Kreis Heinsberg - Rosenmontagszüge „vom Winde verweht“

Rosenmontagszüge „vom Winde verweht“

Von: hewi/anna/hama
Letzte Aktualisierung:
11722510.jpg
Lachen und Weinen lagen nah beieinander für Prinz Helmut III. und Prinzessin Christina, die am Rosenmontag nicht durch Oberbruch ziehen durften, dann aber in der Festhalle gefeiert wurden. Foto: Anna Petra Thomas
11722513.jpg
Leere statt Narrentreiben: Der ­Rosenmontagszug in Erkelenz wurde abgesagt. Foto: Wichlatz

Kreis Heinsberg. In drei Orten des Kreisgebietes sind die Karnevalszüge „vom Winde verweht“ worden: In Erkelenz, Oberbruch und Gangelt gab es am Rosenmontag Absagen. Gefeiert wurde trotzdem – bei Partys.

„Ich glaube, dass die Entscheidung richtig war“, erklärte Helmut Jopen im Namen der Erkelenzer Karnevalsgesellschaft beim traditionellen Prinzenfrühstück im Alten Rathaus. Seit 9 Uhr stand es fest: Der Rosenmontagszug in Erkelenz war – wie 1990 – wegen Sturmwarnungen abgesagt worden. Zwei Tage lang hatten die Organisatoren die Wetterentwicklung verfolgt.

Als die Zeichen auch am Montagmorgen noch auf Sturm standen, reagierten sie und beriefen ein Treffen mit der Polizei und der Stadt ein, bei dem man sich darauf einigte, dass der Zug nicht stattfinden würde. Bürgermeister Peter Jansen unterstützte die Entscheidung der Karnevalisten. Er betonte, dass nicht nur die Narren in den Städten gefährdet seien. Gerade die windanfälligen Motivwagen mit ihren Aufbauten befänden sich zu der Zeit, wenn der Sturm über das Erkelenzer Land hinwegziehen sollte, „auf freiem Feld“ auf dem Weg nach oder von Erkelenz.

Auf der Facebook-Seite der EKG war zu lesen: „Es ist offiziell, leider müssen wir uns der Natur geschlagen geben. Der Zug ist abgesagt!! Wir sind unendlich traurig, aber die Sicherheit aller Teilnehmer geht vor... Wir holen kurzfristig den Zug nach“, erklärten der Vorstand und das Prinzenpaar. Eingeladen wurde zur Karnevalsparty am Nachmittag in der Stadthalle.

Sascha Wesel von der Prinzengarde sprach von einer mutigen Entscheidung, die den Verantwortlichen nicht leicht gefallen sei. „Mag sein, dass es nicht so schlimm wird“, erklärte er. „Aber wenn nur einem Zuschauer etwas passiert wäre, wäre das eine Katastrophe.“ Deshalb stieß die Entscheidung der EKG, den Zug nicht stattfinden zu lassen, auf viel Verständnis. Auch bei den Tollitäten, die sich auf diesen Zug sicher am meisten gefreut hatten.

„Wir haben noch so viel Wurfmaterial übrig, das wir nicht bis in die nächste Session mitnehmen wollen“, sagte Prinzessin Ute I. (Mackenstein). Deshalb werde schon jetzt über einen neuen Termin nachgedacht, an dem der Zug in Erkelenz nachgeholt werden könne. Sitzungspräsident Klaus Reul betonte, dass gerade diese beiden Tollitäten einen Rosenmontagszug verdient hätten. Sie seien – getreu ihrem Motto – wirklich: „Im Hätze jeck“. Vielleicht hatte die Session ja unter einem schlechten Vorzeichen begonnen, denn die Proklamation fand im November ausgerechnet am Freitag, dem 13. statt.

Über einen neuen Termin werde derzeit nachgedacht, bestätigte auch Bürgermeister Jansen. Er selbst sei dafür, dass der Termin nicht zu weit vom Karneval entfernt liegen solle. Denn in diesem Jahr werde es eng im städtischen Terminkalender, sagte er und verwies auf den Fahrradfrühling und den Bundesköniginnentag im Mai. Anstelle des Zuges lud die EKG zum Feiern in die Stadthalle ein.

Zwei Krisensitzungen hatte es am Vormittag und am Mittag des Rosenmontags bei der KG Waaterratte in Oberbruch gegeben. Vorstand und Rosenmontagskomitee (RoMoKo) tagten gemeinsam und entschieden um 13 Uhr, den Rosenmontagszug nicht durch Oberbruch ziehen zu lassen. Den Wetterberichten habe man entnommen, dass der Sturm seinen Höhepunkt zwischen 14 und 17 Uhr haben werde, so Vorsitzender Ralf Schulte.

Um 15.11 Uhr hätte der Zug in Oberbruch beginnen sollen. Da sei es wichtiger gewesen, Zugteilnehmer und Bevölkerung gleichermaßen zu schützen“, so Schulte weiter. „Die Sicherheit geht vor!“ Zudem hätten einige Zugteilnehmer mit ihren Wagen Anfahrten über mehrere Kilometer gehabt, und da habe man einfach kein Risiko eingehen wollen. Sie als Prinzenpaar seien da völlig außen vor gewesen, erklärte Prinz Helmut III. (Frenken), zugleich Heinsberger Stadtprinz, sichtlich enttäuscht. „Nicht von der Entscheidung“, räumte er deutlich ein, sondern einfach darüber, jetzt nicht durch Oberbruch ziehen zu dürfen.

Noch hat der Vorstand nicht entschieden, ob der Zug nachgeholt wird. Eine Wiederholung im März wurde diskutiert. Ja, mitziehen würden er und seine Frau dann auch, erklärte Frenken, „aber nicht als Prinzenpaar. Für uns ist das Aschermittwoch vorbei. Und das ist es eben, was so schade ist!“ Und er dachte nicht nur an sich, sondern zum Beispiel auch an „seine Fußballjungs“.

Die Spieler der B- und C-Jugend des Oberbrucher BC 09, deren Jugendleiter er sei, hätten viel Geld investiert, um am Rosenmontag mit einem eigenen Wagen im Zug dabei zu sein. „Das hätte ich mir nicht erträumt, dass es so endet“, erklärte Frenken ganz traurig, ließ dann aber mit seiner Prinzessin Christina und den übrigen Waaterratten den Rosenmontag in der Festhalle gemütlich ausklingen.

„Aus lokaler zuverlässiger Quelle“ hatten die Verantwortlichen der KG Gangelter Muhrepenn die Wetterprognose erhalten. Sie baten um Verständnis, dass sie „unter Beachtung der Sicherheitsaspekte und der Verantwortung, die wir tragen, in diesem Jahr den Gangelter Rosenmontagszug absagen müssen“, wurde im Internet verbreitet. „Diese Entscheidung fiel uns absolut nicht leicht, aber am Ende geht die Gesundheit eines jeden Einzelnen vor!“ So wurde die Abschlussparty einfach vorgezogen.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert