Regen-Sommer verhagelt Gastronomen das Geschäft

Von: defi
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Eine Palme macht leider noch k
Eine Palme macht leider noch keinen Sommer - und so bleiben zurzeit in der Außengastronomie wie hier auf dem Heinsberger Marktplatz viele Plätze leer. Foto: defi

Heinsberg. Eigentlich hat der Campus Beach alles, was der Naherholer zum Chillen braucht. Doch leider weht die Topfpalme recht einsam im Wind, der den Heinsberger Lago Laprello in Wellengang versetzt und die wenigen Seebesucher nicht verweilen lässt.

Regen, Wind und Temperaturen, die rein nix mit Sommer zu tun haben, machen nicht nur den Gastronomen des im Naherholungsgebiet Lago Laprello neu eröffneten Campus Beach das Leben schwer; jeder, der in diesem Sommer auf Außengastronomie gesetzt hat, spürt das Wetter in der Kasse.

Richard Haberlandt ist einer der beiden Geschäftsführer, die den Campus Beach am Lago und das Bistro Campus Live am Heinsberger Marktplatz führen. Haberlandt: „Das ist in diesem Jahr kein Sommer, sondern eher ein Herbstgeschäft, statt Pils und Weizenbier trinken die Kunden Kaffee und Kakao und statt Baguette und Salat werden eher deftige Gerichte gegessen.”

Der Campus Live am Markt verfügt auch bei schlechtem Wetter über genügend Sitzplätze für die Gäste. Anders sieht es draußen am See aus. Im Campus Beach ist der größte Teil der Gastronomiefläche auf gutes Wetter ausgelegt. Die Lage ist herrlich, doch das Wetter mies.

Nur wenige Tage nach der Campus Beach-Eröffnung am 11. Juni hatte der Wettergott entschieden, dass es in diesem Jahr keinen Sommer geben sollte, der den Namen verdient hätte. Ein paar Spaziergänger beim Hundeausführen passieren den Strand, ansonsten ist der See in Sachen Gastronomie tot.

Richard Haberlandt ist aber froh, dass die Heinsberger trotzdem nicht zu Hause sitzen bleiben und zumindest den „Indoor-Campus” am Markt besuchen. Für den Campus Beach gilt weiterhin das Motto: „Geöffnet sieben Tage die Woche, aber nur bei schönem Wetter.”

Auch im Heinsberger Stadtteil Horst ist das Sommerwetter alles andere als typisch. Entspannen in den geschmackvoll eingerichteten Gasträumen des Bauernhofcafés Zur Linde, das geht natürlich bei jedem Wetter.

Doch sich die hausgemachten Leckereien unter dem schönen Nussbaum im Bauerngarten der Familie Sausen schmecken lassen, ist in diesem Sommer eher was für unverbesserliche Optimisten. Das Café ist eingerichtet in der seit vielen hundert Jahren im Familienbesitz befindlichen Hofanlage im Ortskern von Horst.

Mit der simplen Feststellung „Im Sommer möchten unsere Gäste draußen sitzen”, bringt es Claudia Krings-Sausen auf den Punkt. Drinnen sitzen statt draußen kann bei momentan eher selten schönem Wetter eng werden, die Ausweichplätze draußen fehlen für die Spontananreisenden.

Die Frühstücksplätze drinnen sind früh reserviert, und wer nicht gebucht hat, fände rein theoretisch im Bauerngarten einen schönen Platz im Sommersonnenschein fürs Frühstück oder für den Sonntagsnachmittagskaffee.

Ob in diesem Jahr der Hosenboden dabei trocken bleibt, ist dann allerdings reine Glückssache. Das Bauernhofcafé wird gerne von Fahrradtouristen besucht. Doch die Angst, auf dem Rückweg pitschnass zu werden, hält viele Ausflügler davon ab, ihren Drahtesel zu besteigen.

Claudia Krings-Sausen: „Bei diesem Wetter kommen nur die Hartgesottenen mit dem Rad zu uns.” Und nachdem gerade zumindest der Weizen auf den Hof eingebracht ist, fügt die Diplom-Agraringenieurin Krings-Sausen für Landwirtschaft und Gastronomie gleichbedeutend hinzu: „Wir hoffen auf einen schönen Herbst.”

„Der April war bärig”, sagt Pros-pex-Werkstattleiter Rochus Wellenbrock: „Der Mai sehr gut, ab Mitte Juni dann die Katastrophe!” Rein wirtschaftlich betrachtet hat Prospex mit dem Betrieb des Bootshauses am Lago Laprello in Heinsberg ein Drittel weniger eingenommen als im Jahr zuvor.

300 bis 400 Menschen an einem schönen Sonnentag am Lago waren 2010 keine Seltenheit. Die Nachfrage nach Kalt- und Heißgetränken am Bootshaus war riesig. Wer auf den See hinausfahren wollte mit Tret- oder Paddelboot, musste sich in den schönen Monaten des vergangenen Jahres in die Warteschlange einreihen.

2011 bekäme jeder, der auf den Lago raus möchte, sofort ein Bötchen, nur leider möchte keiner. Der Wunsch nach „Schlickereien”, so Rochus Wellenbrock (der Mann stammt aus Westfalen), also den kleinen Snacks für Zwischendurch, ließ das Personal im Bootshaus im Startjahr 2010 schon das ein oder andere Mal ins Schwitzen geraten. Monika Reichwald gehört 2011 zum Team des Bootshauses und gerät eher nicht ins Schwitzen.

Im Bootshaus haben sechs Menschen mit psychischer Behinderung einen Dauerarbeitsplatz. Monika Reichwald nimmt das Wetter mit der Gelassenheit, die man diesem Sommer entgegen bringen muss, will man einigermaßen fröhlich über die Runden kommen. Monika Reichwald: „Ich finde hier jeden Tag was zu arbeiten. Die Boote müssen leergeschöpft werden, und auch die Enten hinterlassen ihren Dreck auf dem Bootssteeg.”

Werkstattleiter Rochus Wellenbrock sähe es lieber, wenn das Bootshaus so richtig brummen würde. Die ersten Erfahrungen aus 2010, das Jahr der Geschäftseröffnung, wurden eingeschult, und das Personal wäre fit für den Gästeansturm 2011. Wellenbrock: „Nur leider spielt das Wetter nicht mit.”

Und so fällt der Wunsch von Prospex, dass sich im Bootshaus Menschen mit und ohne Behinderung in entspannter Atmosphäre begegnen, im Sommer 2011 etwas „zu entspannt” aus. Zumindest bleibt viel Zeit für Gespräche mit den Stammgästen.

Wenn selbst Griechen die Ruhe ausgeht, wird es ernst. Apostolos Hariton leitet das Café Fredo im Heinsberger Stadtzentrum und kann sich an keine größere „Katastrophe” erinnern als diesen Sommer: „Da müsste ich erst einmal in meinen Büchern nachsehen, ob wir schon mal einen so schlechten Sommer hatten wie in diesem Jahr. Letzte Woche kam eine Frau in mein Café und wollte einen Glühwein bestellen, das geht doch nun wirklich nicht!”
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