Schreibwerkstatt: Ellenbogen sind hier nicht nötig

Von: Dettmar Fischer
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Ob mit Füller oder Bleistift:
Ob mit Füller oder Bleistift: Geschrieben wird in der Schreibwerkstatt noch auf Papier. Foto: Fischer

Wassenberg. Ein Mann und eine Frau - darüber lassen sich seit Adam und Eva die schönsten Geschichten schreiben. Zwei Varianten sind möglich. Erstens: Der Mann will an die Frau ran. Oder: Die Frau will, dass der Mann an die Frau ran will.

Wie man darüber schreibt, lernen elf Frauen in der Schreibwerkstatt der Bücherkiste Wassenberg bei Ingeborg Grünebaum. In Phase eins geht es um Monologe und in Phase zwei um Dialoge.

Da wäre etwa der Klassiker „Gehen wir zu dir oder zu mir?” Diesen hat Dagmar Pabst als Pointe ans Ende ihrer „romantischen Geschichte ohne Konflikte”, wie Ingeborg Grünebaum den Beitrag charakterisiert, gesetzt. Das Gelächter der übrigen Teilnehmerinnen zeigt, dass die Pointe angekommen ist. Und gelacht wird viel in der Schreibwerkstatt, doch nur miteinander, nicht übereinander.

Birgitt Wandrowitch erinnert sich noch gut an ihren ersten Besuch vor anderthalb Jahren: „Mir schlug das Herz bis zum Hals.” Wie würden die anderen wohl auf ihren ersten Text reagieren? Die Befürchtungen waren unbegründet. Gisela Wessels: „Wir gehen hier sehr nett miteinander um. Hier braucht man keine Ellenbogen, um sich durchzusetzen. Das ist hier eine Insel.”

Grund für die gute Atmosphäre ist Ingeborg Grünebaum, die vor drei Jahren die Schreibwerkstatt ins Leben gerufen hat. 40 Jahre lang war sie zuvor Deutschlehrerin, zuletzt an der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg. „Ich habe immer sehr gerne Deutsch unterrichtet”, sagt sie. So lag es nahe, nach der Pensionierung das Wort Ruhestand nicht wörtlich zu nehmen und die Liebe zur Literatur und zum Schreiben an andere weiterzugeben. Ingeborg Grünebaum: „Kreativität im Umgang mit Sprache ist ein sehr komplexer Prozess, der den ganzen Menschen bewegt, so dass der Mensch bei sich sein kann und zu sich selbst findet. Ganz wie beim bildnerischen Gestalten und Musizieren.”

14-tägig findet die Schreibwerkstatt mittwochs im Johanniterstift Wassenberg statt. Das „Dichterstübchen” ist der Panoramaraum im dritten Stockwerk. Von dort hat man einen schönen Ausblick auf St. Georg und den Bergfried der Burg Wassenberg. Die ganze Konzentration der Frauen aber gilt dem Schreiben und dem Erlernen des nötigen Handwerkszeugs. Jede Unterrichtseinheit ist einem Thema gewidmet, eines lautet „Vom Monolog zum Dialog”. Ein kurzer Text der Schriftstellerin Cecile Weißbrot führte vor, was die Teilnehmerinnen später selbst verfassen könnten.

Es folgt zum „Aufwärmen” das „automatische Schreiben”, also Schreiben ohne großes Nachdenken. Und dann kommen wieder Mann und Frau ins Spiel. Ingeborg Grünebaum hat Fotografien vorbereitet, auf denen jeweils ein Mann und eine Frau in unterschiedlichen Situationen abgebildet sind. Jeweils zwei Frauen erarbeiten anhand dieser Vorgaben einen Monolog und einen Dialog. Die Interpretation der Bilder ist dabei durchaus offen: Kennen sich Mann und Frau? Sind sie vielleicht bereits ein Paar ?

Irgendwie muss die Geschichte in Gang kommen. „Früher ließ man als Frau einfach einen Handschuh oder ein Taschentuch fallen”, lacht Angelika Klatt-Waldhausen. 15 Minuten Zeit bleibt den Frauen, um eine Geschichte zu erfinden und zu Papier zu bringen. Dann wird vorgelesen und kommentiert. Kurzgeschichten, Gedichte und Märchen sind so schon zustande gekommen. Autobiografische Texte oder ein kleines Hörspiel sind angedacht. Peggy Hausdorf erinnert sich sehr gerne an „Die Farbe meines Lebens”, das Thema ihrer ersten Schreibwerkstatt. „Wow, das wars für mich”, sagt sie.

Einige Teilnehmerinnen der Schreibwerkstatt werden am 1. Juni bei den Wassenberger Kunst- und Kulturtagen den Schritt in die Öffentlichkeit wagen. Peggy Hausdorf scherzt: „Nach der Lesung geben wir auch Autogramme.” Wer Interesse am Schreibenlernen hat, wendet sich an Ingeborg Grünebaum unter Tel. 02431/2331.
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