Prozess: Tauchopfer kann bis heute nicht kommunizieren

Von: rei
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Geilenkirchen/Heinsberg. Vor dem Geilenkirchener Schöffengericht wurde am Dienstag ein Prozess wegen Fahrlässiger Körperverletzung gegen den Tauchlehrer Werner K. aus Hückelhoven fortgeführt.

Die eigentlich vorgesehene Entscheidung über den von den Strafverteidigern Wolfgang Kroheck und Michael Thomas gestellten Befangenheitsantrag bezüglich des Sachverständigen Frank Gottschalch konnte an diesem Termin aufgrund noch kurzfristig eingereichter Schriftsätze nicht getroffen werden.

Das dem Außenstehenden als Ränkespiel anmutende Verhalten der Parteien wird verständlicher, wenn man bedenkt, dass neben dem Strafverfahren auch ein zivilrechtlicher Streit unter anderem über die erheblichen Kosten der ärztlichen und anderweitigen Versorgung des damals 17-jährigen Unfallopfers Monique M. anhängig ist. Da derzeit nicht auszuschließen ist, dass eine Pflegebedürftigkeit zeitlebens bestehen bleibt, stehen erhebliche Summen im Raum, deren Höhe schnell mehrere hunderttausend Euro überschreiten kann. Monique M. kann aufgrund einer erlittene Hirnschädigung momentan mit der Außenwelt so gut wie gar nicht kommunizieren.

Deshalb streiten die Vertreter mitunter hitzig über scheinbare Belanglosigkeiten wie die Frage, ob man nach Absolvierung von 17 Tauchgängen von jeweils circa 30 Minuten noch als Anfänger anzusehen ist, oder über die Abmessungen von verwendeten Pressluftflaschen beziehungsweise -westen. Auch im Hinblick darauf machte der Angeklagte zu seiner privaten Laufbahn als Tauchlehrer und seinen dazugehörigen Qualifikationen und Aktivitäten auf Anraten seiner Anwälte keinerlei Angaben. Auch nicht als der Vorsitzende Thomas Schönig versuchte, die Stimmung ein wenig aufzulockern: „Singen Sie im Chor oder gehen Sie tanzen?“ Allerdings entfuhr dem von den Vorgängen aus dem Jahre 2013 sichtlich gezeichneten Angeklagten hierauf: „Seit drei Jahren mache ich gar nichts mehr.“

Die Staatsanwaltschaft warf Werner K. in der vom Anklagevertreter Michael Wehrstedt verlesenen Anklageschrift vor, seine Verantwortung für seine Tauchpartnerin vor und während des damaligen Tauchgangs fahrlässig vernachlässigt zu haben. Als sogenannte Buddies sei man gegenseitig für den Ausrüstungscheck bei sich selbst und dem Tauchpartner zuständig.

Werner K. – der seinerzeit unstreitig nicht in seiner Eigenschaft als Tauchlehrer, sondern lediglich als Tauchpartner aktiv war – habe aber nur Monique M. bei der Überprüfung ihrer Ausrüstung kontrolliert und beobachtet, ohne deren Equipment selbst zu testen. So sei ihm entgangen, dass gleich mehrere Bedingungen nicht regelkonform gewesen seien, die letztlich gemeinsam zum Unglücksfall führten. Es sei nur ein Atemsystem vorhanden gewesen, obwohl zwei voneinander unabhängige vorgeschrieben seien. Bei diesem einen System sei dann auch noch der Atemregler defekt gewesen, ebenso der Druckminderer, was hätte auffallen müssen. Auch habe die Tarierweste, die beim Aufsteigen helfen soll, Luft verloren und die Ausrüstung sei zu schwer gewesen. Die Sicht habe nur einen halben Meter betragen, dennoch sei – vorschriftswidrig – ohne Körperkontakt oder Leine getaucht worden. Durch die Verkettung dieser unglücklichen Umstände sei Monique M. mit Sauerstoff unterversorgt gewesen und habe die Orientierung verloren, ohne dass die Ausrüstung sie selbständig an die Oberfläche bringen konnte oder der Angeklagte dies bemerkte.

Ob diese hauptsächlich auf das Gutachten des Sachverständigen Gottschlach gestützten und zwischen Verteidigung und Anklage hochumstrittenen Vorwürfe zutreffen, wird erst durch die Aussage des Sachverständigen und die weiteren Zeugenvernehmungen ermittelt werden können. Das Verfahren wird in 14 Tagen fortgesetzt.

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