Runder Tisch gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch

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Im Heinsberger Kreishaus: Franz Heinrichs und Hartmut Schuck (von links) sowie Willi Paffen (rechts) begrüßten Jessika Kuehn-Velten als Referentin beim Treffen vom Runden Tisch gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch. Foto: Petra Wolters

Kreis Heinsberg. Nach seiner Gründung im vergangenen Jahr traf sich der Runde Tisch gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch jetzt in der Heinsberger Kreisverwaltung zu seiner ersten Jahressitzung. Rund 50 Teilnehmer waren der Einladung von Hartmut Schuck aus dem Kreisjugendamt gefolgt.

Allen gemeinsam ist, dass sie mit Menschen zusammenkommen, die von häuslicher Gewalt und sexuellem Missbrauch bedroht sind oder derartiges bereits erlebt haben.

Moderator Franz Heinrichs vom Kommissariat Vorbeugung begrüßte zunächst den stellvertretenden Landrat Willi Paffen. Die Themen des Runden Tisches seien gewichtig, betonte dieser in seinem Grußwort. In einer Welt, in der Sexualität und Gewaltanwendung in einem Maße zu öffentlichen Phänomenen geworden seien, wie er sich in seiner Kindheit und Jugend nicht hätte vorstellen können, „werden Grenzen eingerissen, Tabus weggewischt und Maßstäbe neu gesetzt, ohne sich dabei an den Interessen, Bedürfnissen und vor allem an den Schutzbedürfnissen betroffener Menschen zu orientieren”.

Auch die politisch Verantwortlichen im Kreis Heinsberg seien sich der Tragweite der Problematik bewusst und würden dies in ihnen politischen Entscheidungen berücksichtigen, betonte Paffen.

Heinrichs präsentierte dann aktuelle Zahlen aus unterschiedlichen Einrichtungen, etwa von der Arbeiterwohlfahrt, aus dem Landschaftsverband, von der Caritas, aus dem Frauenhaus und aus den Jugendämtern. Dass die Zahlen steigen, machte Heinrichs am Beispiel des Heinsberger Jugendamts deutlich.

2007 seien hier 29 Fälle von häuslicher oder sexueller Gewalt bekannt geworden, 2008 bereits 48. In einem der vier Bezirke des Jugendamts seien es 2008 genau 14 Fälle gewesen, vom 1. Januar bis zum 10. März dieses Jahres aber schon 15, betonte er. Sowohl Schulen als auch Jugendämter seien sensibilisiert. Dies entspreche genau der Zielsetzung des Runden Tisches, nämlich die Allgemeinheit für diese Themen sensibler zu machen.

Abschließend erläuterte Heinrichs die aktuelle Polizeistatistik. Nach 170 Fällen in 2006 und 123 in 2007 habe es 2008 insgesamt 139 Strafanzeigen wegen häuslicher Gewalt gegeben. Wieder ansteigend sei auch die Zahl der Wohnungsverweisungen: von 69 (2006) und 67 (2007) auf 78 in 2008. Bei Sexualdelikten bleibe der Trend ebenfalls hoch, das Anzeigeverhalten bei Missbrauch an Kindern sei allerdings rückläufig.

„Misshandelte Kinder und ihre Familien - erkennen, verstehen, helfen”: So war das anschließende Referat von Jessika Kuehn-Velten überschrieben, die von der Ärztlichen Kinderschutzambulanz am Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf nach Heinsberg gekommen war. Sie arbeitet als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, vorwiegend diagnostisch.

Sie informierte aus ihrer langjährigen praktischen Erfahrung über die unterschiedlichen Formen von Gewalt, die Kinder erfahren, und über den Umgang damit in der Ambulanz. Wichtig im Rahmen der Hilfe sei eine Wertschätzung allen gegenüber. „Kinder brauchen das Recht auf positive Gefühle zum Gewalthandelnden - Schutz und Beziehung sind wichtig”, betonte sie.
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