Schornsteinfeger: Eine eigene Macht im Staat

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:

Hückelhoven-Hilfarth. Es klingelt. Sie öffnen die Haustür. „Nein, danke.” Sie lassen doch noch längst nicht jeden, der an der Tür schellt, auch in die Wohnung rein. Doch beim Schornsteinfeger sieht die Sache anders aus.

„Die Eigentümer und Besitzer von Grundstücken und Räumen sind verpflichtet, den jeweiligen Bezirksbevollmächtigten sowie den Bezirksschornsteinfegermeistern Zutritt zu den Grundstücken und Räumen zu gestatten”, heißt es im Gesetz für das Schornsteinfegerwesen. Wenn der Schwarze Mann kommt, sind die im Grundgesetz garantierten Rechte nur beschränkt gültig: „Das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) wird insoweit eingeschränkt.”

Schornsteinfeger sind eine Macht im Staate. „Ja, wir wissen das. Der Staat hat uns hoheitliche Aufgaben übertragen. Wir müssen damit sehr sorgsam umgehen”, sagt Karl-Josef David. Er wohnt in Hilfarth und ist Bezirksschornsteinfegermeister. Als er vor 47 Jahren die Lehre begann, war er dreizehneinhalb Jahre alt.

„Natürlich war damals alles ganz anders als heute, das kann man nicht vergleichen”, sagt David. „Energieberater im Handwerk” steht unter der Berufsbezeichnung „Bezirksschornsteinfegermeister” auf seiner Karte. „Das Berufsbild hat sich mächtig gewandelt”, sagt David. Was sich bisher nicht geändert hat, ist die privilegierte Situation der Schornsteinfeger.

Im Kreis Heinsberg gibt es 27 Fegebezirke, jeder Bezirk hat im Schnitt 2600 Häuser, für die der jeweilige Bezirksschornsteinfegermeister zuständig ist. „Wir konnten im Januar ziemlich genau sagen, was wir im Dezember verdient haben würden”, sagt David. Das allerdings soll sich jetzt ändern: Die EU sieht im geltenden bundesdeutschen Gesetz für das Schornsteinfegerwesen die Zementierung einer Monopolstellung.

Und das geht nicht. Es liegt der Entwurf eines Gesetzes zur Neuregelung des Schornsteinfegerwesens vor. „Die Verbraucher können sich künftig in weiten Teilen ihren Schornsteinfeger selbst aussuchen”, sagt David. Was bedeutet das für ihn? „Wir müssen noch mehr Wert auf Service und Beratung legen.”

Und finanziell? Greift da auch der Wettbewerb, werden die Gebühren bei größerem Angebot sinken? „Ich sehe das gelassen. Die niederländischen Kollegen beispielsweise haben eine sehr viel höhere Gebührenordnung als wir.” Also: Sein Fazit der Novellierung des Schornsteinfegergesetzes? „Die Chancen steigen. Die Risiken auch.”

Wer so spricht, kann nicht ganz unzufrieden mit dem Gesetzentwurf sein. Neben Karl-Josef David sitzt Josef Musong im Büro. Der junge Mann aus Unterbruch hat am 1. August bei ihm eine Lehre begonnen, scheint dem Ausbildungsalter aber längst entwachsen. „Ich habe Heizungstechniker gelernt und bin dann zur Bundeswehr. Jetzt fange ich noch mal eine Lehre an”, sagt er. Eine, die sich ideal zu der des Heizungstechnikers ergänzt.

„Ja, ich denke beides zusammen hat Zukunft”, sagt Musong. Die Infrarotkamera gehört heute zum Handwerkszeug. „Aber der Kehrbesen genauso”, sagt David. Ist der neue Lehrling eigentlich schwindelfrei? Josef Musong lacht: „Das ist nach wie vor Grundvoraussetzung für Schornsteinfeger”, sagt er. Ach. Wie oft steigt der Feger denn heute noch aufs Dach? „Jeden Tag.” Na dann: Hals und Beinbruch.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert