Kreis Heinsberg - Personelle Situation in Lehrerkollegien immer wieder ein Thema

Personelle Situation in Lehrerkollegien immer wieder ein Thema

Von: disch
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Wie ist es um die Unterrichtssituation an den Grundschulen bestellt? en Die personelle Situation in den Lehrerkollegien der Grundschulen ist in Nordrhein-Westfalen immer wieder ein Thema. Foto: imago/McPhoto

Kreis Heinsberg. Die personelle Situation in den Lehrerkollegien der Grundschulen ist gerade in diesem Schuljahr in Nordrhein-Westfalen immer wieder ein Thema. Schulamtsdirektor Christoph Esser vom Schulamt für den Kreis Heinsberg stand Rede und Antwort.

Es gab von Seiten der Lehrerverbände in diesem Schuljahr alarmierende Mitteilungen: „Steuern die Grundschulen auf einen erheblichen Lehrermangel zu?“ So fragte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Grundschulen können Bildungsauftrag nicht länger erfüllen“, mahnte der Verband Bildung und Erziehung (VBE). Können Sie verstehen, dass solche Nachrichten Eltern beunruhigen?

Esser: Eine mögliche Verunsicherung der Eltern kann ich grundsätzlich nachvollziehen. In enger Kooperation mit den Schulleitungen sorgen wir dafür, dass der Unterricht in den Grundschulen im Kreis Heinsberg in aller Regel ungekürzt stattfindet.

Wie ist es denn aktuell ganz konkret an den Grundschulen im Kreis Heinsberg um die Versorgung mit Lehrkräften bestellt? Wie viele Stellen gibt es? Wie viele sind ­davon unbesetzt? Gibt es Schulen, an denen der personelle Engpass ­besonders massiv und auch in Form von Unterrichtsausfall spürbar ist?

Esser: Von den circa 540 Lehrerstellen im Kreis Heinsberg sind zurzeit 32 weiterhin im Besetzungsverfahren, wobei ein großer Teil dieser Stellen für die mobile Vertretungsreserve vorgesehen ist. Damit stehen den Schulen zwar weniger personelle Unterstützungsmaßnahmen, etwa im kurzfristigen Vertretungsbedarf, zur Verfügung, die Unterrichtsversorgung ist jedoch weiterhin grundsätzlich an allen Schulen gesichert.

Mancher spricht aber schon von einer generellen Lehrerknappheit. Beim Vergleich mit benachbarten Gebieten wie Städteregion Aachen oder Kreis Düren konnte zuletzt jedenfalls der Eindruck entstehen, dass der Anteil der unbesetzten Stellen im Kreis Heinsberg besonders hoch ist. Gibt es dafür eine Erklärung? Ist der Kreis Heinsberg so unattraktiv für Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen?

Esser: Die Problematik der nicht besetzbaren Lehrerstellen besteht im ganzen Land. Traditionell sind für Lehrkräfte die Regionen besonders interessant, die nahe an den Lehrerausbildungsorten liegen. Dazu gehört der Kreis Heinsberg nun einmal nicht. Auf der anderen Seite gibt es auch Regionen, die noch deutlich stärker betroffen sind.

Sie hatten im Sommer die Hoffnung geäußert, dass bis zu den Herbstferien 26 Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter im Kreis Heinsberg ihr zweites Staatsexamen ablegen und den Schulen dann mit einem höheren Stundenkontingent zur Verfügung stehen würden. Perspektivisch könnten bis dahin unbesetzte Stellen mit diesen zukünftigen Lehrerinnen und Lehrern besetzt werden, hieß es von Ihrer Seite. Und sie hatten auf die vom Land eröffnete Möglichkeit hingewiesen, dass sich auf vakante Stellen im Grundschulbereich auch Lehrerinnen und Lehrer mit einem anderen Lehramt und bestimmten Fächerkombinationen bewerben könnten. Trog diese Hoffnung?

Esser: Die Lehramtsanwärterinnen des letzten Ausbildungsjahrgangs haben in der Tat entscheidend dazu beigetragen, dass die Unterrichtsversorgung gewährleistet ist. 17 Stellen konnten zum November durch diese Kolleginnen besetzt werden. Damit hat sich erneut ein wichtiger Trend gezeigt: Lehrkräfte, die im Kreis Heinsberg ihre Stelle antreten, arbeiten engagiert und oft langfristig an ihrer Schule. In einigen Fällen konnten auch Lehrkräfte mit gymnasialem Lehramt gewonnen werden.

Was muss sich tun, damit sich die Situation generell, aber insbesondere auch im Kreis Heinsberg verbessert? Oder wird das Problem so schnell gar nicht zu lösen sein?

Esser: Der Situation können wir nur mit einer Kombination mehrerer Maßnahmen begegnen, einige Beispiele: Wir als Schulaufsicht werben bei den Lehrkräften dafür, auch außerhalb der geltenden Fristen ihre Arbeitszeit zu erhöhen, Mehrarbeit zu leisten oder den ­Ruhestand hinauszuschieben. Erfreulicherweise gibt es im Kreis Heinsberg zahlreiche Lehrkräfte, die von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen. Zusätzlich schafft das Ministerium durch einen aktuellen Erlass für Hochschulabsolventen ohne Lehramt in den Fächern Sport, Musik und Kunst die Möglichkeit, dauerhaft in der Grundschule eine Anstellung zu finden. Darüber hinaus werden zeitlich befristet Vertretungskräfte eingestellt, beispielsweise Lehramtsstudenten. Wann sich das Verhältnis nach zu besetzender Stellen und potenzieller Bewerber wieder ausgewogener darstellt, kann ich aus Heinsberger Perspektive nicht beantworten, da sowohl die demografische Entwicklung als auch die Zahl der zu erwartenden Lehramtsabsolventen eine Rolle spielt.

Immer weniger Männer in den Lehrerkollegien der Grundschulen

Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als amtliche Statistikstelle des Landes jüngst errechnete, ist der Anteil der männlichen Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen in NRW gegenüber dem Schuljahr 2005/06 von 32,9 Prozent um fünf Prozentpunkte auf 27,9 Prozent 2015/16 gesunken. Bei der Unterrichtung der jüngsten Schüler waren die ­Männeranteile am niedrigsten: Der Lehreranteil an Grundschulen hat sich von 10,9 Prozent (2005/06) auf 8,7 Prozent (2015/16) verringert.

Auch im Kreis Heinsberg ist der Männeranteil unter den hauptberuflichen Lehrkräften an Grundschulen drstiasch zurückgegangen: von 15,2 Prozent auf 7,1 Prozent. Die Prozentsätze in den einzelnen Kommunen im Kreis Heinsberg: ­Erkelenz 5,8 Prozent, Gangelt 0 Prozent, Geilenkirchen 7,0 Prozent, Heinsberg 6,4 Prozent, Hückelhoven 14,7 Prozent, Selfkant 0 Prozent, Übach-Palenberg 5,2 Prozent, ­Waldfeucht 15,4 Prozent, Wassenberg 1,9 Prozent, Wegberg 7,9 Prozent.

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