Rote Schuhe zum Endspurt geschnürt

Von: Thorsten Pracht
Letzte Aktualisierung:
14518788.jpg
„Ich bin kein totaler Newcomer und weiß, wovon ich rede“: Christoph Grundmann bringt als Geilenkirchener SPD-Fraktionsvorsitzender viel Erfahrung aus der Lokalpolitik mit. Foto: Markus Bienwald
14518794.jpg
Das Profil seiner roten Schuhe hat gelitten: Grundmann läuft sich im wahrsten Sinne des Wortes die Hacken ab.

Kreis Heinsberg. Die roten Schuhe sind auch an diesem Samstagmorgen dabei. Christoph Grundmann parkt sein Wahlkampfmobil vor dem Geilenkirchener Rathaus. Es ist ein Heimspiel für den SPD-Landtagskandidaten im Wahlkreis Heinsberg 1, der Gangelt, Heinsberg, Selfkant, Übach-Palenberg Waldfeucht und eben Geilenkirchen umfasst.

Ein Frühstück mit den Genossen aus seiner Heimatstadt steht an. „Ich bin auf eure Unterstützung angewiesen. Ohne euch ginge es nicht“, sagt Grundmann. Dabei muss der 36-Jährige hier gar nicht um Unterstützung für die heiße Phase des Wahlkampfes werben, sie ist ihm sicher.

Grundmann ist in Teveren aufgewachsen und mit 18 Jahren in die SPD eingetreten. „Wohl wissend, dass es nicht die Partei war, die in Geilenkirchen das Sagen hat“, erinnert er sich. Grundmann wird Juso-Vorsitzender, dann Fraktionsgeschäftsführer ohne Ratsmandat bei seinem „Ziehvater“ Horst-Eberhard Hoffmann.

Jetzt ist er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Geilenkirchener Stadtrat – und eben Landtagskandidat für seine Partei. „Christoph ist ein junger Kandidat, der aber schon sehr aktiv war“, erklärt der SPD-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Norbert Spinrath – auch er ist Teverener.

Die Genossen setzen damit bewusst einen Gegenpol zum CDU-Kandidaten Bernd Krückel, der den Wahlkreis seit 2005 dreimal direkt gewonnen hat. Wann immer im Kreis Heinsberg gewählt wird, ist die CDU Favorit und die SPD Außenseiter.

Noch klarer als im Duell Krückel gegen Grundmann könnten die Rollen freilich nicht verteilt sein: etablierter Amtsinhaber gegen 16 Jahre jüngeren Herausforderer. Unverbraucht sei Grundmann, sagt Spinrath. „Das hat natürlich seinen Charme.“

Allein mit diesem Charme gewinnt man aber keine Wahlen. Speziell in Sachen Bekanntheit hat Grundmann einen mächtigen Rückstand aufzuholen. Dafür läuft sich der Kandidat im wahrsten Sinne die Hacken ab. „Das Profil meiner roten Schuhe hat schon etwas gelitten“, sagt der 36-Jährige.

Die Schuhe sollen bei der Wiedererkennung helfen und weisen tatsächlich schon erkennbare Abnutzungserscheinungen auf. Drei bis dreieinhalb Stunden schlafe er pro Nacht, erzählt Grundmann.

Als Fachdozent beim TÜV für Deutsch als Fremdsprache und in Qualifizierungsmaßnahmen stand er auch in den vergangenen Wochen jeden Morgen vor seinen Klassen. Im Endspurt vor dem Wahltag am 14. Mai könne er wohl freigestellt werden, hofft er – wenn denn keine Kollegen krank werden.

Im Terminkalender von Grundmann sind freie Flächen ein rares Gut. Am Wochenende sei er 17 Stunden als Kandidat auf Achse. „Und die Geilenkirchener Stadtpolitik geht ja auch weiter“, sagt er. „Wir wollen bedacht an die Themen herangehen“, ruft er an diesem Morgen den Genossen im Geilenkirchener Rathaus zu. An der Spitze der Themenliste findet sich der Neubau der B 221n.

Mit der Umsetzung des Buitenrings Parkstad Limburg (BPL) wird die Belastung auf der L 42, der grenzüberschreitenden Verbindung zwischen Geilenkirchen und Landgraaf, stark anwachsen. Speziell die Ortsdurchfahrt des Übach-Palenberger Stadtteils Scherpenseel wäre von der Verkehrszunahme betroffen. „Diese Straße ist ein ganz großes Anliegen“, berichtet Grundmann.

Auch er weiß, dass die Umsetzung dieser Bundesstraße nur bedingt ein Landesthema ist. „Aber die Leute vor Ort müssen mit der Trassenführung leben. Und ich traue mich bewusst mit Themen in den Wahlkampf und nicht mit Blabla“, erklärt er.

Grundmann will auf Gespräche und Argumente setzen. Die Kooperation seiner Fraktion mit der CDU im Geilenkirchener Stadtrat hat er ziemlich geräuschlos umgesetzt, obwohl „auf beiden Seiten Mitglieder dagegen waren“.

Aber das zersplitterte Stadtparlament habe nun mal Stabilität gebraucht. „Wir haben Kernthemen definiert, die wir zusammen anpacken wollen, und tauschen uns ständig aus.“ Bislang funktioniert das schwarz-rote Experiment ganz gut.

Egal, wie die Wahl ausgehe, schon jetzt sei die SPD im Kreis Heinsberg enger zusammengerückt. Der Austausch unter den Ortsvereinen des Wahlkreises funktioniere hervorragend, lobt Grundmann. Da ist sie wieder, die Teamarbeit. Ein wenig Werbung will der Kandidat dann aber doch noch machen: „Ich habe schon sehr lange Einblick in die Abläufe der Lokalpolitik. Ich bin kein totaler Newcomer und weiß, wovon ich rede.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert