesellschaft braucht”, ist Ziel der Tage auf dem Bauernhof, die nicht nur die Ziegen in positiver Erinnerung behalten werden.
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