Rurtalbahn von Linnich über Baal bis Ratheim?

Von: disch
Letzte Aktualisierung:
5127879.jpg
Die Rurtalbahn: Wird ihre Verbindung von Heimbach über Düren und Jülich nach Linnich in Zukunft bis Baal oder sogar bis Ratheim verlängert? Das Archivfoto zeigt den Regiosprinter vor der Annakirmes in Düren. Foto: AVV

Kreis Heinsberg. Auch wenn eine Realisierung in diesem Jahrzehnt als unwahrscheinlich gilt und Dezernent Josef Nießen von der Kreisverwaltung an einen Zeithorizont von zehn bis zwölf Jahren denkt: Die Untersuchungen zum Lückenschluss der Bahn zwischen Linnich und Baal sollen vorangetrieben werden.

In den zweiten Teil der Machbarkeitsstudie wird eine mögliche Reaktivierung der Strecke zwischen Baal und Ratheim einbezogen. Dies hat der Ausschuss für Umwelt und Verkehr unter Vorsitz von Dr. Gerd Hachen (CDU) einstimmig beschlossen. So könnte am Ende die Rurtalbahn von Heimbach in der Eifel über den Umsteigepunkt Düren sowie Jülich nicht nur bis Linnich, sondern weiter bis Baal und sogar bis ­Hückel­­ho­ven und Ratheim rollen.

Die Kreise Heinsberg und Düren hatten gemeinsam mit Nahverkehr Rheinland (NVR) eine Machbarkeitsstudie zum Lückenschluss zwischen Linnich und der Haupteisenbahn­strecke Aachen – Mönchengladbach auf den Weg gebracht. In der ersten Stufe sollte eine Potenzialabschätzung für drei denkbare Varianten erfolgen: von Linnich aus in Richtung Nordost nach Baal, in Richtung Nordwest nach Brachelen oder in Richtung West nach Lindern.

Die Gutachter der Büros von BVS – Rödel & Pachan sowie KCW haben dabei vor allem Vorteile der Variante nach Baal ausgemacht, so den kürzesten Fahrweg in Richtung Mönchengladbach und Düsseldorf und einen voraussichtlich geringeren investiven Aufwand. Genutzt würde die ehemalige Bahntrasse dort, auf die Gleise allerdings längst abgebaut sind.

Der Untersuchungsraum weise einen höheren Bedarf für Fahrten in Richtung Düsseldorf / Mönchengladbach auf als in Richtung Aachen. Zwar seien die Pendlerströme beispielsweise aus dem Jülicher Land insgesamt nach Aachen am größten, dieser Bedarf werde aber über diverse Linien mit Bus und Bahn bereits abgedeckt. Die Verbindungen in Richtung Mönchengladbach und Düsseldorf würden dagegen häufig Umstiege erfordern und lange Fahrzeiten aufweisen.

Die Gutachter halten es für möglich, den Streckenabschnitt Jülich-Nord – Linnich – Hückelhoven-Baal aufgrund der kurzen Fahrzeit im 30-Minuten-Takt zu bedienen. In der Potenzialanalyse, in der die generelle Bedeutung dieses echten Lückenschlusses für das Schienensystem unterstrichen wurde, ergab sich eine Gesamtzahl von rund 1700 Fahrgästen an Werktagen (montags bis freitags); hinzu würden samstags und sonntags zusammengerechnet noch einmal rund 1500 bis 1700 kommen. Der Großteil der 1700 Fahrgäste wird Verbindungen von Linnich oder Jülich mit Zielen im Bereich der Hauptstrecke Aachen – Mönchengladbach zugeordnet. Es wird damit gerechnet, dass rund 1050 Fahrgäste vom Auto auf die Bahn umsteigen würden.

Das Fazit der Gutachter zur Strecke Linnich – Baal lautete: „Die potenzielle Nachfragentwicklung ist mit gut 1700 Fahrgästen je Normalwerktag positiv zu bewerten. Problematisch erscheinen die hohen Investitionskosten, insbesondere bezogen auf die Kosten je Streckenkilometer. Ziel sollte daher sein, die Kosten soweit möglich zu reduzieren, um ein gutes Nutzen-Kosten-Verhältnis zu erreichen.“

Die Kreisverwaltung hatte in der Sitzungsvorlage formuliert, es könne „von einer echten Chance zur Verbindung bestehender Schienennetze mit entsprechend positiven Auswirkungen ausgegangen werden“. Doch seien weiterführende Untersuchungen insbesondere im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit und den Infrastrukturaufwand erforderlich. Dezernent Nießen schlug – unter Verweis auf eine Absprache mit der Stadt Hückelhoven – vor, die Reaktivierung der Bahnstrecke von Baal nach Hückelhoven und sogar bis Ratheim gleich in die weiteren Untersuchungen einzubeziehen – zumal dies das Nutzen-Kosten-Verhältnis verbessern könnte.

Im „Zielnetz“ vom Nahverkehr Rheinland ist die Bahnstrecke Linnich – Baal in der zweiten Stufe (bis 2020) enthalten, doch entscheidend für die Förderung des Vorhabens wird sein, das Bahnprojekt erst einmal in die Stufe 1 vom Verkehrsinfrastrukturbedarfsplan des Landes Nordrhein-Westfalen zu bringen.

<i>IG Ratheimer Bahn ist sehr zufrieden mit dieser „Weichenstellung“

„Das Engagement für eine Reaktivierung der Bahnstrecke Baal – Ratheim trägt zunehmend Früchte“, freute sich die Bürgerinitiative IG Ratheimer Bahn über den einstimmigen Beschluss im Ausschuss des Kreises Heinsberg für Umwelt und Verkehr.

Nachdem vor wenigen Wochen das Eisenbahnbundesamt eine Entwidmung der betreffenden Strecke untersagt habe, sei nun der nächste, bedeutende Schritt gefolgt. Die vom Dezerenten Josef Nießen in den Ausschuss eingebrachte Idee, beim zweiten Teil der Machbarkeitsstudie für den Neubau der Bahnstrecke Linnich – Baal nicht nur deren Infrastuktur­ausbau und Wirtschaftlichkeit zu untersuchen, sondern dabei zugleich auch die eventuelle Reaktivierung der Strecke Baal – Hückelhoven (mit Option nach Ratheim) mit in die Betrachtung einzubeziehen, sei „hervorragend“.

Michael Bienick, Sprecher der IG Ratheimer Bahn, zeigte sich sehr zufrieden mit dieser „Weichenstellung“ des Ausschusses: „Ziel unserer Bemühungen war und ist, das große Potenzial einer Bahnstrecke durch Hückelhoven zu nutzen. Dass dies unter Federführung von Herrn Nießen in die Wege geleitet wurde, freut uns außerordentlich.“ Die Chancen auf eine Reaktivierung seien durch dieses Signal deutlich gestiegen. Damit unterstütze der Kreis die vor dem Hintergrund des Widmungserhalts der Strecke neuen Bemühungen der Stadt Hückelhoven, mit einer neuen Bahnverbindung einen schnellen Anschluss von Baal aus nach Düsseldorf, Mönchengladbach und Aachen zu ermöglichen. Bienick weiter: „Die Reaktivierung einer Bahnstrecke ist ein echter Kraftakt, das steht außer Frage. Dazu benötigt man den Zusammenhalt über Parteigrenzen hinweg. Dass dieser nun gegeben ist, wird in den nun folgenden Gesprächen ganz entscheidend sein.“</i>

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert