Schrottsammler haben es künftig schwerer

Von: Nicola Gottfroh
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Ob sich künftig die Schrottbe
Ob sich künftig die Schrottberge auf dem Hof von Hans Dieter Schulz noch so türmen werden? Zunächst schon, denn die Kommunen des Kreises zeigen noch keine Bestrebungen, das Altmetall selbst einzusammeln. Foto: Nicola Gottfroh

Heinsberg. Hans Dieter Schulz Leben dreht sich um Schrott. Das ist nicht despektierlich gemeint. Der 62-Jährige verdient sein Geld als Schrotthändler in Waldfeucht-Haaren.

Obwohl sich der Preis für Altmetall nach der Wirtschaftskrise allmählich wieder im oberen Bereich stabilisiert, ist sein Alltag nicht mehr das, was er einmal war. „Es ist schwerer geworden, vom Schrott zu leben”, sagt er und erklärt: „Die Konkurrenz hat enorm zugenommen.”

Bares Geld steckt im alten Metall. Denn in einer Welt, die nach Rohstoffen giert, sind Eisen, Kupfer und Aluminium wertvoller denn je. Was gestern noch ein Heizkessel war, könnte morgen schon eine Autotür sein.

Dass viel zu verdienen ist mit Altmetall, haben auch die rollenden Schrottsammler, die mit ihren Lastern durch die Dörfer und Städte fahren, schon lange erkannt. Jeder will verdienen. Oft ist das Gebimmel des einen Sammlers gerade erst verklungen, da rollt auch schon der nächste durch die Siedlungen im Heinsberger Land.

Viele kommen aus den Niederlanden. Und dort landet der Rohstoff am Ende auch. „Dann ist der Rohstoff weg und der deutsche Staat hat nichts mehr davon”, sagt Schulz. Vor allem aber ärgert ihn, dass jeder Schrottsammler ein potenzieller Konkurrent im Kampf ums Metall ist.

Doch der Existenzdruck der Schrotthändler wird noch größer - zumindest in vielen nordrhein-westfälischen Großstädten: Denn in vielen Kommunen wird es die rollenden Händler bald nicht mehr geben. Nicht nur, weil sie manchem Bürger mit ihrem Geklingel auf die Nerven gehen, sondern insbesondere, weil auch die kommunalen Verwaltungen das Geschäft mit dem Schrott erkannt haben.

Um ebenfalls an dem wertvollen Metall zu verdienen, sammeln sie den Schrott nun selbst ein, vorausgesetzt, sie besitzen eine adäquate Entsorgungsmöglichkeit für Altmetall. Immerhin sind die Preise, die sich mit Altmetall erwirtschaften lassen, mehr als erklecklich. Und jeder Euro ist Balsam für die gebeutelten kommunalen Kassen.

Dass die Kommunen das Sammeln des alten Metalls nun in die eigene Hand nehmen können, macht eine Änderung im Kreislaufwirtschaftsgesetz, das im Juni dieses Jahres in Kraft getreten ist, möglich.

Im Heinsberger Land müssen die Schrotthändler bislang noch nicht um ihre Existenz bangen. Zwar hat die Stadt Heinsberg bislang noch keine Entscheidung getroffen, wie hier künftig mit Schrott umzugehen sei. „Wir wollen zunächst noch Erfahrungswerte sammeln, bevor wir eine Entscheidung treffen”, sagt Carsten Cordewener von der Stadt Heinsberg. Doch die übrigen Kommunen des Kreises werden in nächster Zeit nicht in das „Schrottgeschäft” einsteigen.

Sie tolerieren die fahrenden Schrottsammler weiterhin. Das hat einen Grund: „Diese Materialien müssten ja separat in einem Lieferfahrzeug abgeholt werden. Und dieser Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen”, sagt Bernd Görtz von der Gemeinde Waldfeucht. Auch Hückelhoven zeigt keine Bestrebungen, den Schrott selbst einzufahren. „In Großstädten ist das vielleicht ein lohnendes Geschäft - im ländlichen Bereich ist das aber nicht rentabel”, sagt Holger Loogen von der Stadtverwaltung.

Für die mobilen Schrottsammler in der Region bleibt dennoch nicht alles beim Alten. Laut Kreislaufwirtschaftsgesetz müssen sie künftig Genehmigungen beim Kreis für ihre Sammlungen einholen. Bislang benötigten die gewerblichen Schrottsammler für ihre Arbeit lediglich eine Reisegewerbekarte.

Mit der Gesetzesänderung müssen sie ihre Schrottsammlung nun im Voraus anmelden - und dabei Angaben über das Ausmaß der Sammlung machen. Von den dutzenden Schrottsammlern mit weißen und gelben Nummernschildern, die in der Region umhertingeln, hat erst eine Handvoll beim Kreis angezeigt, dass sie sammlen möchten. „Bislang liegen bei uns 38 Meldungen zur Bearbeitung vor, darunter sind fünf Schrotthändler, von denen drei aus dem Kreis Heinsberg kommen”, erklärt Kreispressesprecher Ulrich Hollwitz.

Dass durch die Neuerungen im Gesetz nun die Behörden mehr Blick auf das Schrottgeschäft haben, begrüßt Schrotthändler Schulz.

„Viele Sammler sind ohne jegliche Genehmigung illegal unterwegs. Und die betreiben oft Schindluder mit dem Müll, etwa wenn sie bei Kühlschränken einfach die Schadstoffe abkneifen und auf den Bürgersteig laufen lassen oder Reifen von Schrottfahrzeugen im Feld oder Wald entsorgen. Das schadet unserem Ruf.”
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