Politik: Bei Kunstrasenplätzen Ball flach halten

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:

Hückelhoven. Der „Bremser” trat gleich zu Beginn der Sitzung in Aktion. Um die möglicherweise aufkommenden Begehrlichkeiten der Sportsfreunde unter den Mitgliedern des Ausschusses für Kultur, Sport und Städtepartnerschaft im Zaum zu halten, machte Kämmerer Helmut Holländer einleitend klar, worum es bei Punkt eins der Tagesordnung „Umgestaltung von Sportplätzen” gehen würde.

„Es wird hier heute keine Entscheidung getroffen. Es geht nur darum, Informationen und Daten als Grundlage für eine Diskussion zu bekommen.” „Kunstrasenplätze” waren das Thema. Und dabei ist im Augenblick das Verlangen bei den (Fußball-) Vereinen groß.

In Ratheim und in Millich müssen die Plätze in naher Zukunft erneuert werden. Es wurde der Wunsch geäußert, möglicherweise einen Kunstrasenplatz anzulegen. Die für die eine solche Entscheidungsfindung nötigen Informationen gab im Fachausschuss Landschaftsarchitekt Martin Hiller, dessen Planungsbüro über große Erfahrungen im Sportplatzbau verfügt. Die wichtigsten Fakten beziehen sich - zumindest aus Sicht des Kämmerers - auf nackte Zahlen: Das Anlegen eines Kunstrasenplatzes (8150 Quadratmeter) kostet mit Toren, Eckfahne, Beleuchtung laut Hillers rund 700.000 Euro brutto einschließlich Mehrwertsteuer - ein Naturrasenplatz ist halb so teuer.

Bei den „Pflegekosten” ist das Verhältnis umgekehrt: Bei einem Naturrasenplatz fallen 31785 Euro (3,90 Euro/Quadratmeter), beim Kunststoffrasen 13.040 Euro (1,60 Euro/Quadratmeter) an. Was die Nutzer der Plätze interessiert: Naturrasenplätze sind 500 bis 800 Stunden pro Jahr nutzbar, Plätze mit Kunststoffrasen 2000 bis 2500. „Die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen Plätze”, erklärte der Fachmann den Ausschussmitgliedern, „lässt sich in Lebenszykluskosten bei einem Betrachtungszeitraum von 25 Jahren zusammenfassen”.

Sein Ergebnis: „Naturrasen 60,16 Euro, Kunststoffrasenplatz 29,30 Euro”. Wann also lohnt sich ein Kunststoffrasenplatz für wen wirklich? Da machte Martin Hiller eine Aussage, die Helmut Holländer gerne aufgriff: „Bei hoher Ausnutzung des Platzes, also mindestens 14 Mannschaften, ist die Errichtung eines Kunststoffrasenplatzes sinnvoll”.

Der Kämmerer sah das ganze allerdings von der anderen Seite: „Ein Kunststoffrasenplatz ist also nur bei sehr hoher Nutzung rentabel”. Diese Steilvorlage griff Heinz-Josef Kreutzer in seiner Eigenschaft als Fraktionschef der CDU gerne auf: „Es muss also schon ein starker Verein sein, um so einen Platz zu nutzen”, sagte er. Und fügte in einem Atemzug hinzu: „Die Beratung in der Fraktion wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen.” Will heißen: Die Politik will den Ball flach halten, es geht um sehr viel Geld. Und da hört der Spaß meistens auf.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert