Richard David Precht: „Mittelschicht ist Träger der Moral”

Von: disch
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Der Sparkassendirektor und der
Der Philosoph und der Sparkassendirektor: Dr. Richard David Precht (links) wurde von Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, in Heinsberg willkommen geheißen. Foto: defi

Kreis Heinsberg. „Noch nie ist eine Gesellschaft besser geworden dadurch, dass Menschen Appelle an Menschen gerichtet haben”: Dies sagte der Philosoph und Publizist Dr. Richard David Precht zwar zu Beginn seines Vortrags, als er im Rahmen der Sparkassen-Gespräche vor geladenen Gästen in der Filialdirektion der Kreissparkasse in Heinsberg an der Hochstraße über Moral und Vertrauen sprach.

Aber wer weiß? Vielleicht wird sie ja doch etwas besser, wenn Prechts eigener Appell am Ende des Vortrags Wirkung zeigen sollte. Er rief die Zuhörer dazu auf, sich beispielsweise über das Mentor-Projekt für Kinder zu engagieren - als Beitrag zu einer Gesellschaft, „in der man in wechselseitigem Vertrauen gerne leben möchte”.

Precht skizzierte die drei Stufen der menschlichen Moralfähigkeit: Da sei die Hemmung des Menschen, anderen mit Taten Schaden zuzufügen. Da sei die Fähigkeit zu Mitgefühl und Mitleid. Und da sei die Tatsache, dass der Mensch ­einen angeborenen Sinn besitze für Unfairness, die einem widerfahre. Dieser Sinn für Unfairness lasse sich im Kindesalter von vier bis acht Jahren in einen Sinn für Fairness überführen. Fehlerziehungen hingegen könnten kaum ausgeglichen werden: „Das können Sie nicht reparieren.”

Der Mensch vertraue jemandem, wenn er das Gefühl habe, dass der andere sich einem selbst gegenüber moralisch verhalte. Werde jemand unfair behandelt, dann denke er beim ersten Mal noch an einen Fehler, vermute beim zweiten Mal Absicht und denke beim dritten Mal: „Das kann ich auch.” Denn: „Die Menschen sind lieber die Bösen als die Dummen.”

Menschen seien aber weniger auf Vorteile aus als vielmehr auf Anerkennung, Liebe, Zuneigung und Respekt, so Precht. Es gebe ein abgestuftes Verhältnis der moralischen Sensibilität, stellte er fest. Da werde zwischen „uns”, den anderen und den ganz anderen unterschieden. „Für Sie ist nicht jeder Mensch gleich”, sagte er den Zuhörern. Von Mensch zu Mensch, vis-à-vis, sei eine gute Grundlage für ein moralisches Spiel auch im Wirtschaftsleben gegeben, ob nun in einer Bäckerei oder in einer Sparkasse. Abstrakte Geschäfte hingegen seien gefährlicher als konkrete Geschäfte.

Die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander, sagte Precht. Und der Bestsellerautor betonte: „Die Mittelschicht ist der Träger der Moral.” In ihr gebe es eine größere Reichweite der Verantwortlichkeit. Wer aber in die Unterschicht durchgefallen sei, fühle sich nicht zugehörig, nicht zuständig, nicht verantwortlich, habe Vertrauen verloren. Es gehe darum, dass möglichst wenige dieser Schicht zugehören sollten. Wenn aber zehn Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss die Schule verlassen würden, dann stelle dies potenzielle Unterschicht dar. Gerade deshalb sei es wichtig, seinen Einfluss spielen zu lassen, sich moralisch verantwortlich zu fühlen und sich für Kinder zu engagieren - siehe Mentor!

Richard David Precht ist Schirmherr des Mentor-Bundesverbandes: „Ich unterstütze die Arbeit von Mentor, weil man durch niemanden so gut lernt wie durch ein Vorbild - durch einen Menschen, der einen ernst nimmt und sich um einen kümmert.”

Der Mentor-Bundesverband fühlt sich dem Wachstum der Idee „Mentor - Die Leselernhelfer” verpflichtet, entwickelt und sichert Qualitätsstandards für die Begleitung der Kinder. Infos gibt es auf der Homepage.

Thomas Pennartz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Heinsberg, zeigte sich vom Engagement Prechts für Mentor und von seinem Appell zum Mitwirken angetan: „Wir nehmen die Anregung gerne auf im Kreis Heinsberg.”

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