Rurtaler Braukeller: Bierbrau-Tradition lebt auf

Von: kkli
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Die mitwirkenden Künstler (v.
Die mitwirkenden Künstler (v.l.n.r.) Gerry Maiborg, Maria Brosch, Simone Neikes, Rita Gehlen-Marx, Marleen van den Berg, Hubert Jütten und Heinz-Josef Meikes. Foto: Beckers

Wassenberg. Wer hätte angesichts des zum Teil bergbaugeschädigten Rathauses im Herzen der historischen Innenstadt wohl gedacht, dass hier einmal im „Braukeller” die uralte Tradition des Bierbrauens wieder aufleben würde?

Und dazu sogar noch eine Kunstgalerie entstehen würde, die bodenständige Kommunikation pflegen und dem leiblichen Genuss noch künstlerische Identität hinzufügen würde? Dem neuen Besitzer des ehemaligen Rathauses, Norbert Dahmen, gelang mit Fantasie, technischem Geschick und persönlichem Handanlegen dieses „Kunststück” auf dem Roßtorplatz.

Im Juni wurde der „Braukeller” im alten Rathaus eröffnet; gebraut wird hier das „Rurtaler”-Bier in drei Varianten: Pils, Weißbier und „Alt”, gebraut nach dem uralten Rezept der unbedingten „Reinheit” aus dem 15. Jahrhundert. Die alte Wassenberger Braukultur wurde damit an historischer Stelle der Innenstadt wieder belebt. Immerhin gab es im ehemaligen „Amte Wassenberg”, das den weiträumigen Bereich unter Einschluss von Melick umfasste und von der Wassenberger Burg aus im Auftrage der Jülicher Herren verwaltet wurde, 50 nachgewiesene Braustätten.

Große Gewerbebetriebe waren nicht darunter, sondern mehr oder weniger familiäre Betriebsstätten, wie Leo Gillissen im Heimatkalender 2003 anhand alter Einwohner- und Gewerbelisten nachweisen konnte. „Rurtaler” ist also ein treffender Name für das jetzt schon fleißig konsumierte Bier, das im „Braukeller” den gemütlichen Runden von Vereinen und Bierfreunden mundet. Generalapotheker a.D. Hanns Heidemanns und engagierter Wassenberger Nachkomme von „Tetze Oma”, der sich in der gesamten Heimatgeschichte bestens auskennt, schrieb zur Eröffnung eine „kleine Bierfibel”, die im „Braukeller” jedem Einkehrenden zur besseren Information überreicht wird.

Die „Bierfibel” informiert über das Bierbrauen und Genießen seit Jahrtausenden. „Zehn Gründe gibt es, warum Sie jeden Tag ein Bier trinken sollten”, heißt es da, den „Bier löscht nicht nur den Durst, es ist gut fürs Herz, für die Seele ganz allgemein. Es macht sogar schön, und das wussten schon die Omas bei der Pflege ihrer Haarpracht.”

Seit dem Wochenende überrascht der „Braukeller” zudem mit seiner ersten Dauerausstellung „Rurtaler Fenster”, in der heimatverbundene Künstler von beiden Seiten der Landesgrenze ihr künstlerisches Schaffen und ihre neuesten Arbeiten zeigen können. Die Räumlichkeiten bieten ideale Möglichkeiten zur Darstellung und ruhigen Betrachtung der Kunstwerke.

Derzeit zu sehen ist ein Gemälde von Hubert Jütten. Es zeigt die „Wassenberger Kann” von 1500, die zum Bierholen und zum häuslichen Genuss verwandt wurde. Hubert Jütten hat sein Gemälde mit einem dunklen Holzrahmen umfasst, dessen Material Norbert Dahmen aus dem Holz einer antiken Eingangstür entnommen hat.

Rita Gehlen-Marx und Maria Brosch, die Begründerinnen der Wassenberger Kunstszene, füllten die von Norbert Dahmen sorgsam überarbeiteten Holzrahmen der ehemaligen Friedhofskapellenfenster mit ihren eigenen künstlerischen Ideen, die sowohl abstrakt als auch gegenständlich symbolisieren, welche Welt uns umgibt und wer sie uns überantwortet hat.

Rita Gehlen-Marx setzte Seidenkunst in ihren abstrakten Darstellungen ein. Die Kunstfreunde werden die beiden a Künstlerinnen im „Braukeller” noch öfter erleben können. Aus den Niederlanden kommen die beiden Künstlerinnen Monye Trautzl, eine armamputierte Malerin, die in Acryl auf Holz die Waldfriedhofskapelle im Jugendstil des 19. Jahrhunderts erfasst hat. Gerrie Maiborg malte in Acryl die „Prins Bernhard molen” von Melick und Marleen van den Berg in gemischten Techniken kräftig nuanciert, die Basilika von St. Odilienberg mit den zwei Türmen, in denen auch die iroschottischen Missionare Wiro, Plechhelmus und Otgerus ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Simone Neikes und ihr Vater Heinz-Josef, die beiden Wassenberger Künstler, die ebenfalls dem Internationalen Künstlerkreis für Emaill-Kunst angehören, zeigen in dieser Ausstellung die Kirchen von Orsbeck, Effeld, Steinkirchen und die evangelische Hofkirche von Wassenberg. Schließlich zeigt Hanns Heidemanns, dass er auch mit dem Zeichenstift umgehen kann. Seine Tuschezeichnung zeigt die Propsteikirche St. Georg und die Burg Wassenberg.
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