Waldfeucht-Hontem - Schrauben und bohren, damit die Mäuse rollen

Schrauben und bohren, damit die Mäuse rollen

Von: agsb
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Aus dem mit Spanplatten verseh
Aus dem mit Spanplatten versehenen Gerüst wird in wenigen Wochen ein Motivwagen entstanden sein. Die Gruppe Dick im Rennen hat sich für dieses Jahr das Motto „Ratatouille” ausgesucht. Foto: agsb

Waldfeucht-Hontem. Wer dieser Tage samstags den Bauernhof Schmitz in Hontem besucht, trifft auf eine Szenerie, die mit dem üblichen Treiben auf einem landwirtschaftlichen Betrieb wenig zu tun hat.

Da wird gehämmert, gebohrt und gemalt, große Spanplatten werden auf ein noch undefinierbaren Gerüst montiert, Leitern werden hin- und hergerückt und Scharniere angeschraubt. Verantwortlich für diesen ungewöhnlichen Anblick ist ein Teil der Gruppe „Dick im Rennen” aus Waldfeucht-Brüggelchen, die gerade die ersten Arbeitsschritte beim Karnevalswagenbau erledigt.

Los ging es bereits vor einigen Wochen, bis Freitag, 17. Februar, muss alles fertig sein. Ab dann geht die Gruppe nämlich täglich in Zügen mit.

Robert Küppers begutachtet gerade aus ein paar Metern Abstand seine Freunde bei der Arbeit. „Der Gerüstbau ist Männersache”, sagt er, mit beiden Händen in der Tasche, während Michael von Birgelen Patrick Schroeder eine schwere Sperrholzplatte hochreicht. Das ist nicht ganz leicht, weil die Platten schwer zu greifen sind und leicht aus den Händen rutschen.

Küppers Hände werden also auch jede Minute gebraucht, lange rumstehen kann er nicht. Schnell greift er Bohrmaschine und Nägel, und dann geht es rauf auf die Leiter. Dass er aus dem Schreinerhandwerk kommt, merkt man sofort: Blitzschnell ist die Platte befestigt.

In ein paar Wochen wird daraus die Küche und das Restaurant des Animationsfilms „Ratatouille” entstanden sein. Denn so lautet das diesjährige Motto der Gruppe Dick im Rennen. Diese hat sich im Jahr 2006 gegründet und ist seitdem jedes Jahr mit einem großen Wagen und mit einer großen Gruppe dabei. Wagen und Kostüme sind immer ein besonderer Blickfang, vor allem bei den Nachtzügen, da dann die bunte Beleuchtung gut zur Geltung kommt.

In tollem Licht erstrahlen sollen an den jecken Tagen auch die Mäuse, die Nadine Jansen gerade anmalt. Sie kniet vor einer bereits ausgesägten Maus auf dem kalten Boden, in mehrere Pullis eingepackt. Nur ein paar blonde Haarsträhnen und eine rote Nasenspitze lugen zwischen Schal und Mütze hervor. So lässt sie den breiten Pinsel mit weißer Farbe kreisen.

Nachschub ist schon von der Werkbank ein paar Meter weiter im Anmarsch. Dort lässt Isabell Plum die Stichsäge an den skizzierten Linien entlang durch ein Brett fahren, während Anja Niessen und Lena Schulz die Platte festhalten. „Von hi no do”, sagt sie zu sich selbst.

Während der Gerüstbau Männersache ist, sind die Malarbeiten seit Jahren Frauensache. Was nicht bedeutet, dass diese von Technik keine Ahnung haben. Isabell Plum ist beispielsweise Malermeisterin, und wenn es irgendwo mal hakt, fackelt sie nicht lange. Geht eine Flasche Abdeckfarbe nicht auf, weil der Verschluss verklebt ist, wird der Deckel der Flasche kurzerhand mit gezielten Schlägen auf eine Kante gelöst. Die Malermeisterin mischt den richtigen Farbton an. „Ist die als Hautfarbe nicht zu rosa?”, fragen die anderen Mädels. „Für Mäuse optimal”, meint Isabell Plum.

Die Idee zum Thema „Ratatouille” hatten übrigens die Männer, als sie in lockerer Runde zusammensaßen. Damit reiht sich das Motto in eine Liste von Filmthemen ein (siehe Infobox). Der Ablauf, wie so ein Wagen entsteht, ist jedes Mal dergleiche: Zuerst wird der Wagen aus seinem „Sommerschlafquartier” in Haaren nach Hontem gefahren. Die alten Motive werden abmontiert und das Material auf Wiederverwertbarkeit hin untersucht.

Wenn neues Material gebraucht wird, werden Angebote eingeholt. Der beste Anbieter erhält den Zuschlag. Rund 100 Quadratmeter Platten und mehrere Eimer sowie Flaschen Farbe werden jedes Jahr gebraucht.

Finanziert wird dies von allen Mitgliedern und Sponsoren. Pro Session wirft jeder 100 Euro in einen Topf, damit werden nicht nur die Materialkosten gedeckt, sondern auch Wurfmaterial und Kostüme gekauft. Allein für das Wurfmaterial werden zwischen 800 und 1000 Euro ausgegeben.

Zu den Sponsoren gehören beispielsweise Isabell Plum selbst, die Farbe aus dem elterlichen Betrieb mitbringt, Heizungsbau Küppers und Studio 98.

Auf der linken Seite des Wagens sind inzwischen die Platten befestigt, jetzt ist die andere Seite dran. Robert Küppers nimmt an einer Spanplatte Maß: 54 Zentimeter Länge an der einen Seite, 53 Zentimeter Länge an der anderen. „Ist egal, komm wir schneiden”, sagt er zu Michael von Birgelen. Küppers schnappt sich Platte und leiht sich von Isabell Plum kurz die Säge.

Drei Sekunden später ist das Holz gerade. Nur mit Augenmaß. „Gelernt ist gelernt”, sagt Küppers, lacht und klettert wieder auf die Leiter.

Dick im Rennen ist ein eingespieltes Team, der Kern kennt sich bereits von Kindesbeinen an. Aus einer Clique, die am Wochenende viel gemeinsam unternimmt und auch im Vereinsleben von Brüggelchen aktiv ist, wuchs im Laufe der Zeit eine stattliche Gruppe von jungen Erwachsenen bis 30 Jahre aus dem Waldfeuchter Land.

Die große Beliebtheit von Dick im Rennen resultiert nicht nur aus den spektakulären Motivwagen, sondern auch aus der Tatsache, dass bei den Umzügen kein Techno aus den Boxen dröhnt, sondern ausschließlich Karnevalsmusik. Außerdem ist die Stimmung immer überragend gut.

Das gilt auch für die Wochenenden vor Karneval, auf dem Bauernhof. Die Mäuse und Köche sind jetzt bereits fertig, nun muss die Küche gezimmert werden. Dazu mehr im zweiten Teil von Dick im Rennen in Kürze.

Seit 2006 ist „Dick im Rennen” - laut eigenem Internetauftritt „die geilste Karnevalsgruppe seit es den Karneval gibt” - mit eigenen Wagen bei Umzügen dabei. Im ersten Jahr lautete das Motto „Aladin”, ein Jahr später „Piratenschiff”.

„Christoph Kolumbus auf Entdeckungsreise” folgte im Jahr 2008, „Super Mario mit Burg” 2009. 2010 lud die Gruppe zum „Tanz der Vampire auf Schloss Dracula” ein. Im vergangenen Jahr ging es auf „Safari-Jeep-Tour”.

In diesem Jahr darf man auf „Ratatouille”, nach dem gleichnamigen Animationsfilm, gespannt sein.

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