Positive Bilanz: „Der Gemeinde Gangelt ging es nie so gut“

Von: dawin
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Im Gangelter Rathaus will man auch für das kommende Jahr Steuererhöhungen vermeiden. Foto: Karl-Heinz Hamacher
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Bürgermeister Bernhard Tholen wirbt trotz Bedenken von Teilen der Opposition für ein Dorfgemeinschaftshaus für die Dreidörfergemeinschaft Stahe/Niederbusch/Hohenbusch. Foto: dawin

Gangelt. Selten genug in diesen prekären Zeiten: Ein Bürgermeister ist zufrieden. Bernhard Tholen zieht zum Ende des Jahres eine durchweg positive Bilanz für die Gemeinde Gangelt. Sie ist frei von Schulden, engagiert und gut aufgestellt in der Flüchtlingshilfe, wächst beständig und hat Geld in der Gemeindeschatulle, um Bürgerhäuser zu realisieren und das Freibad offen zu halten. Unsere Zeitung sprach mit Tholen über den Stand der Dinge, Perspektiven und Wünsche.

Der Haushalt 2016 wurde mit einer großen Mehrheit beschlossen. Die Opposition wirft Ihnen allerdings vor, zu viel Geld für Dorfgemeinschaftshäuser auszugeben und dadurch Steuererhöhungen für die Bürger in Kauf zu nehmen. Steht das tatsächlich in Einklang mit der von Ihnen apostrophierten soliden Haushaltspolitik?

Tholen: Der Gemeinde Gangelt ist es seit ihrer Gründung im Jahr 1969 noch nie besser gegangen als heute. Sie ist seit 2013 schuldenfrei und verfügte beim Jahresabschluss 2014 über eine Liquidität von neun Millionen Euro, das heißt: Das ist das Geld, das wir auf dem laufenden Konto haben. Das ist einmalig im Kreis Heinsberg. Weiterhin einmalig ist, dass wir die Ausgleichsrücklage von vier Millionen Euro seit Beginn des Neuen Kommunalen Finanzmanagements, NKF, im Jahr 2009 bis zum Jahresabschluss 2014 sogar auf 5,7 Millionen Euro auffüllen konnten. Damit sind wir für die kommenden Jahre hervorragend aufgestellt.

Deshalb blieben die Gangelter bislang auch von Steuererhöhungen verschont.

Tholen: Ja. Seit 2012 haben wir keine Steuererhöhungen beschließen müssen. Immerhin auch schon wieder fünf Jahre. Die Steuersätze der Gemeinde Gangelt liegen im Vergleich der zehn Kommunen im Kreis Heinsberg auf Platz drei. Nur Wassenberg und Hückelhoven liegen bei ihren Steuersätzen darunter. Auch der Jahresabschluss 2015 wird sich erheblich verbessern. Sollten wir einen fast ausgeglichenen Haushalt für 2015 erreichen, werde ich auch 2017 keine Steuererhöhungen vorschlagen. Was sollte also dagegen sprechen, für Stahe/Niederbusch/Hohenbusch ein Dorfgemeinschaftshaus über die Bereitstellung von Geld für die notwendigen Materialkosten zu fördern? Man muss sich die gesellschaftliche Bedeutung dieser Einrichtungen vor Augen halten: Dorfgemeinschaftshäuser sorgen dafür, dass viele Vereine in ihren Dörfern eine Zukunft haben, was unsere Gemeinde so einmalig und lebenswert macht.

Apropos lebenswert. Ist die Gemeinde Gangelt auch in diesem Jahr wieder gewachsen?

Tholen: Neben den 180 Flüchtlingen, die 2015 dazugekommen sind, haben wir ein Bevölkerungsplus von 120 Einwohnern. Zum Jahresende zählen wir 12.301 Einwohner, wobei Birgden mit 3114 nach wie vor der größte und Kievelberg mit 23 der kleinste Ortsteil ist.

Reicht die vorhandene Infrastruktur angesichts so vieler Neubürger noch aus?

Tholen: In der Gemeinde sind alle Kindergärten auf U3-Betreuung umgestellt worden. Über 60 Prozent der U3-Kinder finden in Gangelt einen Kinderspielplatz. Weiterhin verfügen wir über zwei gut ausgebaute Grundschulen mit jeweils 200 Kindern. Die Kapazitäten reichen hier pro Schule bis maximal 250 Schüler. Außerdem ist eine neue Gesamtschule zusammen mit der Gemeinde Selfkant im Aufbau. Hier freuen wir uns über jeden Schüler, der sich anmeldet, um eine besonders gute Oberstufe darstellen zu können. Wir haben zurzeit 36 Flüchtlingskinder in der Gemeinde wohnen, von denen hoffentlich auch einige nach ihrer Anerkennung in der Gemeinde bleiben.

Stichwort Flüchtlinge: Wie werden die vielen Menschen in Gangelt aufgenommen?

Tholen: Ende 2014 waren es noch 60 Personen, aktuell haben wir etwa 240 Flüchtlinge. Daneben gibt es noch die Erstaufnahmeeinrichtung in der Dreifachturnhalle mit rund 100 Plätzen. Wenn mich etwas in 2015 begeistert hat, ist es die Hilfsbereitschaft der Gangelter. Über 40 Bürger engagieren sich aktiv im „Arbeitskreis Asyl“, geben Deutschunterricht, helfen bei Behördengängen, besorgen Möbel, Kleidung und Spielzeug. Es gibt die Helfer in der Kleiderkammer und der Fahrradwerkstatt. Andere spenden Geld oder bieten uns eine Wohnung zur Unterbringung der Flüchtlinge an. Wir haben alle Flüchtlinge dezentral unterbringen können. Damit haben wir gute Chancen auf ein Gelingen der Integration. Lob gilt auch den Vereinen und Schulen, die auf die Dreifachturnhalle verzichten und auf andere Sportstätten ausweichen müssen – und die sich dennoch positiv zur Situation äußern.

Wie viele Flüchtlinge sind seit Anfang November, solange besteht die Erstaufnahmestelle ja, dort angekommen?

Tholen: 75 Menschen sind angekommen, sie wurden ärztlich untersucht und bei der Bezirksregierung Köln registriert. Alle konnten innerhalb der Gemeinde Gangelt verteilt werden, da noch freie Plätze da waren. Die Zahl der Betten wird um 40 aufgestockt. Und jetzt warten wir halt auf neue Zuweisungen.

In vielen Gemeinden wird intensiv eine Schließung der Bäder diskutiert. Wird man sich auch in Gangelt mit dem Thema befassen müssen?

Tholen: Nein, im Gegenteil. Wir haben sogar die zwei Lehrschwimmbecken an den Grundschulen für etwa eine Million Euro renoviert. Das Freibad in Gangelt steht auch nicht zur Diskussion. Wir haben zwar ein jährliches Defizit von rund 220.000 Euro. Aber ein Bad ist nun mal ein Zuschussgeschäft, und das Geld müssen und können wir in unserer gegenwärtigen Haushaltssituation aufbringen. Das Bad trägt ebenso wie die beiden Lehrschwimmbecken dazu bei, dass jedes Kind schon im Grundschulalter schwimmen lernen kann. Weiterhin hat es einen hohen Freizeitwert, der durch den grenzüberschreitenden Naturpark Rodebach, das Infocenter, den Kahnweiher, die Minigolfanlage, die Selfkantbahn, die Breberener Mühle und den Wildpark komplettiert wird.

Was sind die Ziele für 2016?

Tholen: Wir müssen dringend zwei neue Gewerbegebiete planen und erschließen. In Gangelt konnten wir gerade die letzten zwei Grundstücke verkaufen, in Birgden war Mitte des Jahres bereits alles verkauft. Gerade jetzt, wo die Bundesstraße 56n endlich fertig wird, ist es besonders wichtig, Flächen für eine gewerbliche Entwicklung anbieten zu können. Darüber hinaus möchte ich in allen Bezirken ein Baugebiet erschließen und vermarkten. Größere Investitionen sind der Bau der Mensa an der Gesamtschule, die Mitte des Jahres fertiggestellt sein muss, sowie die Anschaffung einer neuen Drehleiter für die Feuerwehr. Hierfür stehen über eine Million Euro zur Verfügung.

Was sind die persönlichen Wünsche fürs neue Jahr?

Tholen: Ich wünsche mir, dass die Welt ein wenig zur Ruhe kommt, die Flüchtlingsproblematik gemeinschaftlich in der EU gelöst wird, und dass der Klimaschutz, wie er in Paris vereinbart wurde, umgesetzt wird, damit die Kinder dieser Welt eine gute Zukunft haben.

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