„Schandfleck” wird nicht abgerissen, sondern nur saniert

Von: Rainer Herwartz
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Daraus wird wohl nichts: Die W
Daraus wird wohl nichts: Die Werbeplakate an den Fassaden haben ihre Wirkung verfehlt. Jetzt sollen die Häuser saniert werden. Foto: Herwartz

Heinsberg. „Ich hoffe, dass der Verkauf der Häuser gut angenommen wird und dass es nicht zu Plan B kommen muss, das würde mir Bauchschmerzen verursachen.” Ob Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder nun von einem Unwohlsein in der Magengrube heimgesucht wird, kann derzeit nicht überprüft werden, da sich der Verwaltungschef in Afrika befindet.

Wenn man ihn allerdings beim Wort nimmt, müsste dies der Fall sein. Der „Plan B”, der ihm solche Pein bereiten würde, wie er noch im April dieses Jahres auf einer Pressekonferenz kundtat, scheint Wirklichkeit zu werden. Die ehemaligen Gagfah-Häuser an der Obernburger- und der Erlenbacherstraße werden aller Wahrscheinlichkeit nach nun doch nicht abgerissen. Der Heinsberger „Schandfleck”, wie ihn Dieder bezeichnete, steht kurz vor der „Revitalisierung”.

Die schmucklosen Häuser waren Anfang des Jahres 2010 in den Fokus der Berichterstattung gerückt, weil 41 Mietparteien innerhalb von nur drei Tagen ihr Zuhause räumen mussten, da die Standsicherheit der Gebäude nicht mehr gegeben sei. Nachdem nun die Aixcellent-Immobilien GmbH & Co. KG aus Aachen die Gebäude im Januar dieses Jahres erstanden hatte, sollten an ihrer Stelle 23 neue Einfamilienhäuser aus dem Boden wachsen.

Schon bei der Vorstellung des neuen Konzepts war bemerkenswert, dass Arnold Bauens von der für die Koordination zuständigen ITS Concept Immobilien GmbH im April erklärte: „Ursprünglich ist der Kauf auf der Basis einer Revitalisierung geschehen, doch das Einwirken des Bürgermeisters hat hier zu einem Umdenken geführt.” Der Abriss der Gebäude war also gar nicht vorgesehen, sondern eine Sanierung. Diese Möglichkeit war vom Vorbesitzer, der Gagfah, praktisch ausgeschlossen worden. „Aus unserer Sicht sind die Häuser unbewohnbar und müssen abgerissen werden”, hatte Pressesprecherin Bettina Benner verlauten lassen.

„Schon beim Kauf war uns klar, dass das nicht so ist wie es erscheint”, sagte Bauens am Mittwoch auch Nachfrage unserer Zeitung. Dennoch räumt er ein, das Projekt Einfamilienhausbau sei ein „Rohrkrepierer” geworden. „Das Interesse der Heinsberger konnte man an einer Hand abzählen.” Von der Zuversicht, noch bis zum Ende 2011 elf Häuser verkauft zu haben, ist nichts geblieben. Auch die Umplanung von Reihenhäusern zu Doppelhaushälften oder frei stehenden Einfamilienhäusern habe nichts gebracht.

Jetzt tritt also „Plan B” in Kraft, die Revitalisierung zu Wohnblocks für barrierefreies Wohnen. Ein entsprechender Bauantrag für die linke Seite der Erlenbacherstraße liege schon bei der Stadt vor. Alle statischen Berechnungen seien erfolgt. „Wenn die Genehmigungen vorliegen, gehts los”, so Bauens. „Wenn sich in den nächsten zwölf Monaten in der Obernburgerstraße nichts tut, führen wird die Revitalisierung auch hier durch.”

Und was meint die Stadt dazu? „Begeistert ist man nicht”, so Bauens, „einen Beliebtheitswettbewerb gewinnen wir gerade nicht.”
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