Rurauen-Theater-Verein begeistert mit „Eiermeiers Kurschatten”

Von: Johannes Bindels
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Klothilde räumt mächtig auf
Klothilde räumt mächtig auf beim Schwank um „Eiermeiers Kurschatten”: (v.l.) Bert Wientgen als Ignaz Meier, Monika Matzerath als Klothilde Meier und Hans Stolingwa als Eugen. Foto: Bindels

Wassenberg-Orsbeck. Nein, „Eiermeiers Kurschatten” wird weder in Köln noch in Hamburg aufgeführt, sondern in Wassenberg-Orsbeck und ist ein Schwank, den der Rurauen-Theater-Verein turbulent und mit der Garantie für viel Spaß aufführte.

Die Inhalte des Schwanks „Eiermeiers Kurschatten” in drei Akten von Erika Elisa Karg sind schnell erzählt: Kunigunde Stumm (Betti Lind) begegnet im Kursanatorium Ignaz Meier (Bert Wientgen), den Mann ihrer Schulfreundin Klothilde (Monika Matzerath).

Ignaz erkennt Kunigunde wegen ihrer neuen Frisur und der Brille nicht. Um sich nicht über ihren Sprachfehler - sie lispelt - zu verraten, redet sie nicht und hustet nur jedes Mal, wenn Ignaz lügt.

200 „angestellte” Hühner

Ignaz lügt viel und ist ein richtiger Aufschneider, denn er möchte die lebenslustige Lilo Puppe (Inge Wittkowski) für sich gewinnen. Ignaz gibt sich als Junggeselle und Geschäftsmann mit 200 Angestellten aus.

Die Angestelltenzahl ist in Wahrheit die Anzahl seiner Hühner, und er fährt die Eier von Haus zu Haus. Lilo Puppe fällt prompt auf Ignaz herein. Die wiederum findet aber auch Gefallen an den Hobbybastler Alfons Mayer(Marco Winkens).

Als schüchternes Muttersöhnchen („Ich bin nicht verheiratet, ich bastele lieber”) ist er auf der ständigen Suche nach Streichhölzern. Alfons wiederum hat aber nur Augen für die stumme Kunigunde, in deren Beisein er seine Schüchternheit und sein Stottern ablegt. Klothilde Meier, die ihren Mann Ignaz überraschend in der Kur besucht, erwischt ihn in einer dunklen Massagekabine mit einem Kurschatten.

Auch Adele Mayer (Ellen Gerighausen), die Mutter von Alfons kommt zu Besuch. Irrtümlich wird sie für Ignaz Kurschatten gehalten. Eugen (Hans Stolingwa), das „Mädchen für alles und von Unterbruch, dem anderen Ufer?” im Sanatorium, entpuppt sich als rettender Engel für Ignaz.

Mit seinen scheinbar guten Ratschlägen bessert er sein Taschengeld auf. Wie vorhersehbar verstricken sich die Beteiligten immer mehr in Lügen und Verwicklungen, etwa wenn Ignaz sich als „Direktor einer großen Firma” darstellt.

Menschliche Schwächen

Die Bandbreite kleiner, menschlicher Schwächen kommt wieder voll zum Tragen und ist die Grundlage für den Spaß beim Publikum. Die jeweiligen Rollen werden mit viel Herzblut dargestellt und überzeugen mit „Eiermeier” als Aufschneider (Ignaz), der zurechtgestutzt wird durch die resolute und sich rächende Ehefrau (Klothilde), die in ihrem Temperament und als wahrer Chef der „Hühnerfarm” sogar unvorhergesehen und nicht geprobt die „Deko-Wolke vom Himmel” stürzen lässt.

Auch der stotternde Alfons (von Beruf Rundfunksprecher), der sich als Muttersöhnchen im Laufe des Geschehens emanzipiert und sich in die vom stummen Landei zur eleganten, selbstbewussten Frau wandelnde Kunigunde verliebt, ebenso wie die Abenteuer und Männer suchende Lilo („bringe Männer lichterloh zum Brennen”) und der sanfte, aber geschäftstüchtige Eugen gehen in ihren Figuren auf.

Nicht zuletzt verkörpert Mutti Mayer ihren Wandel absolut überzeugend und tritt einen Schritt als „Überwachungseinheit” ihres Sohnes zurück, damit sie nicht mehr zwischen dem neuen Glück ihres Sohnes steht. Kein Wunder, dass in vielen Szenen das Publikum die wohlbekannten Alltagssituationen oft genug durch Szenenapplaus begleitet.

Die richtige Auswahl getroffen

Der Erfolg bei der Premiere gab dem Team um Regisseur Karl-Heinz Lind wieder die Bestätigung für die richtige Auswahl. In vielen Proben haben die 15 Mitglieder dafür gesorgt, dass die sieben Teammitglieder auf der Bühne ihre Leistungen erbringen konnten, weil vom Bühnenbild über die Maske und den Kostümen rundum alles bestens vorbereitet war und funktionierte. Dafür sorgten im Hintergrund Peter Raschke, Melanie Frank, Margot Reiners-Schaps, Marion Steffens und Melanie Thönnissen.

Lang anhaltender Beifall

Fast unbemerkt vom Publikum führte Gisela Döbertin als Souffleuse das Geschehen um die seltenen Klippen des Texthängens. Den verdienten Lohn bekam das Ensemble durch lang anhaltenden Beifall, und dies lässt hoffen, dass der Verein weiterhin das „Leben auf den Brettern, die die Welt bedeuten” mit neuen Aufführungen ausfüllen wird.
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