Schöpfer der Pieta: Rätsel ist gelüftet

Von: kkli
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Die Pieta, die nun in der Mart
Die Pieta, die nun in der Martinus-Kirche zu sehen ist. Foto: Pütz

Wassenberg-Steinkirchen. Eine Pieta vom Ende der 70er Jahre aus dem aufgegebenen Franziskanerkloster St. Ludwig Dahlheim in Vlodrop gelangte auf etwas ungewöhnliche Weise in die Martinus-Kirche Steinkirchen.

Der Franziskanerorden hatte mehrere Kunstwerke aus der Klosterkirche dem Heimatmuseum der Heemkundevereniging Roerstreek in St. Odilienberg und der „Priorij” am gleichen Ort zu treuen Händen übereignet. Die Pieta und andere Darstellungen beanspruchten einigen Platz, der im Museum nicht geräumig vorhanden war. So fand die Pieta vorübergehend Platz in einem Lagerraum in Roermond. Damit war die Heemkundevereniging nicht einverstanden. Sie bot deshalb die Pieta der Martinus-Kirche Steinkirchen als Leihgabe an, die mit ihrem Chorraum einen idealen Platz bieten konnte.

Das Ehepaar Mike und Fred Küppers, das die Martinuskirche und die hier stattfindenden Konzerte und Messfeiern fürsorglich betreut, sagte gerne zu, und nach einem beschwerlichen Transport fand die Pieta von St. Ludwig einen würdigen Platz und manche Bewunderung der Besucher.

Ungeklärt war bis vor kurzem die Frage, welcher Künstler die Figur aus bemaltem Lindenholz geschaffen hatte. Da gingen Anfragen bis nach Paderborn - ergebnislos, und dabei lag die Lösung so nah. Willy Frenken, der Mitte Dezember die neue Geschichte der Pfarre St. Gangolfus Heinsberg zusammen mit Prälat Albert Honings herausbringt, kennt die Pieta genau. Ein Foto erleichterte den Vergleich. Der 1922 verstorbene Heinsberger Holzbildhauer Heinrich Koulen, der auch der Schöpfer des Marienaltars war, schuf für die Paterskirche im Anschluss an das ebenfalls im Krieg zerstörte Paterskloster in der Patersgasse den Marienaltar und die jetzt aufgetauchte Pieta.

Die Heinsberger Pieta zeigt die gleiche Handschrift wie die Pieta aus der Klosterkirche St. Ludwig in Dahlheim. Sie steht heute im nördlichen Eingang zum Gangolfus-Dom Heinsberg. Es gibt sie - leicht abgewandelt - also zweimal.

Heinrich Koulen, der weithin sehr viel Anerkennung erfuhr, stammt aus einer Künstler- und Lehrerfamilie. Sein Vater war Lehrer in Kirchhoven. Sein Neffe Jupp Koulen, dessen Atelier am Torbogen des Heinsberger Heimathauses lag, ist manchen älteren Heinsbergern oder Besuchern aus der Umgebung noch gut bekannt. Die große künstlerische Reife seines Onkels Heinrich hat er allerdings nicht erreicht, nachdem ihn eine Krankheit schwer mitgenommen hatte.

Das Museum der HVR in St. Odilienberg freut sich, dass die Pieta „ergründet” werden konnte und einen solchen Aufstellungsort in einem sakralen Raum gefunden hat, dessen Chorraum eine architektonische Besonderheit darstellt. In der von Willy Frenken und Domkapitular Honings erstellten groß angelegten 750-jährigen „Heinsberger Geschichte und Geschichten” in Buchform, die in Kürze erscheinen soll, wird auch die Künstlerfamilie Koulen mit ihren Mitgliedern und ihren Kunstwerken eine entsprechende Würdigung erfahren.

Das Ehepaar Küppers in Steinkirchen und die Mitglieder der HVR Roerstreek in St. Odilienberg freuen sich, dass diese grenzüberschreitende Geschichte eine solche Auflösung erfahren durfte dank der Hilfsbereitschaft von Herrn Willy Frenken.

Beim „Kunststroom” an diesem Wochenende, Samstag, 8., und Sonntag, 9. September, von 11 bis 18 Uhr, sind übrigens mit der Pieta von Heinrich Koulen auch vier künstlerische Arbeiten von Künstlern aus dem „Roerstreek” vertreten.
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