Hückelhoven - Rutschen nach der EU-Norm R11

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Rutschen nach der EU-Norm R11

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
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Der technische Beigeordnete Dr. Achim Ortmanns erläuterte den Mitgliedern des Bauausschusses, wie man die Rutschfestigkeit der Blausteine verbessern kann. Am Friedhof soll es erprobt werden. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Eigentlich ist alles glasklar, von Gutachtern mit standardisierten Methoden geprüft und qua europaweit gültiger Norm amtlich festgestellt: Die frisch verlegten Platten im neu gestalteten „Wohnzimmer” Hückelhovens, also auf der Parkhofstraße, sind rutschfest.

Verlegt worden sind Steinplatten vom Typ Belgisch Granit, deren Rutschfestigkeit nach EU-Norm R11 attestiert ist. Das war Stand der Dinge im Herbst letzten Jahres. Dann kam der harte und lange Winter. Und jetzt, da der Frühling sich breit macht, werden die Platten und ihre Rutschfestigkeit zum Politikum.

Weil in diesem kalten und langen Winter mit so einigen Frosttagen nämlich Menschen auf den Platten aus Belgisch Granit, EU-Norm R11, ausgerutscht und böse gefallen sind. Obwohl das Ausrutschen auf den Platten Belgisch Granit, EU-Norm R11, normalerweise nicht möglich ist.

„Lag es wirklich am Plattenbelag oder waren die Stürze eine Folge des harten Winters?”. Das sei die Frage, der man auf den Grund gehen müsse, sagte Bürgermeister Bernd Jansen, als im Bauausschuss am Dienstagabend zum wiederholten Mal über den Plattenbelag diskutiert wurde. „Machen müssten wir eigentlich nichts”, sagt Hückelhovens Technischer Beigeordneter Dr. Achim Ortmanns.

Er spielte damit auf die juristische Seite der Stürze von Passanten im Winter an: Es habe Versicherungsfälle gegeben, aber alle Ansprüche seien abgewiesen worden. „Wir machen dennoch was”, trotzte Ortmanns. Aber was? Darüber wurde im Ausschuss breit diskutiert. Wobei nach einem Ortstermin im städtischen Bauhof ziemlich klar war, was nicht gemacht wird: Die Platten werden nicht im Sandstrahlverfahren behandelt (erhebliche Veränderung der Oberflächenoptik); nicht im Kugelstrahlverfahren behandelt (noch schlechter kontrollierbar als Sandstrahlen); nicht im chemischen Verfahren behandelt (danach wäre eine Imprägnierung erforderlich); nicht im Flammstrahlverfahren behandelt (extrem aufwändige Schutzmaßnahmen); nicht im Schleifverfahren behandelt (der Belag müsste komplett plan geschliffen werden).

Sondern: Die auf der Parkhofstraße verlegten Steine Belgisch Granit (nach EU-Norm R11) werden - gebürstet. Dabei wird die Oberfläche durch den Einsatz maschineller Drahtbürsten mit unterschiedlichen Riefen versehen. Derart behandelt sollen die Steine rutschfester werden. Noch rutschfester als EU-Norm R11 es vorgibt.

Als „Testrecke” für die (von eigenen Kräften) gebürsteten Platten Belgisch Granit (nach EU-Norm R11) wird der evangelische Friedhof damit bepflastert. Dort will man beobachten, ob sich eine „signifikante Verbesserung der Rutschfestigkeit” (Dr. Ortmanns) ergibt.

Sollte das der Fall sein, wird man ernsthaft überlegen, ob man die bereits verlegten Platten auf der Parkhofstraße ebenfalls „nachbürstet”. Das freilich wäre, so Dr. Ortmanns „ein Riesenaufwand”. Konkret: 170.000 bis 180.000 Euro müssten dafür kalkuliert werden. Darüber müsste erneut im Ausschuss beraten werden. Obwohl ja nach EU-Norm R11 eigentlich alles glasklar ist.
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