Erkelenz - Rheinische Grundsatzfrage in der Wohnzimmerecke

Rheinische Grundsatzfrage in der Wohnzimmerecke

Von: hewi
Letzte Aktualisierung:
erk_beckerpape_bu
Offener Schlagabtausch: Kabarettist Jürgen Becker zu Gast beim Comedian Christian Pape. Foto: Wichlatz

Erkelenz. Wenn der Comedian Christian Pape Besuch bekommt, lädt er ihn gleich in die Stadthalle ein, denn im Normalfall kommen einige Hundert Zuschauer. In seiner ausverkauften kulturellen Nischenshow” begrüßte Pape niemand geringeren als Jürgen Becker, den man als Gastgeber der Mitternachtsspitzen und Mitgründer der legendären Stunksitzung kennt.

Pape sang mit den Gerichhausen Gospel Singers ein Lied über seinen toten Igel, der dann aber doch nur im Winterschlaf lag, bis er im Müll geschreddert wurde. Währenddessen schlenderte der „naturentspannte” Becker mit dem Kulturmanager Christoph Stolzenberger durch die Stadt, um sich ein wenig über Erkelenz zu informieren und einen mit Strichen rundum verzierten Bierdeckel zu besorgen, den er später für seine Gags brauchte.

Kölsch oder Alt?

Zu seinem Auftritt war der Kölner rechtzeitig in der Stadthalle und lieferte sich mit Pape in der Wohnzimmerecke auf dem Sofa einen humorvollen Schlagabtausch, in dem es um die rheinische Grundsatzfrage „Kölsch oder Alt” und um seine Biografie ging.

So erfuhr das Publikum, dass Becker als Grafiker bei 4711 auf der Produktlinie Tosca begonnen und später noch eine Druckerei gegründet hatte, bevor er über ein Studium an der Kölner Fachhochschule und ein Zirkusprojekt für Kinder zur Comedy kam. Zu seinem Outfit damals sagte er zum Beispiel, dass die Jugend heute auch scheiße aussieht, „aber sie weiß es nicht”, wohingegen er bewusst mit fettigen langen Haaren und Parka herumgelaufen sei. Kaum vorstellbar. Aus seinen elf Jahren als Sitzungspräsident der Stunksitzung stammt die Erkenntnis, dass Schunkeln „ein Urbedürfnis der Menschen” sei.

„Ja, was glauben Sie denn?”

Im zweiten Teil des Abends gehörte Becker allein mit seinem aktuellen Programm „Ja, was glauben Sie denn”. Dabei erklärte er, dass das Problem mit den Religionen sei, dass sie nicht lange halten. „Nach 4000 Jahre sind sie meistens weg.”

In seinem amüsanten Gedankenfluss wurde Bischof Mixa ebenso rangenommen wie die Schlacht bei Zülpich im Jahre 498. Dass Weihnachten nur wegen des „Event-Vakuums” zwischen Hoppeditzerwachen und Aschermittwoch erfunden wurde, war ja eh klar.

Becker ist auch ein Freund klarer Statements: „50 Prozent der Kölner sind Türken, 50 Prozent sind schwul.” Und Kardinal Meissner sei kein Türke. Und dass es mit der Toleranz kein Problem gibt, so lange der Umsatz stimmt, erklärte er zum rheinischen Prinzip.

Dennoch: Jede Religion könne so umgebaut werden, dass sie „so schön ist, wie die davor”. Wenn das nicht beruhigt.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert