Erkelenz-Lövenich - Peters: „Politik redet Probleme der Landwirte klein”

Peters: „Politik redet Probleme der Landwirte klein”

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Uber die Probleme der Milchbauern informierte sich der CDU-Ortsverband Lövenich-Katzem-Kleinbouslar auf dem Dingbuchhof. Diplom-Agraringenieur Heribert Peters (re.) stand Rede und Antwort. Foto: Dahmen

Erkelenz-Lövenich. Zurzeit erlebt der Milchsektor in der Bundesrepublik Deutschland die schlimmste Krise mit unübersehbaren Auswirkungen auf die Milchbauern.

Aus diesem Grund hatte der CDU-Ortsverband Lövenich-Katzem-Kleinbouslar zu einer Besichtung des Dingbuchhofes der Eheleute Heribert und Brigitte Peters eingeladen, um sich an Ort und Stelle zu informieren. Seit 1997 betreibt die Familie Peters hier an neuem Standort den Gemischbetrieb. Im Vordergrund steht die Milchwirtschaft mit zusätzlichem Zuchtbetrieb, der seit 90 Jahren in der Familie betrieben wird, sowie Ackerbau.

Neben 75 Milchkühen stehen noch 105 Stück Jungvieh im Stall. „Als reiner Milchbetrieb kann heute kein Landwirt mehr bestehen”, sagt Diplom-Agraringenieur Heribert Peters. Er weist auf den enormen Druck auf die Landwirte hin, der viele Existente bedrohe. „Wachse oder weiche”, bekämen die Milchbauern heute zu hören. Die im Jahre 1996 neu errichte Hofanlage auf der Höhe zwischen Lövenich und Kofferen steht auf historischem Boden.

„Nach alten Unterlagen wurde der Dingbuchhof bereits 1492 erwähnt”, sagte Peters beim Rundgang. Die alten Gebäude waren den gestellten Anforderungen nicht mehr gewachsen und mussten deshalb komplett abgerissen werden. Ein hochmoderner Lehrbetrieb mit zwei Auszubildenden stellt sich heute den hohen Anforderungen. Regelmäßige Überprüfungen garantieren hohe Qualität. Beim Rundgang kritisiert Peters die Politik, weil sie die Probleme kleinrede und nicht wisse, wie es um die Zukunft der deutschen Milcherzeugung stehe. „Der Bundesverband Deutsche Milchviehhaltung fordert deshalb 40 Cent pro Liter, gezahlt werde zurzeit 23 Cent.”

Die Deckung der Vollkosten der Produktion für einen Liter Milch sei das oberste Ziel des BDM. Die Forderung nach 40 Cent Basismilchpreis sei dabei das mittelfristige Ziel. „Langfristig”, so Peters, „muss der Basismilchpreis an die Veränderungen des Marktes, wie Preise für Betriebsmittel, Kosten der Sozialversicherung und Rentabilität des Betriebes angepasst werden.”

Heribert Peters spricht sich für eine europaweite Quotenregelung aus, wie der Markt es fordere. Der Milchpreis sei inzwischen auf einem absoluten Tiefstand angekommen und sorge jeden Tag für Verluste, nicht nur auf seinem Milchviehhof. „Bis zum Jahresende wird sich diese Lage noch verschlechtern”, so Peters.

Der Ruin der Milchbauern bedrohe die gesamte Gesellschaft und Volkswirtschaft: Mit rund 120.000 Arbeitsplätzen sei die Milcherzeugung ein relevanter Faktor für den Arbeitsmarkt. Dazu käme mindestens die gleiche Anzahl von Arbeitsplätzen im vor- und nachgelagerten Bereich. „Wir sollten auch die Verbraucher fragen, woher sie ihre Milch haben wollen”, sagt Peters und weist darauf hin, dass die Milchviehhaltung ein Kulturgut und zugleich Granat für den Erhalt und die Pflege der Landschaft sei.

Der deutsche Milchmarkt wäre weitestgehend ohne Subventionen lebensfähig, wenn eine Mengensteuerung der Produktion von Milch in Deutschland in den Händen der Erzeuger läge. „Jetzt ist die Politik am Zuge, die Weichen zu stellen, um die Existenzgrundlage der Milchbauern zu erhalten”, sagt Peters. Mit 40 Cent Basismilchpreis könne sich vieles ändern. Eine Verbesserung der Einkommen der Milcherzeuger durch kostendeckende Preise wäre möglich.

Dadurch wäre eine geringere staatliche Abhängigkeit und somit weniger Bürokratie durchsetzbar, da die finanzielle Situation nicht mehr vom Tropf der staatlichen Direktzahlungen abhängig wäre. Auch würden faire Rahmenbedingungen, um einen vergleichbaren Sozialstandard zu ermöglichen, geschaffen.

Heribert Peters ist der festen Überzeugung: „40 Cent Milchpreis würde auch bedeuten, mehr Zeit für die Familie, mehr Selbstwertgefühl und ein neues Selbstbewusstsein für die Familie, Erhaltung der über Generationen erarbeiteten Werte, arbeiten um zu leben und nicht leben um zu arbeiten. Einfach ausgedrückt: Ein neues Lebensgefühl”.
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