Persönliche Route: Kunsttour mit 51 Stationen

Von: Anna Petra Thomas
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Flugsaurierknochen waren die Idee hinter den vier Gips-Plastiken von Hans Georg Fabry. In ihrer Mittellinie sind alle vier mit Blattgold verziert. Foto: Anna Petra Thomas
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Hans und Ulrike Radermacher (links) freuten sich über Besucher, die sogar aus Aachen gekommen waren, um die neuen Werke zu wundern. Foto: Anna Petra Thomas
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„Herz-Gehirn“ heißt die Ton-Plastik von Karin Soot-Böhmer. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Viele an Kunst interessierte Menschen aus dem Kreis Heinsberg und teilweise weit darüber hinaus nutzten auch die 14. Kunsttour dazu, den einen oder anderen Künstler in der Region persönlich kennenzulernen oder seine neuen Arbeiten zu bewundern. Aus 51 Stationen konnten sich die Kunstfreunde dieses Mal ihre ganz persönliche Tour zusammenstellen.

Ateliers und Galerien, aber auch Werkstätten, Gärten und Wohnzimmer standen ihnen offen. Koordiniert wurde die Kunsttour, die von unserer Zeitung als Medienpartner begleitet wurde, vom Heinsberger Tourist-Service (HTS).

Bereits zum dritten Mal war Hans Radermacher aus Hückelhoven-Baal dabei. Von der Bundesstraße 57 aus hatte er den Weg in sein Wohnzimmer gut ausgeschildert. Unscheinbar in einem Einfamilienhaus erwartete den Besucher hinter weißer Klinkerfassade eine wahre Fundgrube an Malerei und Plastik.

Er sei zwar Autodidakt, erklärte der ehemalige Berufskolleg-Lehrer seinen Besuchern, aber Malerei sei für ihn Berufung. Seit seiner Pensionierung vor sieben Jahren befasst er sich ganz intensiv damit. Und so konnten die Gäste nicht nur an den Wänden seines Wohnzimmers, sondern auch in einem Grafikständer und in diversen Mappen rund 250 abstrakte Werke bewundern, die eher selten eine Gegenständlichkeit erahnen ließen.

Radermachers Malerei begeisterte nicht nur durch ihre Farbigkeit, sondern auch durch die Kombination ganz unterschiedlicher Untergründe mit verschiedenen Mischtechniken und Materialien. „Ich male ja nicht für mich“, erklärte er zur intensiven Farbigkeit seiner Bilder. „Ich will andere Menschen damit erfreuen.“

Gerne erklärte er seinen Gästen die Techniken, die er für seine Werke einsetzt. Er stellt sogar selbst Acrylfarben her, nutzt aber auch Materialen aus dem Baumarkt wie zum Beispiel Blitzzement. Am Anfang habe er keinen Plan, erzählte Radermacher. „Ich stehe im Dialog mit dem Bild. Und ich lege so lange Schichten übereinander, bis es mir gefällt.“

Zum ersten Mal dabei war Hans Georg Fabry aus Heinsberg-Porselen. Ihm angetan hat es der Gips, ein Material, das bei ihm auch in seinem kunsthandwerklichen Beruf als Restaurator zum Einsatz kommt. Kombiniert mit der Faszination der Werke von Hans Arp hat er faszinierende, schneeweiße Plastiken geschaffen. Noch mehr fallen aber in seiner Galerie vier farbige Skulpturen ins Auge, in je zwei Hälften handgeformt. An Flugsaurier-Knochen habe er dabei gedacht, erklärt Fabry. Zwei Werke sind mit Kupferpulver beschichtet, die beiden andern mit Elfenbeinimitat. Wo die Hälften aufeinandertreffen, sind sie mit Blattgold verziert.

Ein Blick in die Werkstatt zeigt eine ganz neue Leidenschaft, der sich Fabry derzeit widmet: die Herstellung von Stuckmarmor. Eine Säule, in ihrer geometrischen Form einem Werk im Louvre exakt nachempfunden, ist zur Kunsttour nicht ganz fertig geworden, beeindruckt aber auch so. „Kunst fängt für mich da an, wo das Material zur Vollendung kommt. Ich liebe es, wenn ich etwas detailliert planen und ausführen kann“, sagt der Künstler.

Das ist bei Karin Soot-Böhmer wieder ganz anders. Wie Radermacher ist sie eine Künstlerin, für die ein Kunstwerk in einem Prozess ohne Plan entsteht. Ein Beispiel dafür ist das graue Tonporträt, das aufgrund seiner besonderen Farbe gleich ins Auge fällt. „Nein, es ist gebrannt“, erklärt die Künstlerin, die anlässlich der Kunsttour in die Galerie „Kunstx7“ nach Erkelenz-Fronderath eingeladen hat. Hier arbeitet sie mit fünf weiteren Künstlerinnen zusammen. Das Porträt ist neben drei Holzskulpturen eines von vier Abschlusswerken in der zweiten Aufbauklasse, die sie in der Bildhauerhalle Bonn besucht hat.

Es habe sie immer geärgert, dass der Ton beim Brennen seine graue Farbe verliere. Sie hat sie ihm zurückgegeben. Das Geheimnis: Sie hat ihr Werk mit Tusche koloriert und ihm an einigen Stellen mit Wachs Glanz verliehen. „Wie wir im Gesicht auch glänzende Stellen haben“, sagt sie. „Herz-Gehirn“ heißt das Werk. „Wir sind verkopfte Menschen, statt auf unser Inneres zu hören. In unserer schnelllebigen Zeit lassen wir uns nicht die Zeit dazu“, mahnt sie mit ihrem Werk.

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