Runder Tisch befasst sich mit der psychischen Traumatisierung

Von: jwb
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Die Mitglieder des Arbeitskreises gegen häusliche und sexuelle Gewalt im Kreis Heinsberg und die Referentin der Veranstaltung im großen Sitzungssaal des Kreishauses. Foto: Bindels

Kreis Heinsberg. Im Heinsberger Kreishaus hörten die Teilnehmer vom Runden Tisch gegen häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch einen Fachvortrag der Diplom-Psychologin Claudia Radermacher-Lamberty von der Caritas-Familienberatung Aachen.

Entstehung, Merkmale und Folgen psychischer Traumatisierung waren die inhaltlichen Schwerpunkte des Referats. Statistische Fallzahlen standen diesmal nicht im Mittelpunkt des Austauschs.

Auch beim mittlerweile siebten Treffen seit dem Jahr 2008 hatte Landrat Stephan Pusch die Schirmherrschaft übernommen. „Pflegen Sie Ihre Kooperationen zum Wohle der Opfer und beraten Sie sich gegenseitig“, gab er den Teilnehmern mit auf den Weg. Er begrüße die Arbeit ausdrücklich und werde sie im Rahmen seiner Möglichkeit weiter unterstützen.

„Den Opferschutz zu verbessern, die Beratungs- und Hilfsmöglichkeiten bekannt zu machen und durch gezielte Informationen zur Prävention beizutragen“, beschrieb Silke Esser, Schulsozialarbeiterin im Schulzentrum Oberbruch, einführend die Ziele des Arbeitskreises gegen häusliche und sexuelle Gewalt im Kreis Heinsberg. 17 aktive Institutionen – von den Jugendämtern und die Beratungsstellen der Sozialverbände über die Polizei bis zum Weißen Ring und dem Frauenhaus – gehörten aktuell zum Arbeitskreis. Dieser treffe sich viermal im Jahr und organisiere den Runden Tisch, ergänzte Martina Gerdes von der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des regionalen Caritasverbandes in Erkelenz.

Tag des Kriminalitätsopfers

Am europaweiten Tag des Kriminalitätsopfers bot die Referentin mit ihrem Fachvortrag den Fachkräften eine umfangreiche Einführung in das Thema psychische Traumatisierung.

„Danach ist nichts mehr, wie es war“ lautete die Überschrift des Vortrags. Anschaulich präsentierte sie die Trauma-Typen, zu denen auch die Katastrophen innerhalb der Familie gehören würden. Diese könnten sein: körperliche Gewalt selber oder als Zeuge erleben, schwere Erkrankung eines Familienmitglieds, sexuelle Gewalt, Vernachlässigung oder psychische Gewalt. Reaktionen darauf reichten von der überflutenden Angst mit dem Gefühl der Hilflosigkeit bis zum völligen Erstarren und den fragmentierten Speicherungen der Trauma auslösenden Erlebnissen.

Mögliche Folgen seien Alpträume, Panikattacken, Schuldgefühle und Depressionen. Zudem könnten diese sich als große innere Unruhe, Schlafstörungen, Reizbarkeit und Wutausbrüche sowie Konzentrationsstörungen zeigen. Die negativen Auswirkungen von Traumata auf die Lernfähigkeit und die altersgemäße Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wurden nachvollziehbar aufgeführt. Traumatische Erlebnisse der Kriegsflüchtlinge nahmen eine besondere Stellung ein.

Zu den zentralen Bedürfnissen der Betroffenen gehörten: Sicherheit zu erlangen sowie die Kontrolle über das eigene Leben wieder zu gewinnen. Wertschätzung, Orientierungshilfen, Selbstwahrnehmung und Affektregulierung seien Schwerpunkte therapeutischer Hilfen, ohne die eine Aufarbeitung der Traumata nur schwierig gelinge. Wer den Ausführungen der Referentin folgte, konnte sich der Notwendigkeit der helfenden Institutionen nicht verschließen.

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