Hückelhoven-Hilfarth - Raus an die Rur zum „Gold” der Korbmacher

Raus an die Rur zum „Gold” der Korbmacher

Von: Dettmar Fischer
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Es sah aus wie die Palmsonntagsprozession, als Lambert Hensen mit den Kindern vom Weidenschneiden zurück ins Korbmachermuseum zog. Foto: defi

Hückelhoven-Hilfarth. „Hilfarth früher” lautet das Motto der Ferienspiele der Katholischen Pfarrgemeinde St. Leonhard Hilfarth. 50 Kinder begaben sich auf eine kleine Zeitreise zurück in die Jahre, wo Opa und Oma noch jung waren. Was lag da näher, als auch einen Besuch im Korbmachermuseum zu machen.

Lambert Hensen begrüßte die 50 Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren im Museum in der Nohlmannstraße. Weit hatten es die kleinen Zeitreisenden nicht, denn gleich neben dem Korbmachermusem liegt das Pfarrheim von Sankt Leonhard, wo die Kinder während der einwöchigen Ferienspiele ihr Domizil aufgeschlagen hatten.

Nach einem ersten kurzen Umgucken im Museum und einem Gruppenfoto für die Heimatzeitung ging es dann aber erstmal auf Schusters Rappen, wie das früher so üblich war, raus an die Rur, zum Wehr und zu den Weiden, des Korbmachers Gold.

Lambert Hensen hatten den Kindern einiges zu berichten von der alten Zeit, den Korbmachern und davon, wie schön die Heimat ist, wenn man denn die Augen aufmacht. Hensen ist gelernter Korbmacher, schulte um auf evangelischer Diakon, um schlussendlich seine Profession zu finden als Grundschullehrer. Das zahlte sich im Umgang mit 50 Kindern aus.

Erstmal über Feldwege bis zur Rur. Erste Station kurz vor dem Wehr, trockene Weidenstöckchen für jedes Kind und dann ab ins Wasser, natürlich mit den Stöckchen. Kinder seien aber auch schon in der Rur ertrunken, warnte Hensen, früher, als Lambert selber noch ein Kind war. Eines hatte aber Glück, ist heute verheiratet und hat ihr Leben Lambert Hensens Onkel zu verdanken.

Den hatte ein Kamerad des in die Wurm gestürzten Mädchens alarmiert, und Hensens Onkel, sportlich wie er war, war über die Weidenzäune hinweg aus dem Ort herbei gesprintet, in den Fluss gesprungen und hatte das Mächen noch retten können. An Geschichten mangelte es also nicht.

Mit den Stöckchen wollte Lambert Hensen den Kindern anschaulich machen, wie mit einem Wehr die Fließgeschwindigkeit eines Fluss verlangsamt werden kann. Doch den ganz langsamen unter den Stöckchenwerfern ging es immer noch zu schnell.

„Ich musste ja echt laufen, um das Stöckchen noch einzuholen,” beklagte sich Maximilian ein wenig. Weiter ging es zum Weidenfeld, vorbei an der Weißdornhecke, die einst Opa von Lambert geschnitten hatte und wegen der nun unter Naturschutz Stehenden ein Baugebiet nicht ausgewiesen worden sei.

Dies erfuhren die Kinder auf dem Damm stehend, der dereinst die Rur vor dem Einlaufen nach Hilfarth hatte hindern sollen. Was die Rur aber bis zu ihrer Begradigung zum Leidwesen vieler Hilfarther doch hin und wieder tat. Jedes Kind wurde im Weidenfeld mit einem Weidenzweig ausgestattet, bevor es zur Weiterverarbeitung ins Korbmachermuseum ging.

Ähnlich der Palmsonntagsprozession zogen die Kinder die letzten 300 Meter zum Museum zurück und folgten im Großen und Ganzen betrachtet der Anweisung ihres Führers, die Weidenzweige nicht zum Verhauen der anderen Kinder zu verwenden.

Im Korbmachermuseum konnten die Kinder ausprobieren, wie mühselig die Menschen sich früher ihr Brot verdienten. Allein die Rinde von den Weidenzweigen zu schälen, war mit dem alten Handwerkszeug nicht einfach.

Den Schlingel in der Hand

Die Kinder früher in Hilfarth nahmen die frisch geschälte Rinde - Betreuerin Regina Hülkenberg konnte sich noch gut daran erinnern - und wickelten diese um einen Finger zu einer Spirale auf und warfen die „Schlingel” genannten einfachen Spielzeuge über Telegrafen- und Stromleitungen. Wer die meisten über den Drähten hängen hatte, war der Sieger.

Auch ans Körbeflechten durften sich die Kinder wagen und dann auf den Tafeln im Museum die Namen der großen „Kollegen” lesen: etwa Christian Königs, einer der letzten aus der Zunft der „Wannmacher”; oder den des letzten „Splietwerkers”, Josef Lengersdorf, gestorben 1949.

„Früher in Hilfarth” war für die Kinder, die an diesen Ferienspielen teilnahmen, eine unterhaltsame und lehrreiche Reise in eine weit entfernte Welt. Selbst das Plattdeutsche, beim Gottesdienst in den Fürbitten belebt, traf bei den Kindern auf großes Interesse. „Das will ich auch können”, war die Resonanz. Und einige konnten sogar schon ein paar Brocken Platt: „Dat hat meine Oma mir gelernt”, war stolz zu hören.
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