Heinsberg - Schon im Kindergarten eine Vollprothese: Zahnärzte setzen auf Vorsorge

Schon im Kindergarten eine Vollprothese: Zahnärzte setzen auf Vorsorge

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
zahnfogroß
Den Kindern die Angst zu nehmen, gehört für Dr. Lothar Beckers (links) und seinen Kollegen Dr. Gregor Dohmen zu den Voraussetzungen einer zahnmedizinischen Therapie. Da leistet auch der kleine Oskar seinen Beitrag. Foto: Rainer Herwartz

Heinsberg. Wenn Opa oder Oma im Sketch die Zahnprothese verlegen und dann mit lustig verstellter Stimme weiter drauflos fabulieren, ist der Lacher im Publikum garantiert. Irgendwie wirkt es ja auch ein bisschen komisch, wenn der betagte Mensch bei leicht eingefallenen Lippen nicht so recht weiß, wo er seine Zunge lassen soll, weil ja die Anschlagleiste fehlt.

Dass dann gewitzelt wird, ist sicher nicht verwerflich. Schließlich erwischt es fast jeden früher oder später selbst. Wenn das allerdings schon im Kindergartenalter der Fall ist, bleibt der Humor definitiv auf der Strecke. „Es gibt durchaus Kinder, die schon im Milchzahnalter eine Vollprothese benötigen”, sagt Dr. Lothar Beckers. Der 45-jährige Zahnarzt aus Heinsberg ist eines von drei Mitgliedern im Vorstand des Bundesverbandes der Kinderzahnärzte (BuKiZ).

150 Kinderzahnärzte dabei

Im Jahr 2008, so erklärt Beckers, sei der Bundesverband, in dem mittlerweile 150 der rund 400 Kinderzahnärzte Deutschlands organisiert sind, aus dem Verein zur Förderung der Kinderzahnheilkunde hervorgegangen.

Dieser war bereits 2000 in München gegründet worden. „Damit man bei uns Mitglied werden kann, muss man Spezialist für Kinderzahnheilkunde sein. Es ist der Verband der Praktiker”, unterstreicht Beckers, der mit seinem Kollegen Dr. Gregor Dohmen eine Ausbildungspraxis betreibt. Daneben gebe es noch die Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde mit insgesamt 1500 Mitgliedern. Hier könne allerdings jeder, der mit der Zahnmedizin aktiv zu tun habe, eintreten. „Wir müssen hingegen viele Anträge ablehnen, weil die fachlichen Voraussetzungen nicht erfüllt werden.”

Wie wichtig das je nach Grundlage ein- bis zweijährige Curriculum ist, das den Schlüssel zur Mitgliedschaft bedeutet, macht Beckers, der es in München absolvierte, rasch deutlich. „Ein Kind ist eben kein kleiner Erwachsener. Kinderzähne sind anders aufgebaut. An vielen Unis wird die Kinderzahnheilkunde leider immer noch recht stiefmütterlich behandelt.”

Deshalb gebe es selbst bei den jüngeren Kollegen oft ein immenses Wissensdefizit. Nicht selten sei zu hören: „Wenn ein Milchzahn defekt ist, ist das gar nicht so schlimm, weil da ja ohnehin ein neuer Zahn wächst.” Dabei werde die Tatsache übersehen, dass dem Milchzahn eine wichtige Platzhalterfunktion zukomme und ein zerstörter Zahn zudem eine Eintrittspforte für Bakterien in den Körper darstelle.

Derlei Bildungslücken können die Zahnmediziner eben in der gezielten Fortbildung schließen. Wichtige Inhalte sind neben der professionellen Versorgung der Milchzähne und der Aufklärung über die Folgen des frühzeitigen Zahnverlustes auch die Verhaltensführung von Kindern und Eltern. Um sich hier auf dem Laufenden zu halten, bietet es sich für Beckers geradezu an, dass seine Ehefrau Barbara im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose sitzt - mit dem Schwerpunkt Kinderhypnose.

„Unsere Klientel beginnt spätestens mit dem ersten Zahn des Babys, besser noch mit der werdenden Mutter”, glaubt der in Saeffelen lebende Vater von vier Kindern, dass mit der Vorsorge nicht früh genug begonnen werden könne. Die Zahlen scheinen dies zu bestätigen. Ein paar hundert Kinder unter fünf Jahren müssen mit Karies und seinen Folgen im Jahr auf den Behandlungsstühlen der Praxis an der Apfelstraße Platz nehmen. „Es zeigt sich der Trend, dass zwar immer weniger unter Karies leiden, aber diejenigen, die betroffen sind, haben es dann meist richtig heftig.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert