„Prävention vor Reha vor Rente“ sollte gelten

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Die Experten standen nach ihren Vorträgen sowohl Moderator Dieter Schuhmachers (3. v. l.) als auch den Zuhörern Rede und Antwort: Ulrich Theißen von der Deutschen Rentenversicherung Rheinland, Gregor Mertens vom AOK-Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung, Helmut Pospiech von MH Wirth, Dominik Pöppl von der Ambulanten Reha in Geilenkirchen und Prof. Dr. Thomas Kraus vom Universitätsklinikum Aachen (v. l. n. r.). Foto: Georg Schmitz
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Wollen das Netzwerk rund um Prävention und Rehabilitation im Kreis Heinsberg schmieden: Gesundheitsamtsleiter Dr. Karl-Heinz Feldhoff (rechts) und Kurt Groten, Geschäftsführer der Ambulanten Reha am Krankenhaus Geilenkirchen. Foto: Georg Schmitz
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Will für die Arbeitnehmerschaft die Themenpalette von der betrieblichen Gesundheitsförderung über die Rehabilitation bis zur Wiedereingliederung anpacken: DGB-Kreisvorsitzender Willi Klaßen.
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„Komm wieder zurück zur Arbeit!“ lautete der Titel: Die Zuhörer verfolgten aufmerksam die Impulsvorträge und die Podiumsdiskussion in der Ambulanten Reha am Krankenhaus Geilenkirchen. Foto: Georg Schmitz

Kreis Heinsberg. Mehr Miteinander aller Akteure im Gesundheitswesen wie auch der Arbeitnehmer und Arbeitgeber rund um Gesundheitsförderung, Rehabilitation und Wiedereingliederung im Berufsleben ist das erklärte Ziel eines neuen Netzwerkes.

Zu dessen Gründung hatte die Ambulante Reha am Krankenhaus Geilenkirchen mit einer Vortragsveranstaltung unter dem Titel „Komm wieder zurück zur Arbeit!“ in ihren Räumlichkeiten jetzt den Anstoß gegeben hat. Einer der Kooperationspartner war der Zeitungsverlag. Regionalredakteur Dieter Schuhmachers fungierte als Moderator.

„Die Seele hängt immer öfter durch“, berichtete Ulrich Theißen, Fachbereichsleiter Rehamanagement bei der Deutschen Rentenversicherung Rheinland, von „explosionsartig“ gestiegenen Fallzahlen aufgrund psychischer Belastungen. Das Problem sei, dass die Fälle häufig zu spät erkannt und professionelle Hilfe zu spät in Anspruch genommen werde. Die Intensivierung der Zusammenarbeit bezeichnete Theißen als „ganz wichtiges Feld“, unterstrich er den Appell zur Netzwerk-Bildung.

Mit Zahlen, Daten und Fakten belegte auch Gregor Mertens, stellvertretender Leiter des AOK-Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung, dass psychische Erkrankungen hohe Zuwachsraten aufweisen würden. Die Weltgesundheitsorganisation habe prophezeit, dass Depression 2020 in Industriestaaten die Volkskrankheit Nummer eins sein werde. Jeder Arbeitgeber sei gut beraten, wenn er sich aktiv um die Gesundheit der Arbeitnehmer bemühe, sagte Mertens.

Wie bedeutsam die Gesundheit der Mitarbeiter für Unternehmen auch wirtschaftlich ist, machte Personalleiter Helmut Pospiech von MH Wirth (Aker Solutions) in Erkelenz an einer Zahl deutlich: Ein Fehltag verursache Kosten von 300 Euro, die erst einmal erwirtschaftet werden müssten. Krankheitsfälle würden begleitet – nicht als Drohkulisse, sondern als Unterstützung. Es gebe Rückkehrergespräche, Eingliederungsmanagement und Nachsorge, aber zum Beispiel auch Gesundheitstage.

Dominik Pöppl, Diplom-Psychologe in der Ambulanten Reha, stellte das Geilenkirchener Haus vor, das als größte ambulante orthopädische Rehabilitationseinrichtung in NRW gilt. Seit diesem Jahr werden im ausgebauten Obergeschoss des Gebäudes aber auch Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen behandelt. Das Behandlungsangebot ist um die spezielle medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation für Menschen mit besonderen beruflichen Problemlagen erweitert worden.

Optimierungsbedarf und Optimierungsmöglichkeiten im Zusammenwirken zwischen Reha-Einrichtung, Haus- und Fachärzten sowie Arbeitsmedizinern hat Professor Dr. Thomas Kraus ausgemacht. Der Direktor des Instituts für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin (RWTH Aachen) brachte die wünschenswerte Prioritätensetzung auf die Formel: „Prävention vor Reha vor Rente“. Er wolle ein Plädoyer halten für Prävention, meine damit aber keinen Aktionismus. Es gebe für Unternehmen eine Pflicht, die jedoch in vielen Fällen noch nicht einmal erfüllt werde, und eine Kür – mit Gesundheitsmanagement, das über die gesetzlichen Vorgaben hinaus gehe.

Die konkrete Netzwerkarbeit werde nun auf den Weg gebracht, versprachen Kurt Groten, Geschäftsführer der gastgebenden Ambulanten Reha, und Kreisgesundheitsamtsleiter Dr. Karl-Heinz Feldhoff. Mit kleinen Schritten Großes bewirken, so hatte Feldhoff die Netzwerkarbeit im Kreis Heinsberg beschrieben, die stets auch in der Gesundheitskonferenz ihre Verankerung finde. Angesprochen und eingebunden werden sollen im weiteren Prozess jetzt vor allem Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Dabei soll auf eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) wie auch mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gesetzt werden.

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