Rollifahrer bangen um ihre Sicherheit

Von: Helmut Wichlatz
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Bei der Tour durch die Heinsberger Innenstadt konnten die Abstände zu den übrigen Verkehrsteilnehmern auch schon mal recht eng werden. Da war Aufmerksamkeit gefragt. Foto: Wichlatz
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So ist‘s richtig. Jürgen Franke macht an der Fußgängerampel mit seinem Scooter den Anfang.

Heinsberg. Verkehrssicherheit wird groß geschrieben. Schulkinder, Fahranfänger, Senioren – für nahezu jede Zielgruppe gibt es spezielle Schulungen. Eine wurde jedoch bislang nicht berücksichtigt: Menschen mit Behinderung, die mit Rollstuhl oder Scooter am Straßenverkehr teilnehmen.

 In einem Pilotprojekt haben Melanie Hermanns und Thomas Jansen von der Lebenshilfe ein Verkehrssicherheitstraining erarbeitet und mit zwei Freiwilligen ausprobiert.

Nadine Nixdorf und Jürgen Franke leben in Einrichtungen der Lebenshilfe und sind auf Rollstuhl oder Scooter angewiesen, um sich fortbewegen zu können. Jürgen Franke betonte, dass er sich oftmals im Verkehr nicht sicher fühle und nicht wisse, wie er sich zu verhalten habe. Und so hatten Hermanns und Jansen schon einen Teilnehmer für ihr ambitioniertes Projekt gefunden, das Teil ihrer Fortbildung zum Heilerziehungspfleger in Mönchengladbach ist. Beide arbeiten in Einrichtungen der Lebenshilfe und kennen die Bedürfnisse ihrer Klienten nur zu gut.

Zuerst wurden die Verkehrszeichen, die für manchen Verkehrsteilnehmer schon einige Jahre nach der Fahrschule nur noch „Böhmische Dörfer“ sind, auf das wesentliche heruntergebrochen. „Wir mussten sehen, was sie sich merken können und vor allem, welche Schilder völlig unsinnig sind für die Schulung“, erläutert Hermanns das Vorgehen. Schilder an Zebrastreifen, Stoppschilder und Schilder zur Ausweisung von Radwegen sind wichtig und gehörten zum Repertoire, das Jürgen und Nadine kennenlernen mussten. Die gab es auch als Hausaufgaben mit nach Hause.

Tatsächlich konnten sich beide nach rund zwei Wochen noch an die Schilder, ihre Bedeutung und das erwartete Verhalten als Verkehrsteilnehmer erinnern. „Das hängt natürlich sehr von der Verständnisfähigkeit der Teilnehmer ab“, erläutert Hermanns. Diese müsse jedoch gegeben sein, um selbstständig am Straßenverkehr teilnehmen zu können.

Und eine gewisse Rücksichtnahme der motorisierten Verkehrsteilnehmer. Denn natürlich dauert das Überqueren einer Straße mit dem Rollstuhl etwas länger und wird durch Hupen auch nicht beschleunigt. Neben Theorie gehörte natürlich auch der Praxisteil zur Ausbildung. Dafür ging es nach Gillrath auf den Verkehrsübungsplatz, wo Verkehrssituationen, die auftreten könnten, nachgespielt wurden.

Die „Stunde der Wahrheit“ schlug schließlich in Heinsberg, wo dann samstags der Sprung ins kalte Wasser gewagt wurde. Von einer Wohnstätte der Lebenshilfe ging es quer durch die Innenstadt, über Straßen und Wege bis hin zum Citycenter. Wer schon einmal an einem Samstagvormittag durch Heinsberg gefahren ist, der weiß, dass das keine zu unterschätzende Aufgabe ist. Vor allem, wenn man als schwächster Verkehrsteilnehmer auf die Hilfe eines Rollstuhls oder Elektroscooters angewiesen ist. Trotzdem meisterten beide ihre Aufgabe mit Bravour und erhielten ihre Urkunden über die erfolgreiche Teilnahme an der Schulung.

„Dann war uns wichtig herauszufinden, was nach der Schulung tatsächlich noch hängengeblieben ist“, erläutert Hermanns. Deshalb wurde den beiden nach einigen Wochen noch einmal auf den Zahn gefühlt – und siehe da: Das Wissen um Zeichen und Verhalten im Verkehr war noch da. Nun wollen Hermanns und ihr Kollege Jansen das Konzept weiter ausarbeiten und weiteren Rolli- und Scooterfahrern die Möglichkeit geben, sich für den Verkehr fit zu machen. Dazu gehört auch, dass die Informationen in leichter Sprache abgefasst und somit für Menschen mit eingeschränkten Lesefähigkeiten verständlich sind.

„Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, was man im Verkehr darf und was nicht“, betont Jürgen Franke, der von seiner Wohnstätte in Birgden aus oft Touren mit seinem Scooter unternimmt.

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