Erkelenz - Rettungswagen ist nun reif für die Insel

Rettungswagen ist nun reif für die Insel

Von: Helmut Wichlatz
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Dieser Rettungswagen tritt am Samstag die Reise nach Griechenland an. Beteiligt sind von links: Ralf Grzelka, Christian Lambertz, Thomas Kähler und Stadtbrandmeister Wolfgang Foto: Koenigs

Erkelenz. Ganz Europa schaut derzeit nach Griechenland. Auch Ralf Grzelka aus Gerderath. Doch den Feuerwehrmann treibt nicht die Sorge um den Euro.

Vielmehr hat er sich zur Aufgabe gemacht, die griechische Insel Karpathos in der Inselgruppe Dodekanes mit einem modernen und voll ausgestatteten Rettungstransportwagen zu versorgen. Den hat er auf Nachfrage von Landrat Stephan Pusch geschenkt bekommen, nachdem das Fahrzeug wegen eines Motorschadens ausrangiert worden war.

Grzelka übernahm die Reparatur und wurde dabei vom Erkelenzer Autohaus Dreßen unterstützt. Und siehe da: Auf einmal tat es der Mercedes Sprinter aus dem Jahr 2002 wieder und war bereit, unter der griechischen Sonne seinen weiteren Dienst zu tun. Europäische Hilfeleistung mal ganz privat.

Da der leere Wagen nichts bringt, begann Grzelka, Gerätschaften für den Rettungsdienst zu sammeln und teilweise auch bei ebay zu ersteigern. Nun verfügt der Wagen über ein mobiles EKG-Gerät, einen Defibrillator, ein Beatmungsgerät und weitere wichtige Hilfsmittel.

Dazu kommen ein von der Feuerwehr Erkelenz ausgesondertes Hydraulikaggregat mit Spreizer und Schere, um verunglückte Autofahrer aus ihren Fahrzeugen zu befreien. Dieser Rettungssatz kommt zur Feuerwehr auf Karpathos. Doch zuerst einmal muss die Frage geklärt werden, weshalb Grzelka auf die Idee kam, die Mittelmeerinsel im Alleingang rettungstechnisch auszustatten und noch einige andere Modernisierungen durchzusetzen.

Der 46-jährige kennt Karpathos wie seine Westentasche. Die Insel ist etwa halb so groß wie der Kreis Heinsberg und hat knapp 7000 Einwohner, im Sommer natürlich urlaubsbedingt mehr. Einer der Touristen ist seit Jahren Ralf Grzelka. Mit seiner Frau Astrid hat er sich mittlerweile ein Apartment zugelegt und renoviert. So verbringt er seine Urlaube nur noch auf Karpathos. Bei den Erkelenzer Feuerwehrkollegen ist der Brandinspektor, Löschgruppenführer LG Gerderath und stellvertretende Stadtjugendfeuerwehrwart längst als „Onkel Hellas” bekannt

Aus Erfahrung baut er auf die Institution der freiwilligen Feuerwehr. In seiner griechischen Wahlheimat gibt es eine Handvoll Berufsfeuerwehrleute, die zwar gut ausgebildet sind, aber mit 14 Mann einfach zu wenig für eine derartig große Fläche mit Gebirge bis zu 1215 Metern Höhe. So kam „Onkel Hellas” auf die Idee, auf der Insel eine freiwillige Feuerwehr nach deutschem Vorbild aufzubauen.

„Die Leute müssen motiviert werden, selbst Verantwortung zu übernehmen und ihren Beitrag zur Sicherheit zu leisten”, lautet sein Credo. Und damit stößt er auf Karpathos zunehmend auf offene Ohren. Zwar gibt es freiwillige Helfer, diese schieben aber nur zweimal im Jahr 24 Stunden lang Bereitschaft. Sie haben keine feuerwehrtechnische Ausbildung, sind aber für ihren Einsatz das ganze Jahr über krankenversichert - Griechenland eben.

Dankbar ist Grzelka für die Hilfe und Unterstützung für sein Projekt. Immer wieder rufen Kameraden an, die noch etwas abzugeben haben, um den RTW zu bestücken. Begleitet wird Grzelka auf der Fahrt von seinem Venrather Feuerwehrkameraden Brandoberinspektor Christian Lambertz, genannt „Bello”. „Onkel Hellas” und „Bello” machen sich am Samstag in aller Herrgottsfrühe und ganz schnieke in Uniform auf den Weg. Dieser wird sie durch Österreich und Italien führen, bevor sie in Bari erstmals einschiffen. Die Strecke durch die Schweiz durfte nicht gewählt werden, denn das hieße, ein offizielles Dienstfahrzeug aus der Europäischen Union auszuführen, um es dann einige hundert Kilometer weiter wieder einzuführen. Und das ist nicht so einfach. Verbunden wäre es mit Anträgen, Wartezeiten und Formularen. Das erspart man sich besser, wenn man rechtzeitig die Fähre bekommen will.

Die österreichischen und italienischen Ansprechpartner waren umso kooperativer und erteilten „Passierscheine” und Begleitschreiben, um die Weiterfahrt zu ermöglichen. Allerdings dürfen die beiden Feuerwehrleute auf der Fahrt durch Italien bei Unfällen nicht helfen, auch wenn sie dafür ausgebildet sind und der Wagen voller nützlicher Gerätschaften für diesen Zweck wäre. „Da heißt es dann, Augen zu und durch”, erklärt Grzelka.

Die erste Passage führt von Bari nach Patras. Von dort geht es über Land weiter bis Piräus, wo ein zweites Mal in See gestochen wird, bevor der RTW dann am Dienstag, 15. November, in den Morgenstunden auf Karpathos ankommt. Vor Ort wird er dann offiziell übergeben und in Dienst gestellt.

Auf der Fahrertür prangt nun anstelle des Heinsberger Kreislogos eine Abbildung der Insel. Doch an der Hecktür wird ein kleiner Aufkleber an die Herkunft des Mercedes erinnern, wenn er demnächst auf der Insel unterwegs ist.

Sie glauben, dass die Geschichte nun zu Ende ist? Weit gefehlt. Ralf Grzelka arbeitet bereits daran, mit Feuerwehrkameraden aus den Erkelenzer Gruppen zu Schulungen nach Karpathos zu fliegen und so aktiv am Aufbau der freiwilligen Feuerwehr und einer Gruppe freiwilliger Rettungssanitäter mitzuarbeiten

Beim Eintreffen auf der Insel werden die beiden Erkelenzer Feuerwehrleute bereits mit der Ausbildung der bis dahin gemeldeten Freiwilligen beginnen. Denn der Bürgermeister und der Inselrat haben Grzelka um weitere Mithilfe und Aufbauunterstützung gebeten. Die europaweit gültige Notrufnummer „112” hat er zwischenzeitlich von Gerderath aus auf Karpathos eingeführt. „Es war eigentlich ganz einfach”, erinnert er sich. „Karpathos war einfach vergessen worden.” Bis dahin musste man im Notfall die mehrstellige Nummer des Medical Centers wählen, bevor der alte Ford Taunus aus dem Jahr 1967 kam. Und wenn er kam, war nicht sicher, dass die Insassen wirklich wussten, was sie zu tun hatten. Deshalb gibt es den Sprinter aus dem Kreis Heinsberg nur mit der Auflage, dass die Inselverwaltung für eine gut ausgebildete und einsatzbereite Besatzung sorgt.

Bisher kommunizierte der Rettungsdienst untereinander per Handy, was angesichts der vielen Sendelöcher auf Karpathos durchaus seine Tücken hatte. Also packt der Gerderather noch ein paar Funkgeräte ein und macht sich im Kopf die Notiz „Funkausbildung organisieren”. Es gibt noch viel zu tun für Ralf Grzelka. Doch das ist es ihm wert. „Ich will ja auch ein Gefühl von Sicherheit haben, wenn ich dort mit meiner Familie Urlaub mache”, erklärt er.

Die Fahrt nach Karpathos und wie es dort mit dem Rettungswagen weitergeht, kann man auch im Internet verfolgen. Bei Facebook informiert die Gruppenseite „RTW für Karpathos”.
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