Ronnie Goertz vom Kreissportbund: „Ein Verein ist kein Selbstläufer mehr“

Von: disch
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Der Vorsitzende des Kreissportbundes Heinsberg: Ronnie Goertz. Foto: agsb

Kreis Heinsberg. Zum siebten Mal ist der Kreissportbund Heinsberg an diesem Samstag Gastgeber zu seiner Sportgala. Die ausverkaufte Veranstaltung findet ab 19 Uhr in der Stadthalle von Erkelenz statt. Als Schirmherr fungiert wieder Landrat Stephan Pusch. Unsere Zeitung begleitet das Fest – wie in den vorangegangenen Jahren – als Medienpartner.

Tradition hat auch bereits das Interview mit dem KSB-Vorsitzenden, das zu diesem Anlass erscheint. Ronnie Goertz stand wieder Rede und Antwort.

Der Kreissportbund Heinsberg ehrt bei seiner Sportgala herausragende Ehrenamtler und erfolgreiche Sportler des Jahres 2016. Bei der Veranstaltung wird also stets zurückgeblickt auf das vergangene Jahr. Wie war das Sportjahr 2016 im Kreis Heinsberg aus Ihrer Sicht?

Goertz: Das Sportjahr 2016 ist sehr unterschiedlich verlaufen, und wenn man auf die einzelnen Erfolge blickt, haben verschiedene Sportlerinnen und Sportler ihre tollen Erfolge aus den letzten Jahren leider nicht wiederholen können. Aber das gehört zum Sport dazu, denn Ergebnisse sind nicht planbar. Und schließlich haben wir es nicht mit Maschinen zu tun, sondern mit ganz normalen Menschen. Da gehört es dann auch dazu, Rückschläge auszuhalten und wegzustecken, an diesen persönlich zu wachsen, sich neu zu motivieren und wieder aufs Training zu konzentrieren. Klingt ­einfach, ist aber eine der größten Herausforderungen für Sportler. Wir haben bei der Auswahl der Nominierten entsprechend reagiert und anstelle von jeweils fünf Sportlerinnen und Sportlern in diesem Jahr nur jeweils drei nominiert. Dafür haben wir im Bereich der Seniorensportler die Kategorie wieder in männlich und weiblich unterteilt, da wir für das Sportjahr 2016 aus vielen guten Leistungen und Erfolgen im Seniorenbereich auswählen durften.

Vor allem den Breitensport hat der KSB natürlich im Auge – mit einer ganzen Reihe von Landesprogrammen, die im Kreis Heinsberg umgesetzt werden, mit seinem Bildungswerk und vielen anderen Aktivitäten. Alles aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Lassen Sie uns exemplarisch auf besonders wichtige Bausteine schauen. Stichwort: „NRW bewegt seine Kinder!“. Was tut sich da?

Goertz: In diesem Programm werden wir Bewährtes wie die Erfolgsstory unseres Schwimmprojektes „Mathe schützt nicht vor Ertrinken!“ fortsetzen und versuchen, das Projekt nachhaltig in den Kommunen zu etablieren. Das über dieses Projekt eine Win-win-Situation für alle Beteiligten erzielt werden kann, konnte bei den bisherigen erfolgreichen Durchführungen unter Beweis gestellt werden. Daneben werden wir noch stärker als in der Vergangenheit unseren Vereinen Angebote machen, um Zugänge zu den Lebenswelten der Kinder in Kindergärten und Schulen durch Kooperationen herstellen zu können. Viele begreifen die ganztäglichen Betreuungsangebote in Kindergärten und Schulen immer noch als Problem und Hindernis für den Vereinssport. Nur wer sich als Verein mit seinem Sport- und Bewegungsangebot zu den Kindern in die Kindergärten und Schulen hinbewegt, wird zukunftsfähige und erfolgreiche Nachwuchsarbeit betreiben können. Dabei möchten wir unsere Vereine bestmöglich unterstützen.

„Bewegt gesund bleiben in NRW!“ und „Bewegt älter werden in NRW!“ sind weitere Programme. Was ist da in näherer Zukunft zu erwarten?

Goertz: Mit unserer neuen Fachkraft Beate Wassenberg-Schüren planen wir derzeit unsere neuen Zielsetzungen in den beiden Handlungsfeldern. Bewegung, gesund bleiben und dadurch älter werden, sind eng miteinander verknüpft. Wenn man sich im Verein gemeinsam mit anderen Menschen bewegt, kommen vielfältige soziale Aspekte hinzu. Dies möchten wir sehr niederschwellig fördern und den Menschen im Kreis Heinsberg ermöglichen, möglichst wohnortnah gesundheitsorientierte Bewegungsangebote im Sportverein nutzen zu können. In Überlegung ist eine kreisweite Gesundheitskampagne, um noch mehr Vereine für gesundheitsorientierte Bewegungsangebote gewinnen und die bereits vorhandenen Sport- und Bewegungsangebote den Menschen im Kreis Heinsberg transparenter und einfacher zugänglich anbieten zu können.

„Integration durch Sport“: Es dürfte wohl unstrittig sein, dass gerade der Sport im Bereich der Integration Wertvolles leisten kann. Welchen Ansatz wählen Sie da, um als Kreissportbund die Vereine vor Ort zu unterstützen?

Goertz: Sport und Bewegung in der Gemeinschaft sind ein hervorragender Motor, um Begegnung und Integration auf ganz natürliche und selbstverständliche Weise entstehen und gelingen zu lassen. Seit dem 1. Juli 2016 beteiligen wir uns am Projekt „Integrationsnetzwerke“ des Landessportbundes und haben die Gelegenheit genutzt, diese Beteiligung zum Beginn dieses Jahres zu einer Fachkraftstelle „Integration durch Sport“ auszubauen. In unserer Arbeit stehen wir noch am Anfang. Netzwerke zu wichtigen Partnern wie dem Kommunalen Integrationszentrum sind hergestellt, einige kleine Projekte mit Vereinen umgesetzt, nun ist eine Basis für eine nachhaltige Integrationsarbeit der Sportvereine zu schaffen. Hierzu ist es erforderlich, nicht nur einmalige Aktionen durchzuführen, sondern ein regelmäßiges Miteinander zu fördern. Das gelingt nicht immer reibungslos, sondern stellt insbesondere die Übungsleiter und Trainer in den Vereinen vor Herausforderungen, denen sie alleine nicht gewachsen sind. Für diese Herausforderungen interessieren wir uns und möchten unsere Vereine bei der Bewältigung bestmöglich unterstützen.

Im Bereich des Spitzensports arbeiten Sie intensiv mit dem Leichtathletikkreis zusammen. Die Leichtathleten sind in der Tat sehr erfolgreich: So waren sie ja auch bei den Sportgalas der vergangenen Jahre besonders häufig unter den Geehrten vertreten. Der Kreissportbund unterstützt und fördert die Leichtathletik besonders. Dieses spezielle Augenmerk, das Sie da auf eine einzelne Sportart legen, mag für den einen oder anderen Beobachter auf den ersten Blick verwunderlich sein. Wie ist diese besondere Förderung der Leichtathletik zu begründen?

Goertz: Grundlage dieser Förderung ist unsere Beteiligung am landesweiten Programm „Spitzensport fördern in NRW“. In den Flächenkreisen verfügen wir in der Regel nicht über die gleichen infrastrukturellen Voraussetzungen wie in einigen Städten in NRW, um Spitzensport in der Breite zu fördern. Daher haben wir als KSB beschlossen, unser Augenmerk auf die Förderung von Nachwuchsathleten zu richten und hier im Rahmen unserer Möglichkeiten zu unterstützen. In der Leichtathletik haben wir einen Landesleistungsstützpunkt im Kreis Heinsberg, zudem leistet der Leichtathletikkreis eine hervorragende Arbeit in der Nachwuchsförderung. Das unterstützen wir sehr gerne und tragen zum Beispiel durch unsere Lobbyarbeit zur Verbesserung der Trainingsbedingungen und durch die Durchführung von leistungsdiagnostischen Tests am Geilenkirchener Krankenhaus dazu bei, dass die Kaderathleten sich wohnortnah im Kreis Heinsberg auf ihr Training konzentrieren und sich auf Wettkämpfe optimal vorbereiten können. Dabei sind es weniger finanzielle Mittel, die wir einsetzen, sondern vielmehr unser Netzwerk, und unterstützen damit die Arbeit des Leichtathletikkreises an wichtigen Stellschrauben. Für den Kreis Heinsberg stellt die Leichtathletik mit ihren Athleten sicherlich ein sportliches Aushängeschild dar, was insbesondere auch über die Sportgala zum Ausdruck gebracht wird.

Eine Frage noch mit Blick auf die jüngste Mitgliederversammlung – keine Sorge, nicht zu den personellen Turbulenzen beim KSB Ende 2016, sondern vielmehr zum Interesse der Vereine am KSB: Nur 27 von 283 Mitgliedsvereinen waren anwesend. Das muss Sie doch enttäuschen. Ist der Kreissportbund für viele Vereine schlicht und einfach ohne Bedeutung?

Goertz: Auch wenn es Sie jetzt vielleicht überrascht, aber darauf kann ich nur mit einem ganz klaren Nein antworten. Die Resonanz bei der Mitgliederversammlung spiegelt leider die gesellschaftliche Entwicklung wider, mit der jeder andere Verein auch zu kämpfen hat. In den Jahren ohne Wahlen und ohne besondere Tagesordnungspunkte wie Satzungsänderungen oder Beitragserhöhungen bleibt die Resonanz leider deutlich hinter den Erwartungen zurück. Diese Resonanz deutet vielmehr auf eine sehr große Herausforderung hin, der wir uns im organisierten Sport stellen müssen. Ein Verein ist in unserer heutigen Gesellschaft kein Selbstläufer mehr, sondern wird auf Dauer nur noch funktionieren, wenn es uns gelingt, den Mitgliedern das Selbstverständnis eines Vereins wieder näherzubringen. Ein Verein funktioniert nur dann, wenn sich Menschen einbringen und mit ihrem Engagement etwas für die Gemeinschaft im Verein tun, und nicht, wenn sie einen Verein als Angebot wahrnehmen, das man als Kunde kaufen kann. Mit dieser Aufgabe werden wir uns im KSB gemeinsam mit den Stadtsportverbänden in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen. Abschließend noch ein Hinweis auf die Bedeutung des Kreissportbundes: Wir haben im März eine Vereinsbefragung durchgeführt, an der sich bisher 89 Vereine beteiligt haben. Diese Quote wäre sicherlich nicht so hoch, wenn der KSB mit seinen Aktivitäten ohne Bedeutung für seine Vereine wäre.

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