Rehe in Gefahr: Kilometerlanger Zaun an der B56 soll Leben retten

Von: defi
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„Wildschutzzaun jetzt – auch um Menschenleben zu schützen“ ist eine klare Forderung der Bauernschaft, die von Politikern unterstützt wird. Ein Teilstück der neuen B 56 bleibt aber bis auf Weiteres „unbezäunt“. Foto: defi

Heinsberg-Waldenrath. Die Bundesstraße 56n wird von vielen, vor allem Autofahrern herbeigesehnt. Doch Reh und Wildschwein werden dem Eröffnungstermin am 3. Mai wohl unvorbereitet begegnen. Hoffentlich nicht im direkten Kontakt mit dem Autofahrer. Befürchtungen in Bezug auf Wildunfälle haben die Politik und die Ortsbauernschaft Waldenrath-Straeten auf den Plan gerufen. Sichtbares Zeichen des Unmutes ist ein großes Transparent.

Ein alter Anhänger sorgt für Standfestigkeit und ein wahrer Schriftkünstler hat in schönen Lettern den Text „Wildschutzzaun jetzt – auch um Menschenleben zu schützen“ gestaltet. Zwei hübsche Fähnchen in weiß/rot sorgen für weitere Aufmerksamkeit am Kreisverkehr bei Waldenrath gleich an der Trasse der B56n.

Rehe sollen beobachtet werden

„Wenn man so was macht, dann soll man es auch richtig machen“, sagt Manfred Fell, Ortsvorsteher von Waldenrath und Straeten, zum gelungenen Mahnmal. Er ist einer von denen, die sich für eine Schließung der Wildzaunlücke zwischen Erpen und Schierwaldenrath einsetzen. Fell hat neben der Bauernschaft auch Heinsbergs Bürgermeister Wolfgang Dieder und den Landtagsabgeordneten Bernd Krückel an seiner Seite. Doch der Bauträger, der Landesbetrieb Straßenbau NRW, ließ sich bislang nicht bewegen, die Zaunlücke zu schließen. Man werde aber den Rehbestand nach Freigabe der Straße beobachten, hatte Straßenbau NRW der Stadt Heinsberg im November 2016 mitgeteilt.

Der Landesbetrieb sieht die vermutete Verkehrsgefährdung zurzeit als nicht belegt an. Wenn es nötig sei, werde man aber auch Geld in die Hand nehmen. Man könne aber sicherlich nicht alle Straßen einzäunen.

Groben Schätzungen zur Folge müssten drei Kilometer Zaun gebaut werden, um das Wild vom Queren der neuen Trasse abzuhalten. Zwei mal drei, für jede Seite ein Zaun, macht sechs Kilometer. Bei 10 bis 15 Euro pro Meter geht es um ganz grob geschätzte 90.000 Euro.

Warum nun wurde der Wildzaun unterbrochen und nicht durchgängig ausgeführt? 2010 war der Planfeststellungsbeschluss zur B56n gefasst worden. Zuvor waren Träger öffentlicher Belange um eine Stellungnahme gebeten worden. Damals war man wohl zu der Einschätzung gelangt, dass im Bereich des betreffenden Teilstücks kein bedeutender Wildwechsel zu verzeichnen sei.

Seitdem sind sieben Jahre vergangen, und das Wild macht, was es will. Es geht dahin, wo es was zu futtern gibt: ins Maisfeld. Manfred Fell: „In den letzten Jahren hat sich durch den verstärkten Maisanbau hier einiges verändert. Wir haben eine Wildschweinrotte mit einem Dutzend Tieren gesichtet. Der Rehbestand hat sich vergrößert. Die Rehe finden mehr Deckung im Maisfeld und halten sich immer weniger im Wald auf.“ Die Tiere würden von einem ins andere Feld wechseln, Böschungskante rauf, Böschungskante runter und dazwischen dann schnell über die Straße.

Zudem habe man eine intensive Viehhaltung mit Pferd und Rind in diesem Bereich. Fell verweist auf den schweren Unfall auf der Autobahn bei Dremmen. Eine Kuh war dort auf die Fahrbahn gelaufen. Fell: „Da hat der Autofahrer keine Chance.“ Und er meint: „Wenn man alle zwei Meter einen Baum pflanzt, dann kann man doch auch einen Zaun setzen.“

„Anliegen absolut vernünftig“

Der CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Krückel, wohnhaft in Waldenrath, setzt auf den 3. Mai. Dann wird die B56n, die „85-Millionen-Nummer“, groß gefeiert. Gefeiert wird bei Waldenrath, da wo kein Wildschutzzaun zu sehen sein wird. Krückel setzt sich zusammen mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers für die Schließung der Zaunlücke ein. Krückel: „Die Landwirte haben unsere volle Unterstützung. Sie haben recht mit ihren Sorgen. Ihr Anliegen ist absolut vernünftig.“

Man werde den Landesminister und den zu erwartenden Staatssekretär vor Ort bei der Eröffnung auf die besondere Situation hinweisen und vielleicht ließen sich ja Bundesmittel flüssig machen. Super (aus Sicht der Zaunbefürworter) wäre, wenn die Wildschweinrotte bei der Eröffnung mal die Trasse queren würde, um ihrer Existenz Nachdruck zu verleihen. Aber vielleicht klappt‘s ja auch ohne tierische Unterstützung.

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